von Redazione 19/10/2026
Kategorien: Ausstellungen / Haftungsausschluss
Vom 17. Oktober 2026 bis zum 17. Januar 2027 widmet das MAR in Ravenna Nicola Samorì eine große Ausstellung. In der Ausstellung „Supremalia“ treten seine Werke in einen Dialog mit den Gipsmodellen von Canova, den byzantinischen Mosaiken und der künstlerischen Tradition der Stadt.
Nicola Samorì kehrt mit „Supremalia“ nach Ravenna zurück – einer Einzelausstellung, die vom 17. Oktober 2026 bis zum 17. Januar 2027 im MAR – Museo d’Arte della città di Ravenna – die Werke eines der bedeutendsten italienischen Künstler der internationalen zeitgenössischen Szene präsentiert. Die von Denis Isaia kuratierte Ausstellung entstand als ein speziell für das Museum und das kunsthistorische Erbe Ravennas konzipiertes Projekt, das Samorìs künstlerisches Schaffen mit der großen europäischen Tradition der figurativen Kunst in Verbindung bringt.
Für den aus der Romagna stammenden Künstler, der in Bagnacavallo lebt und arbeitet, bedeutet diese Veranstaltung weit mehr als nur eine neue Ausstellung: Es ist eine Rückkehr in die Stadt, in der er die ersten Schritte seiner künstlerischen Ausbildung unternommen hat. Schon in jungen Jahren fand Samorì in den byzantinischen Mosaiken, im Marmor der Basiliken und in den Abgüssen der Gipsoteca der Akademie der Schönen Künste wichtige Inspirationsquellen, die eine künstlerische Vorstellungswelt nährten, die sich im Laufe der Jahre mit den großen Meistern der Vergangenheit auseinandersetzte.
Sein Werdegang führte ihn später dazu, in internationalen Museen und Institutionen auszustellen, wobei er sich durch eine persönliche Ausdrucksweise auszeichnete, die die Kunstgeschichte durch Eingriffe in das Material, die Malfläche und die Formen neu interpretiert. Seine Werke wurden in einen Dialog mit Meisterwerken wie Raffaels Karton zur „Schule von Athen“, der in der Pinacoteca Ambrosiana aufbewahrt wird, und Bruegels „Parabel von den Blinden“, die im Museo e Real Bosco di Capodimonte zu sehen ist, gestellt. Mit „Supremalia“ setzt sich diese künstlerische Suche erneut mit den kulturellen Wurzeln auseinander, die zu ihrer Prägung beigetragen haben.
Der Titel der Ausstellung entsteht aus der Verbindung zweier Begriffe: der Vorsilbe „super“, die auf das verweist, was sich oben befindet, und den höchsten Grad von etwas darstellt, sowie dem Wort „malia“, das mit Verzauberung, Faszination und der Fähigkeit, den Blick zu verführen, verbunden ist. „Supremalia“ drückt somit die Idee einer Anziehungskraft aus, die bis zu ihrer höchsten Intensität gesteigert wird, wobei sich das visuelle Erlebnis in eine Begegnung mit Bildern verwandelt, die den Betrachter fesseln und in ihren Bann ziehen.
Im Mittelpunkt des Ausstellungsprojekts stehen Materie, Licht und Verwandlung – Elemente, die sowohl Samorìs künstlerisches Schaffen als auch die künstlerische Identität Ravennas prägen. Seine Werke treten in einen Dialog mit den in der Gipsoteca der Akademie der Schönen Künste aufbewahrten Gipsabgüssen von Canova und mit den Marmorwerken der Basilika San Vitale und schaffen so einen Parcours, auf dem sich die Gegenwart nicht nur mit der Vergangenheit auseinandersetzt, sondern diese aus neuen Perspektiven neu interpretiert.
Die Verbindung zu Ravenna hat ihre Wurzeln auch in den ersten Ausstellungserfahrungen des Künstlers. Im Jahr 1998, noch sehr jung, präsentierte Samorì hier seine erste Einzelausstellung, die in den Gärten des Palazzo della Provincia eingerichtet wurde. Es folgten weitere Ausstellungen, darunter jene in der Kirche San Domenico im Jahr 2001 und in Santa Maria delle Croci im Jahr 2002, die die Anfangsphase seiner Karriere prägten.
Heute erneuert die Rückkehr ins MAR diese Beziehung durch Werke, von denen einige bisher unveröffentlicht sind und die die Verbindung zur Stadt widerspiegeln, ohne auf erklärende oder didaktische Bezüge zurückzugreifen. Die Monumentalität der Marmorwerke von San Vitale, die Ausdruckskraft der Mosaike und die figurative Tradition Ravennas tauchen in seinem Schaffen als tiefgreifende Einflüsse wieder auf. Wie in einem Mosaik, in dem das Bild durch die Aneinanderreihung einzelner Steinchen Gestalt annimmt, schreitet auch Samorìs Arbeit durch Schichtung, Veränderung und Neukomposition des Materials voran. Das Ergebnis sind Werke, die Spuren des künstlerischen Gedächtnisses bewahren, diese jedoch mit einer durch und durch zeitgenössischen Sprache neu interpretieren.
