Vom 14. November 2026 bis zum 29. März 2027 präsentiert die Peggy Guggenheim Collection in Venedig die Ausstellung „Fucina degli Angeli. Peggy Guggenheim und die Glaskunst des 20. Jahrhunderts, eine von Cristina Beltrami kuratierte Ausstellung, die die Geschichte der „Fucina degli Angeli“ nachzeichnet – ein Projekt, das Mitte der 1950er Jahre in Venedig aus einer Idee von Egidio Costantini entstand und sich durch die Mitwirkung zahlreicher bedeutender Persönlichkeiten der Kunst des 20. Jahrhunderts weiterentwickelte. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht auch die Rolle von Peggy Guggenheim, die Costantini in den entscheidenden Momenten dieses Abenteuers unterstützte und zu seinem internationalen Durchbruch beitrug.
Egidio Costantini (1912–2007), gebürtig aus Brindisi und Wahlvenezianer, erlebte die Zeit besonderer Aufbruchsstimmung, die Murano in den 1950er Jahren durchlief, als international renommierte Künstler begannen, sich mit einigen der bedeutendsten Glasmeister der Insel auseinanderzusetzen. In diesem Kontext wurde die Glastradition von Murano zu einem Ort des Experimentierens und des Dialogs mit der zeitgenössischen Kunst, an dem technische Kompetenzen und unterschiedliche Ausdrucksformen aufeinandertrafen.
Nach der Erfahrung mit dem „Centro Studio Pittori nell’Arte del Vetro“, das von 1953 bis 1955 bestand, eröffnete Costantini 1955 in Venedig, auf dem Campo Santi Filippo e Giacomo, eine Galerie, die sich dem Kunstglas widmete. Auf Anregung von Jean Cocteau erhielt die Galerie den Namen „Fucina degli Angeli“. Costantini begleitete die verschiedenen Produktionsphasen persönlich: von der Konzeption des Werks, die oft auf den Zeichnungen der Künstler basierte, über dessen Umsetzung in Glas in den Brennöfen von Murano bis hin zur Präsentation vor Publikum.
Die Beziehung zu Peggy Guggenheim gewann ab den 1960er Jahren besondere Bedeutung. Guggenheim unterstützte Costantini auch durch den Ausbau seines Netzwerks an Kontakten zu Künstlern der internationalen Szene und wies ihn auf eine Ausstellungsstrategie hin, die es der Fucina ermöglichte, über die italienischen Grenzen hinauszuwachsen. Ihr Engagement beschränkte sich nicht nur auf den Ankauf zahlreicher Werke für ihre eigene Sammlung: Die Galeristin und Mäzenin stellte Costantini auch ihre eigene Erfahrung und ihre Beziehungen zu den Protagonisten der Kunst des 20. Jahrhunderts zur Verfügung.
Ab 1964 wurden die Werke der Fucina in einigen bedeutenden Galerien der Kunstszene präsentiert, angefangen bei der Galleria del Naviglio in Mailand, wo sie 1964 und 1965 ausgestellt wurden, sowie in der Galleria dell’Obelisco in Rom im Jahr 1965. Im selben Jahr gelangte das Projekt mit „Sculpture in Glass“ ins Museum of Modern Art in New York – die erste Ausstellung von Glasskulpturen, die das US-amerikanische Museum jemals gezeigt hatte. Anlässlich der Ausstellung bezeichnete das Magazin „Time“ Costantini in einem am 17. September 1965 veröffentlichten Artikel als „einen zeitgenössischen venezianischen Visionär, der sich der Aufgabe verschrieben hat, dem Glas die Pracht vergangener Jahrhunderte zurückzugeben“.
Die Ausstellung vereint über hundert Werke aus internationalen Institutionen wie der Fondation Marguerite Arp in Locarno, dem Historischen Museum in Basel, dem Augsburger Kunstmuseum Walter, dem MUDAC in Lausanne und dem Museum of Fine Arts in Boston. Hinzu kommen Werke aus dem Glasmuseum von Murano, dem Archiv „Fucina degli Angeli“ und der Peggy-Guggenheim-Sammlung sowie Leihgaben aus Galerien und Privatsammlungen.
Die Ausstellung beginnt mit den ersten Glasarbeiten, die frei von den Keramiken von Georges Braque und Pablo Picasso inspiriert waren, und zeichnet anschließend die Zusammenarbeit nach, die Costantini mit Künstlern wie Arman, Jean (Hans) Arp, Jean Cocteau, Max Ernst, Paul Jenkins, Oskar Kokoschka, Matta, Dorothea Tanning und Mark Tobey. Besonderes Augenmerk gilt den abstrakten Künstlern Remo Bianco, Giuseppe Capogrossi und Luigi Veronesi sowie Lucio Fontana, mit dem Costantini bei der Umsetzung einiger „Raumkonzepte“ die Ausdrucksmöglichkeiten von Glas erprobte. In der Ausstellung ist auch das Werk „Concetto Spaziale – Construction“ aus dem Jahr 1964 zu sehen, das Peggy Guggenheim geschenkt wurde und heute im Museum of Fine Arts in Boston aufbewahrt wird.
Ein Abschnitt ist den Beziehungen zu einigen Protagonisten der japanischen Kunstszene gewidmet, die in den 1960er- und 1970er-Jahren in Venedig tätig waren, darunter Miki Tomio, Katsuhiko Narita, Omura Mikuni und Yokoo Tadanori. Der letzte Saal dokumentiert hingegen die späteren Kooperationen mit Künstlern, die bereits in die Geschichte der „Fucina“ eingebunden waren, wie James Coignard und Pino Mucchiut, sowie mit dem US-amerikanischen Architekten John C. Portman.
Neben den Glasarbeiten präsentiert das Ausstellungsprojekt Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen derselben Künstler sowie Materialien aus den Archiven. Der Vergleich dieser Materialien ermöglicht es, den Prozess nachzuvollziehen, durch den Costantini ab den 1950er Jahren dazu beitrug, Glas aus dem traditionellen Bereich der dekorativen Künste in den Bereich der zeitgenössischen Forschung zu verlagern, indem er die Glasmanufakturen von Murano in die Experimente einiger der Protagonisten der Kunst des 20. Jahrhunderts einbezog. Die Ausstellung wird von einem illustrierten Katalog begleitet, der bei Marsilio Arte erscheint, von Cristina Beltrami herausgegeben wird und Beiträge von Marianna Rossi und Stefano Turina enthält. Die Initiative wird unter der Schirmherrschaft der Stadt Venedig realisiert.
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| „La Fucina degli Angeli“ kehrt mit über hundert Werken in die Peggy-Guggenheim-Sammlung zurück |
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