Der italienische Barock in Dresden: Zeichnungen aus dem 18. Jahrhundert kehren nach drei Jahrhunderten nach Rom zurück


Vom 25. September 2026 bis zum 10. Januar 2027 präsentiert das Museo Napoleonico in Rom eine Auswahl an Zeichnungen und architektonischen Entwürfen aus dem 18. Jahrhundert aus den Beständen des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen, darunter Werke, die vor rund dreihundert Jahren in Rom entstanden sind.

Vom 25. September 2026 bis zum 10. Januar 2027 zeigt das Museo Napoleonico in Rom die Ausstellung „Der italienische Barock in Dresden“. Architekturzeichnungen aus dem Landesamt für Denkmalpflege Sachsen – eine Ausstellung, die einer Sammlung von Zeichnungen und Skizzen italienischer und sächsischer Künstler gewidmet ist, die heute in der wissenschaftlichen Sammlungdes Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen aufbewahrt werden. Die Eröffnung findet am Donnerstag, den 24. September, um 15:30 Uhr im Museum an der Piazza di Ponte Umberto I, 1, statt.

Zum ersten Mal seit rund dreihundert Jahren werden in Rom einige Werke aus der Sammlung des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen präsentiert, darunter originale Architekturzeichnungen, die im 18. Jahrhundert in der italienischen Hauptstadt entstanden sind. Die Ausstellung wird vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen kuratiert, von Roma Capitale, dem Dezernat für Kultur und die Koordinierung der Initiativen im Rahmen des Gedenktages sowie von der Römischen Denkmalschutzbehörde (Sovrintendenza Capitolina ai Beni Culturali) gefördert und vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen mit Unterstützung des Sächsischen Ministeriums für Infrastruktur und Raumentwicklung organisiert. Die musealen Dienstleistungen werden von Zètema Progetto Cultura übernommen.

Einblick in die Ausstellung „Der italienische Barock in Dresden“ im Napoleonischen Museum (2026) © Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Foto: Silke Kosbab (Landesamt für Denkmalpflege Sachsen)
Ansicht der Ausstellung „Der italienische Barock in Dresden“ im Museo Napoleonico (2026) © Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Foto: Silke Kosbab (Landesamt für Denkmalpflege Sachsen)
Ansichten von Dresden aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, basierend auf Stichen des Hofmalers Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, sowie eine Karte von Dresden und Umgebung, um 1750. © Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Foto: Sven Pank (Landesamt für Denkmalpflege Sachsen)
Ansichten von Dresden aus der Mitte des 18. Jahrhunderts nach Stichen des Hofmalers Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, sowie eine Karte von Dresden und Umgebung, um 1750. © Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Foto: Sven Pank (Landesamt für Denkmalpflege Sachsen)

Der Ausstellungsparcours beleuchtet eine Phase der Dresdner Geschichte, in der die Stadt zu einem der wichtigsten Zentren für die Verbreitung der italienischen Kultur nördlich der Alpen wurde. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die sächsische Hauptstadt, die aufgrund ihrer umfangreichen Kunstsammlungen bereits als „Florenz an der Elbe“ bekannt war, von Kurfürst Friedrich August II., der unter dem Namen August III. König von Polen war, und seiner Gemahlin Maria Giuseppa regiert. Die Herrscher, die sich für Italien und die „Opera seria“ begeisterten, beschränkten sich nicht nur auf das Sammeln italienischer Gemälde von Meistern wie Raffael, Correggio, Giorgione und Tizian, sondern förderten auch die Ankunft zahlreicher Künstler aus Italien in Dresden: Komponisten, Sänger, Instrumentalisten, Dichter, Bühnenbildner und Theaterarchitekten.

Die italienische Präsenz fügte sich in die besondere Situation des katholischen sächsischen Hofes ein, der sich in einem überwiegend protestantischen Gebiet befand. Eine entscheidende Rolle bei der Förderung des kulturellen Lebens spielten auch die italienischen Jesuiten. Zu den bedeutendsten Zeugnissen dieser Epoche zählt die Kathedrale der Heiligen Dreifaltigkeit, die 1751 nach einem Entwurf des italienischen Architekten Gaetano Chiaveri eingeweiht wurde und als „das römischste Gebäude nördlich der Alpen“ bezeichnet wird. Das Bauwerk prägt nach wie vor das Stadtbild Dresdens, obwohl es 1945 schwere Schäden erlitten hat. Die an seinem Bau beteiligten italienischen Künstler und Handwerker hinterließen zudem Spuren ihrer Tätigkeit an anderen Orten der Stadt und in Sachsen.

Dresden, Blick vom Dach des Dreifaltigkeitsdoms auf die Semperoper mit den Heiligenstatuen von Lorenzo Mattielli, unbekannter Fotograf, um 1930. © Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Bildarchiv (Landesamt für Denkmalpflege Sachsen)
Dresden, Blick vom Dach der Dreifaltigkeitskathedrale auf die Semperoper mit den Heiligenstatuen von Lorenzo Mattielli, unbekannter Fotograf, um 1930. © Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Bildarchiv (Landesamt für Denkmalpflege Sachsen)

Der Hof Augusts III. holte Maler, Stuckateure, Musiker, Tänzer und Theaterunternehmer aus Italien, in einem Kontext, der als „Augusteisches Zeitalter“ bezeichnet wird. Zu den in Dresden anwesenden Persönlichkeiten gehörte der venezianische Maler Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, ein Hofmaler, dessen Stadtansichten zu den wichtigsten Zeugnissen des Erscheinungsbildes der Stadt in dieser Zeit zählen. Gleichzeitig reisten Gelehrte, Maler und Architekten aus Dresden nach Italien, insbesondere in die südlichen Regionen, um dort auch längere Studienaufenthalte zu absolvieren, und brachten anschließend Modelle, Beobachtungen und auf ihren Reisen gewonnene Erkenntnisse nach Sachsen zurück.

