von Redazione 16/10/2026
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Vom 15. Oktober 2026 bis zum 15. Juni 2027 feiert das Gabinetto Vieusseux in Florenz im Palazzo Corsini Suarez den 200. Geburtstag von Carlo Lorenzini mit Originaldokumenten, der Erstausgabe von „Pinocchio“ aus dem Jahr 1883, Büchern, die die Überschwemmung von 1966 überstanden haben, sowie Werken von Vinicio Berti und Venturino Venturi.
Er war nicht nur der Autor von „Pinocchio“, sondern auch ein Journalist, der sich der politischen Satire verschrieben hatte, ein ironischer Schriftsteller und ein Beobachter der Widersprüche der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Zweihundert Jahre nach der Geburt von Carlo Lorenzini (1826–1890), bekannt unter dem Pseudonym Collodi, widmet das „Gabinetto Scientifico Letterario G.P. Vieusseux“ in Florenz dem Schriftsteller die Ausstellung „Es war einmal… Ein König! Carlo Lorenzini, genannt „Collodi“, zwischen Satire, Journalismus und Kinderliteratur. Die von Elisa Martini und Benedetta Gallerini kuratierte Ausstellung ist vom 15. Oktober 2026 bis zum 15. Juni 2027im Archivio Contemporaneo „Alessandro Bonsanti“ im Palazzo Corsini Suarez zu sehen. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Nationalkomitee zur Feier des 200. Geburtstags von Carlo Collodi, der Fondazione Collodi und der Società Dante Alighieri unter Einbeziehung des Comitato Bicentenario Collodiano 1826–2026, des Archivio Vinicio Berti und der Fondazione Spadolini Nuova Antologia.
Anhand von Originaldokumenten, Erstausgaben, historischen Zeitungen, seltenen Büchern und Kunstwerken zeichnet die Ausstellung den menschlichen und literarischen Werdegang von Lorenzini nach, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf seiner Beziehung zu Florenz und seinem intellektuellen Schaffen vor dem internationalen Erfolg der Marionette liegt.
Eines der wichtigsten Dokumente ist die eigenhändige Unterschrift von Carlo Lorenzini im Mitgliederverzeichnis des „Gabinetto Vieusseux“ vom 30. Juni 1865. Das Dokument zeugt von der Verbindung zwischen dem Schriftsteller und der florentinischen Institution, die bereits mehr als zwanzig Jahre vor der Veröffentlichung der „Abenteuer des Pinocchio“ in Buchform begann. In jenen Jahren war Florenz gerade zur Hauptstadt des Königreichs Italien erklärt worden und durchlief eine Zeit politischer und kultureller Veränderungen. Lorenzini besuchte regelmäßig das Gabinetto Vieusseux, einen Ort der Begegnung und des Austauschs für Intellektuelle und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, während er gleichzeitig seine journalistische Tätigkeit fortsetzte.
Es war die Zeit, in der er mit Zeitungen wie „Il Lampione“, „Scaramuccia“ und „Fanfulla“ zusammenarbeitete und dabei Satire und Ironie einsetzte, um die Sitten und Widersprüche der damaligen Gesellschaft zu schildern. Die Ausstellung möchte auch einen Teil der erzählerischen Sensibilität, die die Abenteuer der Marionette prägen sollte, auf diese Erfahrung zurückführen – durch Figuren, Situationen und Beobachtungen der damaligen Realität.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht natürlich die Erstausgabe der „Abenteuer des Pinocchio“, die 1883 in Florenz beim Verlag Paggi erschien. Der Band ist eine Leihgabe der Bibliothek der Mittelschule Cavalcanti in Sesto Fiorentino, die ein Exemplar von besonderem historischem und bibliografischem Interesse bewahrt. Neben dem Buch wird die Ausgabe des „Giornale per i bambini“ aus dem Jahr 1881 ausgestellt, die von der Stiftung „Spadolini Nuova Antologia“ als Leihgabe zur Verfügung gestellt wurde. Genau auf den Seiten dieser Publikation hatte Pinocchio am 7. Juli 1881 seinen ersten Auftritt. Die Erzählung erschien in Fortsetzungen, mit Unterbrechungen und Wiederaufnahmen, bis zum 25. Januar 1883, bevor sie in einem Band zusammengefasst wurde und sich als einer der größten Verlagserfolge der italienischen Literatur etablierte.
Die Verbindung zwischen dem Gabinetto Vieusseux und dem Werk von Collodi zeigt sich auch in der Geschichte seiner Sammlungen. Die Einrichtung erwarb unmittelbar nach der Veröffentlichung ein Exemplar der Erstausgabe von Pinocchio, doch dieses Exemplar befindet sich nicht mehr in den Beständen. Sein Fehlen erinnert an eines der dramatischsten Ereignisse für den florentinischen Buchbestand: die Überschwemmung im November 1966, die auch die Bestände des Gabinetto schwer beschädigte.
