Zwei Gemälde von Claude Monet, die jahrzehntelang der Öffentlichkeit verborgen blieben, eine Sammlung von Werken einiger der bedeutendsten Vertreter der modernen Kunst und eine Geschichte des weiblichen Sammlerwesens. Am 22. Oktober 2026 wird Sotheby’s im Rahmen der Art Basel Paris „Le Temps Retrouvé: The Schlumberger Collection“ versteigern, eine der bedeutendsten Privatsammlungen impressionistischer und moderner Kunst, die jemals in Frankreich versteigert wurde.
Die Sammlung, deren Gesamtwert auf über 40 Millionen Euro (45 Millionen Dollar) geschätzt wird, umfasst unter anderem Werke von Monet, Paul Cézanne, Pierre Bonnard, Gustave Moreau, Gustave Courbet, Camille Claudel, Eugène Delacroix und Chaïm Soutine. Viele der Werke blieben jahrzehntelang verborgen, in einigen Fällen sogar seit ihrer Entstehung, und stammen aus der Sammlung, die Jeanne Schlumberger (1889–1983) über mehr als vierzig Jahre hinweg zusammengetragen hat. Bevor sie in die Pariser Auktion gelangen, werden die Werke im Rahmen einer internationalen Tournee präsentiert, die Stationen in Hongkong und New York umfasst. Im Mittelpunkt des Interesses stehen zwei Gemälde von Monet, die gerade im Jahr seines hundertsten Todestages das Interesse an der letzten Schaffensphase des Künstlers neu entfachen sollen.
Das Herzstück der Auktion ist „Iris“ (1924–1925), ein monumentales Gemälde, das Monet in seinen letzten Jahren in Giverny schuf. Mit einem Schätzwert zwischen 22 und 30 Millionen Euro ist es das bedeutendste Werk dieser berühmten Serie, das jemals auf den Markt gekommen ist, und das größte Exemplar, das sich noch in Privatbesitz befindet. „Iris“ gilt als eines der ambitioniertesten und innovativsten Werke aus der letzten Schaffensphase des Künstlers. Es wurde noch nie öffentlich ausgestellt und ist lediglich durch Schwarz-Weiß-Fotografien bekannt. Seine Geschichte ist mit der der Galeristin Katia Granoff (1895–1989) verbunden, die es dank der Unterstützung von Jeanne Schlumberger erwarb. Beide erkannten in den späten Werken Monets nicht bloß einen Ausklang des Impressionismus, sondern eine Suche, die neue Wege in Richtung Modernismus und Abstraktion ebnen sollte.
Neben „Iris“ wird „Saule pleureur“, auch bekannt als „L’Arbre de feu“, mit einem Schätzwert zwischen 9 und 12 Millionen Euro präsentiert. Das Gemälde gehört zu der Serie, die den Trauerweiden im Garten von Giverny gewidmet ist, einem der bedeutendsten Motive in Monets Spätwerk.
Die Geschichte der beiden Gemälde verläuft ähnlich: Beide gingen direkt vom Künstler an seinen Sohn Michel Monet über, wurden anschließend von Katia Granoff erworben und gelangten schließlich in die Schlumberger-Sammlung. Ihr Erscheinen auf dem Markt kommt in dem Jahr, in dem französische und internationale Museen den hundertsten Jahrestag des Todes des Malers begehen, eine besondere Bedeutung zu.
Die Schlumberger-Sammlung beschränkt sich nicht nur auf Gemälde von Monet. „Le Temps Retrouvé“ vereint eine Reihe von Werken, die den Wandel der Malerei zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert anhand einiger der wichtigsten Vertreter der modernen Kunst dokumentieren. Zu den bedeutendsten Werken zählt ein seltenes Wandgemälde von Paul Cézanne, das aus dem „Jas de Bouffan“ stammt, dem Familienanwesen des Künstlers in Aix-en-Provence, das zugleich einer seiner wichtigsten Orte für kreatives Experimentieren war. Die Sammlung umfasst zudem die leuchtenden Kompositionen von Pierre Bonnard und die symbolistischen Visionen von Gustave Moreau sowie Werke von Gustave Courbet, Camille Claudel, Eugène Delacroix und Chaïm Soutine. Der Rundgang vermittelt somit eine Geschichte der künstlerischen Innovation anhand von Werken, die dazu beigetragen haben, die Sprache der Malerei und der Bildhauerei neu zu definieren, und zeigt, wie die künstlerischen Erkundungen zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert den Weg für spätere Experimente ebneten.
