Auch die 45. Herbstausgabe der Mercanteinfiera, die vom 3. bis 11. Oktober 2026 auf dem Messegelände Fiere di Parma stattfindet, widmet sich Objekten als Trägern der Erinnerung. Die Veranstaltung, die zu den wichtigsten internationalen Events für Antiquitäten, Modernitäten, historisches Design und Sammlerstücke zählt, erwartet rund 1.000 Aussteller aus dem In- und Ausland, 6.000 Einkäufer und 60.000 Besucher. Neben den Angeboten der Aussteller präsentiert die Herbstausgabe zwei neue Bereiche und vier Begleitausstellungen, die sich der Fotografie, der Popkultur, Musikinstrumenten, historischen Menüs, Stickereien und der öffentlichen Telefonie widmen.
Den Auftakt des Programms bildet der neue Bereich „Vintage Photo Parma“, der am 3. und 4. Oktober stattfindet und auf eine Idee von Fabio Castelli zurückgeht. Der Bereich ist der Vintage- und anonymen Fotografie gewidmet und stellt eine Verbindung zwischen historischer und zeitgenössischer Fotografie her – durch die Neuinterpretation alter Archive, die Präsentation historischer und volkstümlicher Aufnahmen sowie eine Auswahl von Bildern aus verschiedenen Epochen. Die Sektion entstand aus dem wachsenden Interesse am Volksfotografie im internationalen Sammlerwesen und aus dem Bestreben von Mercanteinfiera, einen neuen Raum für visuelle Forschung zu schaffen.
Der Rundgang umfasst Werke zeitgenössischer Künstler, die anonyme Fotografien durch Manipulation und Montage neu interpretieren, sowie volkstümliche Bilder, die von den Anfängen der Fotografie bis zum Ende des analogen Zeitalters entstanden sind. Darüber hinaus sind Fotografien – sowohl anonyme als auch namentlich bekannte – zu sehen, die aufgrund ihrer visuellen und konzeptuellen Wirkung ausgewählt wurden und aus der Zeit zwischen den Anfängen des Mediums und der Mitte des 20. Jahrhunderts stammen. Das Projekt vereint somit Bilder, die mit Erinnerung, Zuneigung und Feierlichkeiten verbunden sind, und stellt Materialien aus unterschiedlichen Kontexten und Epochen in einen Zusammenhang.
Eine weitere Neuheit der Herbstausgabe ist „ICONIC – Schätze der Popkultur“, die in Zusammenarbeit mit Luca Cena realisiert wurde. Der Bereich ist an beiden Veranstaltungswochenenden geöffnet – am 3. und 4. Oktober sowie am 9., 10. und 11. Oktober – und bietet eine Auswahl an Comics und Filmplakaten aus der Popkultur.
Abgerundet wird das Kulturprogramm durch vier Begleitausstellungen, die Objekte und Artefakte als Zeugnisse sozialer Praktiken, Gewohnheiten und Erinnerungsformen nutzen. Das Projekt „Un mondo di menù“(Eine Welt voller Speisekarten), kuratiert von Maurizio Campiverdi, Franco Chiarini, Giulio Fano, Matteo Ghirighini und Roberto Liberi für GARUM, Biblioteca e Museo della Cucina, bringt rund 70 ausgewählte Stücke aus einer Sammlung von 400 Originalen nach Parma. Die Ausstellung umfasst die älteste bekannte gedruckte Speisekarte aus dem Jahr 1803, eine der Speisekarten der Titanic, ein handschriftliches Blatt mit einer eigenhändigen Widmung von Gabriele D’Annunzio zum Mittagessen der Bersaglieri-Radfahrer in Fiume sowie die Speisekarten der Hochzeiten von Carlo und Diana sowie von William und Kate. Der Ausstellungskatalog wurde zudem mit dem Gourmand Award 2025 ausgezeichnet.
Den Objekten aus dem Bereich der Musik ist die Ausstellung „Suoni e Orizzonti: Reise durch unerwartete Instrumente“ gewidmet, kuratiert von Flavio Dassenno und Luigi Blesio. Die Ausstellung vereint Instrumente aus Afrika, Indien, Tibet, Indonesien und Myanmar, die das Ergebnis jahrzehntelanger Reisen des Sammlers Luigi Blesio aus Brescia sind. Zu den ausgestellten Exponaten zählen Santal-Lauten mit anthropomorphen Schnitzereien, burmesische Harfen, Himalaya-Sarindas und afghanische Rebabs. Es handelt sich um handgefertigte Instrumente, von denen jedes durch eine eigene Form gekennzeichnet ist und von denen viele nicht einmal mehr an ihren Ursprungsorten zu finden sind. Ihre klangliche Funktion ist in vielen Fällen verloren gegangen, doch die Exponate bewahren Elemente, die Aufschluss über handwerkliche Techniken, musikalische Traditionen und die Kulturen geben, in denen sie entstanden sind.