Sechzig Jahre nach dem Ereignis dokumentiert die Ausstellung die Folgen des Hochwassers und die Arbeiten zur Rettung der vom Wasser betroffenen Bestände. Zu den erhalten gebliebenen Bänden gehört die 1892 erschienene englische Erstausgabe von „Pinocchio“, ein Zeugnis der frühen internationalen Verbreitung des Werks. Das Buch wird zudem auf der Internationalen Buchmesse in Mexiko ausgestellt, wo Italien als Gastland vertreten sein wird.
Ein weiteres besonders interessantes Buch sind „Die Märchen der Feen“ von Charles Perrault, übersetzt von Carlo Lorenzini, die eine der ersten Annäherungen des Autors an die Welt der Kinderliteratur darstellten. Das Buch, das während der Überschwemmung von 1966 vom Wasser überflutet wurde, wurde gereinigt und gerettet, weist jedoch noch immer Spuren des Vorfalls auf. Seine Präsentation in der Ausstellung ermöglicht es, sowohl die durch das Hochwasser verursachten Schäden als auch die Rettungsmaßnahmen zu dokumentieren, dank derer Materialien, die andernfalls verloren gegangen wären, der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden konnten.
Ein weiterer Abschnitt ist den künstlerischen Interpretationen der Figur des Pinocchio gewidmet. Das Archiv Vinicio Berti stellt eine Sammlung von Lithografien, Ölgemälden und Kommentaren des Künstlers im Zusammenhang mit der Buchausgabe von 1981 zur Verfügung. Zu dieser Sammlung gehören zwölf Ölgemälde, die zum ersten Mal in einer Ausstellung gezeigt werden und einen Einblick in die Neuinterpretation der Figur durch einen der führenden Vertreter der italienischen Kunst des 20. Jahrhunderts geben.
Der Ausstellungsparcours umfasst zudem eine Eisenskulptur von Venturino Venturi, die Pinocchio darstellt. Es handelt sich um eine Vorstudie für die später für den Park von Collodi geschaffene Statue, die den kreativen Prozess dokumentiert, durch den das literarische Bild der Marionette in eine plastische Form umgesetzt wurde.
Der Erfolg von Pinocchio zeigte sich übrigens bereits in den ersten Jahren nach der Veröffentlichung des Romans. Zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts verbreitete sich das Phänomen der sogenannten „Pinocchiate“, Erzählungen, die die Figur aufgriffen und ihre Abenteuer fortsetzten, indem sie Fortsetzungen und Parallelgeschichten schufen. Zahlreiche Schriftsteller versuchten sich an diesen Werken und kamen damit der Nachfrage eines Publikums entgegen, das an neuen Abenteuern der Marionette interessiert war, die oft vor seiner Verwandlung in ein Kind angesiedelt waren.
Zu den bekanntesten Titeln zählen „Il segreto di Pinocchio“ von Gemma Mongiardini Rembaldi, „Il cugino di Pinocchio“ von Momus, einem Pseudonym von Augusto Piccioni, und „Pinocchio in Africa“ von Eugenio Cherubini. Es handelt sich um Veröffentlichungen, die einen gewissen verlegerischen Erfolg hatten, heute jedoch größtenteils aus dem Gedächtnis der Leser verschwunden sind. Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums bereitet das Gabinetto Vieusseux die Neuauflage der drei Titel in Form von Faksimile-Ausgaben vor und bietet damit die Gelegenheit, eine wenig bekannte Epoche der italienischen Literatur wiederzuentdecken und die Verbreitung der Figur über das Originalwerk hinaus näher zu beleuchten.
Ausgehend vom Incipit „Es war einmal … ein König!“ bietet die Ausstellung somit einen Rundgang, der zwar die zentrale Rolle Pinocchios in der italienischen Literaturgeschichte anerkennt, den Blick jedoch auf den Autor und den Kontext, in dem er heranwuchs, erweitert. Dokumente, Bücher und Kunstwerke tragen dazu bei, das Profil von Carlo Lorenzini als Journalist, Satiriker und Übersetzer sowie als Kinderbuchautor zu zeichnen.
Die Ausstellung ist im Archivio Contemporaneo „Alessandro Bonsanti“ des Gabinetto Vieusseux im Palazzo Corsini Suarez in der Via Maggio 42 in Florenz zu besichtigen. Der Zugang erfolgt im Rahmen einer Führung am Donnerstagnachmittag um 15 Uhr; eine Anmeldung unter prenotazioni@vieusseux.it ist erforderlich.