Die wissenschaftliche Sammlung des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen bewahrt zahlreiche Zeugnisse dieses Austauschs. Aus diesem Bestand stammt die im Museo Napoleonico präsentierte Auswahl, bestehend aus Zeichnungen und architektonischen Skizzen, die eine Phase intensiven Austauschs von Künstlern, Vorlagen und Entwürfen dokumentieren. Der Vergleich mit dem zeitgenössischen italienischen Kulturleben wird auch dadurch unterstrichen, dass während in Dresden eine umfangreiche Retrospektive zu den aus Italien stammenden Gemälden von Correggio stattfindet, in Rom originale Architekturzeichnungen aus dem 18. Jahrhundert aus der sächsischen Stadt ausgestellt werden. Einige davon entstanden vor rund dreihundert Jahren gerade in Rom.

Gaetano Chiaveri, Dresden, 5. Entwurf für den Neubau des Königspalasts, 1748. © Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Foto: Sven Pank (Landesamt für Denkmalpflege Sachsen)
Gaetano Chiaveri, Dresden, 5. Entwurf für den Neubau des Königspalasts, 1748. © Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Foto: Sven Pank (Landesamt für Denkmalpflege Sachsen)

Die Ausstellung erstreckt sich über vier Räume. Der erste, mit dem Titel „Rom als Vorbild“, führt in den Kontext der Stadt Dresden ein und präsentiert sechs Zeichnungen, die Details der Innenräume einiger römischer Bauwerke zeigen: Sant’Ivo alla Sapienza, San Carlo alle Quattro Fontane, die Kirche Santissima Trinità dei Monti und die Villa Albani. Hinzu kommen zwei großformatige Zeichnungen des späteren sächsischen Chefarchitekten Julius Heinrich Schwarze. Während seines Aufenthalts in Rom kopierte Schwarze den Entwurf einer Kuppelkirche von Filippo Juvarra, um ihn später in Dresden in einem eigenen Entwurf für ein Sakralbauwerk weiterzuentwickeln.

Der zweite Saal ist dem Bau der neuen katholischen Hofkirche in Dresden gewidmet, die vom römischen Architekten Gaetano Chiaveri entworfen und realisiert wurde. Hier sind acht Zeichnungen von Chiaveri und anderen an dem Projekt beteiligten Architekten ausgestellt. In der Mitte des Saals befindet sich zudem eine Farbzeichnung desVerkündigung altars in der St.-Ignatius-Kirche, die aus dem Umfeld von Anton Raphael Mengs stammt. Das Blatt sollte als Vorlage für einen Altar in Dresden dienen.

Giuseppe Galli Bibiena (Parma 1695–1757 Berlin) und ein unbekannter Zeichner im Obersten Bauamt des Kurfürsten von Sachsen – Dresden, Großes Opernhaus am Zwinger, Ausführungszeichnungen, Schnittansicht mit Blick auf die Zuschauerlogen, vermutlich 1761. © Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Foto: Sven Pank (Landesamt für Denkmalpflege Sachsen)
Giuseppe Galli Bibiena und ein unbekannter Zeichner im Oberbauamt des Kurfürsten von Sachsen – Dresden, Großes Opernhaus am Zwinger, Ausführungszeichnungen, Schnittansicht mit Blick auf die Zuschauerlogen, wahrscheinlich 1761. © Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Foto: Sven Pank (Landesamt für Denkmalpflege Sachsen)

Auch der dritte Saal ist Gaetano Chiaveri gewidmet. Zehn Zeichnungen, von denen einige besonders großformatig sind, dokumentieren die Entwürfe für einen neuen Königspalast für den sächsischen Kurfürsten in Dresden.

Der vierte und letzte Saal, „Die Italiener in Dresden“, erweitert den Fokus von den Architekten auf die italienischen Künstler und Handwerker, die in die Stadt berufen wurden, um an der Errichtung der Gebäude und deren Ausstattung mitzuwirken. Die zwölf ausgestellten Zeichnungen dokumentieren architektonische und dekorative Entwürfe, geben aber auch Einblicke in die Lebensbedingungen der in Dresden lebenden Italiener. Zu den ausgestellten Materialien gehören die Entwürfe von Giuseppe Galli Bibiena für die Dekoration der Decke der katholischen Hofkirche. Besondere Bedeutung kommt zudem einem Entwurf von Giovanni Antonio Pellegrini für die malerischen Dekorationen des Dresdner Zwingers zu, der als die größte bekannte Zeichnung des Künstlers gilt.

Der italienische Barock in Dresden: Zeichnungen aus dem 18. Jahrhundert kehren nach drei Jahrhunderten nach Rom zurück
Der italienische Barock in Dresden: Zeichnungen aus dem 18. Jahrhundert kehren nach drei Jahrhunderten nach Rom zurück



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