„Große Sammlungen entstehen aus dem Geschmack. Die außergewöhnlichsten entstehen vielleicht aus der Überzeugung. Die Geschichte der Schlumberger-Sammlung ist letztendlich die Geschichte derer, die das zu erkennen vermochten, was anderen entging. Jeanne Schlumberger und Katia Granoff erkannten die revolutionäre Genialität dieser Werke in einer Zeit, in der viele sie noch vernachlässigten. Die eine sammelte, die andere förderte ihren Wert: Beide vertrauten ihrem Instinkt, gerade als die Welt ihr Urteil bereits gefällt zu haben schien“, erklärte Thomas Bompard, Co-Leiter der Abteilung für moderne und zeitgenössische Kunst bei Sotheby’s Frankreich. „Heute, da dieser impressionistische Schatz sein Debüt auf dem Markt feiert, tut er dies als Vermächtnis zweier Frauen, die das Schicksal der Künstler, an die sie geglaubt hatten, verändert haben. So wie Jeanne Schlumberger und Katia Granoff dazu beitrugen, die Geschichte des Impressionismus neu zu schreiben, wird ‚Le Temps Retrouvé ‘ ein entscheidendes Kapitel für Sotheby’s Paris, für den Kunstmarkt und für eine neue Generation von Sammlern markieren.“
Im Mittelpunkt der Geschichte der Sammlung stehen nämlich zwei Frauen: Jeanne Schlumberger und Katia Granoff, verbunden durch Freundschaft, Vertrauen und eine gemeinsame künstlerische Vision. Jahrzehntelang schmückten die Werke die Wände des Hôtel particulier der Familie Schlumberger in der Rue Las-Cases in Paris, dem Wohnsitz von Jeanne und ihrem Ehemann Marcel. Obwohl der Name Schlumberger mit einer der großen Industriedynastien des 20. Jahrhunderts verbunden ist, war es Jeanne, die das künstlerische Erbe der Familie aufbaute und pflegte. Ab den 1950er Jahren und über mehr als vierzig Jahre hinweg arbeitete die Sammlerin eng mit Katia Granoff zusammen, einer Kunsthändlerin und Galeristin, die den Wert von Künstlern zu erkennen vermochte, die noch keine umfassende Anerkennung gefunden hatten. Jeanne stellte Ressourcen, Unterstützung und Mäzenatentum zur Verfügung; Granoff trug mit ihrem Fachwissen, ihren Beziehungen und ihrer Fähigkeit bei, Werke von besonderer Bedeutung zu erkennen. Im Laufe ihrer beruflichen Laufbahn förderte die Galeristin Künstler wie Pierre Bonnard, Chaïm Soutine, Georges Rouault, Othon Friesz und Pierre Laprade und trug dazu bei, ihre Werke bei Sammlern und Institutionen bekannt zu machen.
Ein entscheidender Moment der Zusammenarbeit kam 1958, als Jeanne Schlumberger den Erwerb der Werke aus dem Atelier von Michel Monet durch Granoff finanziell unterstützte. Durch diese Transaktion gelang es der Kunsthändlerin, sich einen außergewöhnlichen Kern von Gemälden des Künstlers zu sichern – und das in einer Zeit, in der sein Spätwerk in Frankreich noch auf begrenztes Interesse stieß. Granoff erkannte die innovative Tragweite dieser Werke und setzte sich für deren Förderung ein, indem sie deren Aufnahme in bedeutende US-amerikanische Museen, darunter das Museum of Modern Art in New York, das Cleveland Museum of Art und das Art Institute of Chicago, sowie in Privatsammlungen unterstützte. Ihre Interpretation nahm eine heute feststehende Lesart vorweg: Monets große späte Kompositionen stellten nicht nur den Abschluss der impressionistischen Epoche dar, sondern bildeten einen Übergang zu den Strömungen der Moderne und der Abstraktion. Ein Erbe, das in den Werken von Künstlern wie Mark Rothko und Joan Mitchell seine Weiterentwicklung finden sollte.
Jeanne Schlumberger gehörte zu den ersten privaten Sammlern, die diese Sichtweise teilten. Dank ihrer Beziehung zu Granoff gelang es ihr, bedeutende Werke von Monet zu erwerben, noch bevor diese ihre heutige Anerkennung erlangten, und sie jahrzehntelang in ihrer eigenen Sammlung zu bewahren. Bevor das Musée Marmottan Monet 1966 zu einer zentralen Anlaufstelle für die Bewahrung und Aufwertung des Vermächtnisses des Malers wurde, waren es in Paris vor allem das Musée de l’Orangerie, die Galerie Katia Granoff und die Schlumberger-Sammlung, die das Wissen über seine Spätwerke trugen.
Die Auktion bei Sotheby’s bringt heute einen Teil dieser Geschichte wieder ans Licht, macht der Öffentlichkeit lange verborgene Gemälde zugänglich und erinnert an die Rolle zweier Frauen bei der Wiederentdeckung einer der innovativsten Schaffensphasen in Monets Malerei.
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| Sotheby’s Paris: Die Schlumberger-Sammlung wird versteigert – besonders hervorzuheben ist Monets monumentales „Iris“-Gemälde im Wert von 30 Millionen Euro |
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