Stellungnahmen
„Collodi ist ein Schriftsteller für Erwachsene und erst in zweiter Linie für Kinder“, erklärt der Präsident des Gabinetto Vieusseux, Riccardo Nencini. „Pinocchio ist das Märchen schlechthin über die Verwandlung und eine beispielhafte Hommage an Florenz und die gesamte Menschheit.“
„Heute eine Ausstellung dem Meisterwerk von Collodi zu widmen, ist sinnvoller denn je“, erklärt der Direktor des Gabinetto Vieusseux, Michele Rossi. „Nicht nur, weil sich der Geburtstag von Carlo Lorenzini zum zweihundertsten Mal jährt, sondern auch, weil die Botschaft, die der florentinische Schriftsteller den Jugendlichen im Italien der Umbert-Ära vermitteln wollte, von verblüffender Aktualität ist: Wenn wir uns nicht alle in ‚wunderschöne Esel‘ verwandeln wollen, müssen wir uns daran gewöhnen, ‚anständige Kinder‘ zu sein, Freude am Lernen und an der Arbeit zu finden und immer die Wahrheit zu sagen. Die Marionette muss sich vor der Katze und dem Fuchs hüten: Die beiden sind nicht die Verkörperung des Fürsten von Machiavelli, des „Sprungs des Löwen“, der versucht, das Volk durch extreme Maßnahmen aus dem Verfall und dem Elend zu befreien, sondern Betrüger, die die Naiven zu ihrem eigenen Vorteil mit Tricks, schönen Worten und absurden Versprechungen über den Tisch ziehen wollen, wie zum Beispiel das Versprechen, die fünf Goldmünzen von Pinocchio auf eine Weise wachsen und sich vermehren zu lassen, die nur den Naiven wahr erscheinen kann. Aber sind wir sicher, dass solche Betrügereien angesichts der heutigen Influencer und Fake News nur zum Nachteil der Unerfahrenen begangen werden? ‚Vertraue nicht, mein Junge, denen, die dir versprechen, dich von heute auf morgen reich zu machen. Denn meistens sind sie entweder verrückt oder Betrüger“, rät der Schatten der sprechenden Grille der Marionette. Man sollte besser auf ihn hören...“.
„Die Welt von Collodi ist ein weitläufiger Raum, in dem sich verschiedene Ebenen und Seelen überschneiden“, erklärt die Kuratorin Elisa Martini. „In seinem Meisterwerk Pinocchio, einem wahren Meilenstein der Kinderliteratur, finden wir tatsächlich sein gesamtes Leben wieder, nicht nur als Autor, sondern auch als Journalist und Mensch. Alles wird aus einer karnevalesken Perspektive betrachtet (eine Zeit respektloser Marionetten und Masken), in der – durch das umgekehrte Spiel im Sinne Bachtins – Collodi seine ganze Enttäuschung zum Ausdruck bringt (die er bereits auf den Seiten der „Fanfulla“ und der „Scaramuccia“ geäußert hatte) über seine verratenen und gescheiterten Ideale des Risorgimento und über die Verwandlung seiner Welt von einer ‚Komödie‘ in eine „Farce, und zwar eine, die nicht zum Lachen ist“, in der Florenz, das nun nicht mehr Hauptstadt ist und von Schulden ruiniert wurde, zu einer Stadt der „Acchiappacitrulli“ herabgestuft wird und Rom immer mehr zu einem „Paese dei balocchi“ wird, in dem Esel die Hauptrolle spielen. Und in dieser in der Erzählung auf den Kopf gestellten Realität lassen sich Figuren erkennen, die auch dem „Gabinetto Vieusseux“ sehr bekannt sind.“
„Der Weg zu Pinocchio und seinen Abenteuern war sicherlich weder einfach noch geradlinig“, sagte die Kuratorin Benedetta Gallerini. „Man muss bedenken, dass Collodi in erster Linie Journalist, vor allem Satiriker, und erst in zweiter Linie Autor von Kinderbüchern war. Der Parcours dieser Ausstellung soll verdeutlichen, wie sich Collodi durch Zeitungsartikel, vor allem im „Fanfulla“ und im „Scaramuccia“, Pinocchio und seinen Reisegefährten annähert – sowohl den Guten und Unschuldigen als auch den Betrügern, Lügnern und Hinterhältigen. Zur Vereinfachung möchte ich eine Person besonders hervorheben: Girolamo Pagliano, den gefräßigen Haifisch, der alles verschlingt, was ihm in den Weg kommt – Menschen, Gegenstände, Schiffe. Eugenio Vieusseux beschreibt ihn als „Kartenspieler, Börsenspekulant, der so viel Geld wie nur möglich gemacht hat“. Auch die Frage der fast 17 Millionen Analphabeten bleibt nicht unberücksichtigt, die es vorziehen, zu den Büchern zu greifen und sich zu bekämpfen, anstatt darin zu blättern oder zur Schule zu gehen und zu lernen. Eine desillusionierte, melancholische Lektüre also, die einen weiteren Aspekt des Metatextes namens Pinocchio offenbart. Das ist sicherlich kein Kinderbuch.“
| In Florenz beleuchtet eine Ausstellung Collodi jenseits von Pinocchio: Dokumente, Erstausgaben und Kunstwerke |
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