Die mit Kleidung und sozialen Beziehungen verbundene materielle Kultur steht hingegen im Mittelpunkt der Ausstellung „Stickereien der Geschichte: Das Taschentuch zwischen Mode, Erinnerung und Etikette“, die in Zusammenarbeit mit Arcadia realisiert und von Ilaria Dazzi und Simona Palo kuratiert wurde. Der Rundgang führt durch drei Jahrhunderte italienischer und europäischer Geschichte mit Exponaten, die vom 18. bis zum 20. Jahrhundert datieren. Zu sehen sind Brauttaschentücher, Taschentücher aus Adelsfamilien sowie Stücke, auf denen die Unterschriften von Soldaten des Ersten Weltkriegs zu sehen sind. Die Objekte dokumentieren Liebesrituale, Etikette und gesellschaftliche Konventionen und ermöglichen so einen Einblick in die Geschichte der Sitten und der zwischenmenschlichen Beziehungen anhand eines Alltagsaccessoires.
Die vierte Ausstellung, „Pronto, chi parla? Die Entwicklung der öffentlichen Telefonie in Italien“, wird vom Museum für öffentliche Telefonie von Leonmario Moretti kuratiert und befasst sich mit dem Wandel der öffentlichen Telefonie anhand von Telefonzellen und Geräten, die jahrzehntelang Teil des italienischen Alltags waren. Die Telefonzellen, die heute zunehmend verschwunden sind, werden als Zeugnisse einer Technologie präsentiert, die auch eine soziale Funktion hatte: Über die öffentlichen Standorte haben Generationen von Italienern Fernkontakte gepflegt, dringende Mitteilungen abgewickelt und persönliche Beziehungen gepflegt. Der Rundgang beleuchtet zudem das allmähliche Verschwinden einer Kommunikationsform, die an eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort gebunden war – als die Erreichbarkeit davon abhing, ob man an einem öffentlichen Standort einen Anruf entgegennehmen konnte.
Der rote Faden der vier Ausstellungen ist daher die Möglichkeit, die Objekte auch als Zeugnisse von Praktiken, Gewohnheiten und Beziehungen zu betrachten. Das Angebot der Mercanteinfiera umfasst zudem Antiquitäten, Modernitäten, historisches Design, Schmuck, Fotografie und Pop-Sammlerstücke sowie einen speziellen Bereich für Vintage-Bücher und -Plakate, der in Zusammenarbeit mit Luca Cena realisiert wurde.
„Es gibt Objekte“, erklärt Ilaria Dazzi, Brand Managerin von Mercanteinfiera, „die den Alltag durchziehen, ohne dass sie wirklich jemand bemerkt, bis die Zeit sie als Zeugnisse offenbart.“ Die Ausstellungen dieser Ausgabe der Mercanteinfiera entstehen aus diesem Blick auf die materielle Kultur als ungewolltes Archiv von Sprachen, Ritualen und Formen des Zusammenlebens. Denn Objekte bewahren nicht nur die Erinnerung an Dinge: Sie bewahren auch die Art und Weise, wie Menschen ihre Zeit gelebt haben.“
Die Mercanteinfiera ist vom 3. bis zum 11. Oktober von 10 bis 19 Uhr für das Publikum geöffnet. Am Sonntag, dem 11. Oktober, sind die Öffnungszeiten von 10 bis 17 Uhr, wobei der Ticketverkauf um 15 Uhr endet. Die für Fachbesucher reservierten Tage sind für den 1. und 2. Oktober 2026 angesetzt. Die Veranstaltung findet auf dem Messegelände Fiere di Parma, Viale delle Esposizioni 393/A, Parma, statt.
Preise:
Online: 12 € + Vorverkaufsgebühr;
An der Kasse: 16 €;
Kinder bis 12 Jahre (in Begleitung eines Erwachsenen): kostenlos.
Alle Informationen unter: https://www.mercanteinfiera.it/
| Die „Mercanteinfiera“ kehrt mit neuen Bereichen und vier Ausstellungen zum Thema „Die Erinnerung der Objekte“ nach Parma zurück |
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