Fast 50 Porträts aus dem Fayum in Rom versammelt: eine große Ausstellung mit seltenen Werken


Im Museo dell’Ara Pacis in Rom vereint eine große Ausstellung über 110 Werke zur Porträtkunst im römischen Ägypten, angefangen bei den Fayum-Porträts, den berühmten und seltenen Porträts des alten Ägyptens, die für ihren Realismus bekannt sind. Zum ersten Mal kommen fast alle in den ägyptischen Sammlungen aufbewahrten Tafeln nach Italien.

Die Fayum-Porträts, die berühmten, auf Grabtafelnim alten Ägypten gemalten Gesichter, gehören zu den bekanntesten Darstellungen der Antike, sind in Italien jedoch auch besonders schwer zu sehen – zumindest als Gesamtheit – , da sie äußerst selten und zerbrechlich sind. Weltweit gibt es weniger als tausend davon, und es handelt sich um äußerst empfindliche Objekte, die auf dünne Holztafeln gemalt und auf die Gesichter der Mumien aufgebracht wurden und für ihren außergewöhnlichen Realismus bekannt sind. Nun werden vom 5. November 2026 bis zum 2. Mai 2027 fast fünfzig dieser Porträts in Rom im Museo dell’Ara Pacis im Rahmen der Ausstellung „Die Macht des Porträts. Ägypten und Rom. Die Gesichter des Fayum“ versammelt. Der Kern der Ausstellung, der in die Hauptstadt kommt, umfasst Werke, die Ägypten noch nie verlassen haben, darunter das berühmte „Tondo der beiden Brüder“, das als eines der Meisterwerke der antiken Malerei gilt. Zum ersten Mal wird Ägypten nämlich fast alle in seinen Sammlungen befindlichen Fayum-Porträttafeln als Leihgabe zur Verfügung stellen, sodass die Ausstellung die Möglichkeit bietet, die Werke aus den ägyptischen Sammlungen denen des Louvre, des Getty Museums, des Metropolitan Museum of Art und anderer internationaler Institutionen gegenüberzustellen. Es ist somit das zweite Mal innerhalb eines Jahres, dass ein Teil des alten Ägyptens … nach Rom kommt: Die Ausstellung folgt nämlich auf jene über die Schätze der Pharaonen, die in den Scuderie del Quirinale stattfand.

Insgesamt werden über 110 Werke ausgestellt, darunter bemalte Tafeln, Leichentücher, Totenmasken, Marmorskulpturen, Gipsabgüsse und antike Goldschmiedearbeiten. Der Ausstellungsparcours widmet sich dem Porträt im römischen Ägypten und der Art und Weise, wie sich diese Darstellungsform in einer Gesellschaft entwickelte, in der ägyptische Traditionen und römische Kultur aufeinandertrafen.

Die Fayum-Porträts nehmen in der Geschichte der antiken Kunst gerade wegen ihrer Fähigkeit, individuelle Gesichter wiederzugeben, einen besonderen Platz ein: Sie wurden auf wenige Millimeter dicke Holztafeln gemalt, wobei entweder Tempera oder Enkaustik verwendet wurde, eine Technik, bei der Pigmente mit heißem Wachs vermischt wurden. Die Bilder wurden anschließend auf das Gesicht des Verstorbenen zwischen die Bandagen der Mumie gelegt. Ihre Bestattungsfunktion hinderte diese kleinen Tafeln nicht daran, eine außergewöhnliche Unmittelbarkeit in der Darstellung der Motive zu erreichen. Das Gesicht wird in der Tat zum Mittelpunkt des Bildes und bewahrt eine stark individualisierte Präsenz, obwohl es zu einem rituellen Kontext im Zusammenhang mit dem Tod gehört. Es ist diese Beziehung zwischen persönlicher Identität, Darstellung und Bestattungsfunktion, die die Ausstellung im Ara Pacis anhand einer besonders umfangreichen Sammlung von Werken zu ergründen versucht.

Holzkreis der beiden Brüder oder Kreis von Antinoopolis (Holz, Enkaustikmalerei; Kairo, Ägyptisches Museum)
Holztafel der „Zwei Brüder“ oder „Tondo von Antinoopolis“ (Holz, Enkaustik; Kairo, Ägyptisches Museum)
Grabporträt der Eirene (40–50 n. Chr.; Enkaustik auf Lindenholz; Stuttgart, Landesmuseum Württemberg)
Grabporträt der Eirene (40–50 n. Chr.; Enkaustik auf Lindenholz; Stuttgart, Landesmuseum Württemberg)

Es handelt sich auch aufgrund ihrer materiellen Eigenschaften um einzigartige Objekte: Die Holztafeln, auf denen die Gesichter gemalt sind, sind oft nur wenige Millimeter dick und wurden auf das Gesicht des Verstorbenen zwischen die Bandagen der Mumie gelegt; ihre Oberfläche konnte mit einer Gipsschicht vorbereitet worden sein und weist in einigen Fällen noch Spuren einer darunterliegenden Zeichnung auf. Für die Malerei wurden vor allem zwei Techniken verwendet:die Enkaustik auf Wachsbasis und die Temperamalerei mit Tierleim. In einigen Fällen wurde zudem Blattgold verwendet, um Schmuck und Girlanden darzustellen, doch es sind auch Mischtechniken und Varianten der Hauptverfahren dokumentiert. Der Unterschied zwischen den beiden Haupttechniken ist auf der Oberfläche der Werke noch erkennbar: Die in Enkaustik ausgeführten Porträts weisen oft intensive Farben und relativ breite Pinselstriche auf, während diejenigen in Tempera subtilere Farbverläufe und eine mattere, kreidige Farbgebung zeigen. Man kann jedoch feststellen, dass in beiden Fällen die Qualität der Malerei mit der Fähigkeit zusammenhängt, durch Licht und Schatten Volumen zu erzeugen, während die Abstufungen des Teint, die Lichter und die Schatten dazu beitragen, den Figuren eine dreidimensionale Wirkung und einen besonders ausgeprägten Naturalismus zu verleihen.

Der Name, unter dem diese Werke bekannt sind, leitet sichvon der Oase Fayyum in Ägypten ab, wo der Großteil der Porträts gefunden wurde, wenn auch nicht ausschließlich. Die Bilder stammen aus einer bestimmten Epoche der ägyptischen Geschichte: Ihre Entstehungszeit reicht vom Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr., also in die Römerzeit. Es sei darauf hingewiesen, dass die Fayum-Porträts, obwohl es in Ägypten eine lange Tradition der Darstellung von Verstorbenen gibt, sowohl aufgrund der geografischen Konzentration der Funde als auch aufgrund ihrer Chronologie ein eigenständiges Phänomen darstellen; die Gründe, warum diese Produktion eingestellt wurde, sind jedoch noch nicht bekannt. Ihr Interesse beruht jedoch nicht nur auf dem Ruhm, den sie im Laufe der Zeit erlangt haben: Zusammen mit den in Herculaneum und Pompeji erhaltenen Fresken, den Malereien im „Grab des Tauchers“ in Paestum und einigen Grabdarstellungen aus Vergina in Zentralmakedonien stellen die Fayyum-Porträts in der Tat eines der wichtigsten erhaltenen Zeugnisse der antiken Malerei dar, und ihr Erhaltungszustand ermöglicht es, Aspekte der Maltechnik zu beobachten, die bei den meisten Werken der Antike verloren gegangen sind. Auch das Alter der dargestellten Personen ist ein charakteristisches Merkmal: Die meisten Gesichter zeigen sehr junge Menschen, und Personen über 35 Jahre kommen selten vor, höchstens 40 Jahre alt sind; dies wurde auf die niedrige Lebenserwartung jener Zeit zurückgeführt (Untersuchungen an Mumien haben eine starke Übereinstimmung zwischen dem Alter und dem Geschlecht der dargestellten Personen und denen der Verstorbenen gezeigt, mit denen die Tafeln in Verbindung standen).

Porträt eines Mannes mit einem Muttermal auf der Nase (130–150 n. Chr.; Enkaustik auf Holz; New York, Metropolitan Museum of Art)
Porträt eines Mannes mit einem Muttermal auf der Nase (130–150 n. Chr.; Enkaustik auf Holz; New York, Metropolitan Museum of Art)
Grabporträt einer Frau (100 n. Chr.; Enkaustik auf Lindenholz, Vergoldung, Leinen; Los Angeles, Getty Museum)
Grabporträt einer Frau (100 n. Chr.; Enkaustik auf Lindenholz, Vergoldung, Leinen; Los Angeles, Getty Museum)

Die Seltenheit von Leihgaben macht das Projekt umso bedeutender: Die Tafeln sind nämlich sehr empfindliche Artefakte und verlassen nur selten die Institutionen, in denen sie aufbewahrt werden. Daher stellt die Zusammenführung von fast fünfzig Porträts in Rom eine außergewöhnliche Gelegenheit dar, die durch ein internationales Leihprogramm ermöglicht wurde, an dem Museen und Sammlungen aus verschiedenen Ländern beteiligt sind. Die aus Ägypten stammende Gruppe bildet den wichtigsten Kern: Die Werke kommen aus den Sammlungen des Ägyptischen Museums in Kairo und anderen ägyptischen Institutionen, und wie im Projekt vorgesehen, werden in Rom auch Tafeln ausgestellt, die das Land noch nie verlassen hatten. Darunter befindet sich, wie bereits angekündigt, das „Tondo der beiden Brüder“, eines der bekanntesten Gemälde des gesamten Fayum-Schaffens: Das Werk wurde im Rahmen des Ausstellungsprojekts in Ägypten von italienischen Restauratoren restauriert, und seine Präsenz in Rom steht somit nicht nur im Zusammenhang mit dieser außergewöhnlichen Leihgabe, sondern auch mit den Konservierungsarbeiten, die im Vorfeld der Ausstellung durchgeführt wurden.

Zu dem ägyptischen Kernstück kommen 23 Werke aus dem Louvre hinzu, darunter bemalte Holztafeln und seltene Leinentücher. Weitere Leihgaben stammen aus dem Getty Museum, dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem Landesmuseum Württemberg in Stuttgart und anderen internationalen Institutionen. Der Ausstellungsparcours umfasst zudem Werke aus italienischen Sammlungen: Zu den Leihgebern zählen das Archäologische Nationalmuseum in Florenz, die Kapitolinischen Museen und die Centrale Montemartini, das Museum für antike Skulpturen Giovanni Barracco, das Museum der Fabbrica di San Pietro, die Archäologischen Parks von Pompeji und Herculaneum sowie das Museo Libero D’Orsi. Ebenfalls zu sehen sein werden Werke aus dem Musée Lugdunum in Lyon, aus der Myers-Sammlung des Eton College, aus dem Kom-Aushim-Museum und aus dem Museum von Hurghada.

Eine noch engere Verbindung des Projekts zur zeitgenössischen archäologischen Forschung wird durch die Präsentation eines Jugendporträts hergestellt, das kürzlich bei den Ausgrabungen der italienischen archäologischen Mission der Universität Salento in Ägypten zutage gefördert wurde. Das Werk wird erstmals der Öffentlichkeit präsentiert und soll dazu beitragen, die Blütezeit der in Museen aufbewahrten Grabporträts mit den neuen archäologischen Entdeckungen in Verbindung zu bringen.

Porträt einer jungen Frau mit goldener Krone (120–140 n. Chr.; Enkaustik auf Holz mit Blattgold; New York, Metropolitan Museum of Art)
Porträt einer jungen Frau mit goldener Krone (120–140 n. Chr.; Enkaustik auf Holz mit Blattgold; New York, Metropolitan Museum of Art)
Grabporträt eines bärtigen Mannes (Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr.; Enkaustikmalerei auf Holz; Eton, Eton College, Myers-Sammlung)
Grabporträt eines bärtigen Mannes (Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr.; Enkaustik auf Holz; Eton, Eton College, Myers-Sammlung)

Der Titel der Ausstellung, „Die Macht des Porträts“, lenkt zudem den Blick weg vom rein ästhetischen Aspekt der Gemälde hin zu der Funktion, die das Gesichtsbild in der römischen Welt Ägyptens einnahm, während der Untertitel „Ägypten und Rom“ hingegen auf den kulturellen Kontext verweist, in dem diese Werke entstanden, in einem Gebiet, in dem unterschiedliche Traditionen aufeinandertrafen und künstlerische Formen hervorbrachten, die sich durch eine besondere Vielfalt auszeichnen. Die Zusammenstellung der Werke ermöglicht es zudem, die verschiedenen Arten zu betrachten, auf die das Gesicht dargestellt und in den Bestattungskontext eingebettet werden konnte: Neben den bemalten Tafeln werden Leichentücher, Totenmasken und andere Objekte gezeigt, um das Bild über das einzelne Porträt hinaus zu erweitern. Der Rundgang durch die Ara Pacis beschränkt sich daher nicht darauf, eine Reihe berühmter Gesichter der Antike zusammenzuführen, sondern wird die gemalten Bilder mit anderen Artefakten in Verbindung bringen, die mit Bestattungsbräuchen und der Darstellung des Verstorbenen zusammenhängen, sodass die Porträts zum Ausgangspunkt für die Betrachtung einer umfassenderen Bildkultur werden, in der das Gesicht eine zentrale Rolle spielte.

Die Ausstellung wird von Claudio Parisi Presicce und Laura Petacco kuratiert und von Roma Capitale, dem Dezernat für Kultur und die Koordination der Initiativen im Zusammenhang mit dem Tag des Gedenkens, sowie von der Sovrintendenza Capitolina ai Beni Culturali gefördert. Die Organisation obliegt der Sovrintendenza Capitolina und dem zeitlich begrenzten Unternehmensverbund MondoMostre – Civita Mostre e Musei in Zusammenarbeit mit Zètema Progetto Cultura. Das Projekt wird von einem Katalog begleitet, der vom Verlag Allemandi Editore herausgegeben wird. Für Besucher ist das Museo dell’Ara Pacis täglich von 9.30 bis 19.30 Uhr geöffnet, letzter Einlass ist eine Stunde vor Schließung. Der Vorverkauf für das OPEN-Ticket zum Preis von 17 Euro zuzüglich 1 Euro Vorverkaufsgebühr hat bereits begonnen.

Fast 50 Porträts aus dem Fayum in Rom versammelt: eine große Ausstellung mit seltenen Werken
Fast 50 Porträts aus dem Fayum in Rom versammelt: eine große Ausstellung mit seltenen Werken



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