Einer der zentralen Schwerpunkte der Ausstellung ist die Auseinandersetzung mit der Sammlung von Gipsabgüssen der Gipsoteca, wobei zwei Werke von Antonio Canova im Mittelpunkt stehen: das „Sterbende Pferd “ undder „Schlafende Endymion“. Der Dialog zwischen Samorì und dem großen neoklassizistischen Bildhauer entfaltet sich durch Formen, Körperhaltungen und die Eigenschaften des Materials und lässt dabei unerwartete Parallelen zwischen zwei unterschiedlichen Kunstepochen zutage treten. Unter den zahlreichen Reiterdarstellungen Canovas, von denen einige monumentalen Charakter haben, ist der im MAR aufbewahrte Abguss des „Sterbenden Pferdes“ ein weniger bekanntes Werk, das jedoch aufgrund seiner komplexen Ausführung und seines Forschungswerts von besonderem Interesse ist. Der Bildhauer schuf es als Studie, indem er den Körper des liegenden Tieres modellierte und mit verschiedenen Haltungsvarianten experimentierte. Im Vergleich zu anderen Werken Canovas weicht der Abguss von der üblichen formalen Eleganz und der Glätte der Oberflächen ab, die sein Schaffen kennzeichnen. Stattdessen treten eine intensive physische Präsenz, eine konkrete Monumentalität und eine materielle Sinnlichkeit zutage, die weit von jeglicher Idealisierung entfernt ist. Genau diese Eigenschaften haben seit langem das Interesse von Samorì geweckt.
Die Auseinandersetzung mit den Modellen und kleinen Prototypen, die der zeitgenössische Künstler verwendet, um die Bewegung der Figuren zu untersuchen, macht diesen Dialog besonders bedeutsam. Die Forschungen der beiden Künstler treffen sich auf dem Gebiet des künstlerischen Schaffens, in einer Auseinandersetzung, die die Zeit überwindet und Körper, Oberflächen und figurative Tradition miteinander in Beziehung setzt.
Die Ausstellung beginnt ganz im Zeichen Canovas, dessen „Sterbendes Pferd“ einen der Bezugspunkte des gesamten Rundgangs darstellt, um dann im abschließenden Teil der Ausstellung erneut auf den Bildhauer zurückzukommen. Hier begleitet der Gipsabgussdes „Schlafenden Endymion“ den Übergang vom letzten Saal zur Loggia, in der sich die Gipsoteca befindet, und schafft so eine Kontinuität zwischen den Räumen des Museums und der historischen Sammlung. In diesem Raum setzen Samorìs Werke die Auseinandersetzung mit den klassischen Vorbildern fort, indem sie den Körper, die malerische Materie und das Fortbestehen der Tradition thematisieren. Der Ausstellungsparcours hebt somit einige der grundlegenden Spannungsfelder seiner künstlerischen Arbeit hervor: Erinnerung und Metamorphose, Beständigkeit und Wandel, Einhaltung des Kanons und Bruch mit den Formen.
Das vom Künstler gemeinsam mit dem Kurator Denis Isaia konzipierte Ausstellungsprojekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Architekten Emiliano Leoni und den Mitarbeitern des MAR. Die Räume im ersten Stock des Museums wurden neu gestaltet, um die Auseinandersetzung zwischen den Werken und der Architektur zu fördern und die visuellen und konzeptuellen Beziehungen hervorzuheben, die sich durch die gesamte Ausstellung ziehen.
Anlässlich der Ausstellung wurde vom Mailänder Verlag Moebius Books der Katalog „Nicola Samorì Supremalia“ veröffentlicht, der Texte von Denis Isaia und Giovanni Gardini sowie eine Auswahl kurzer kritischer Beiträge aus dem Zeitraum von 1998 bis 2005 enthält.
Die Eröffnung der Ausstellung ist zudem Teil des Erneuerungsprozesses der Gipsoteca der Akademie der Schönen Künste in Ravenna, die bis Ende 2026 einer umfassenden Neugestaltung unterzogen wird. Das Projekt wird von der Region Emilia-Romagna im Rahmen der Museumspläne 2026 unterstützt.
Die Ausstellung bietet somit auch die Gelegenheit, eine der bedeutendsten Sammlungen des musealen Erbes von Ravenna neu zu entdecken und sie mit der Arbeit eines zeitgenössischen Künstlers von internationaler Bedeutung in Verbindung zu bringen. Durch die Gegenüberstellung der Werke von Samorì, der klassischen Modelle und des künstlerischen Erbes der Stadt schafft „Supremalia“ einen Parcours, auf dem die Kunstgeschichte nicht statisch bleibt, sondern sich ständig wandelt und neue Interpretationen hervorbringt.
„Supremalia“ ist dienstags bis samstags von 9 bis 18 Uhr sowie sonntags und an Feiertagen von 10 bis 19 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Montags geschlossen.
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| Nicola Samorì kehrt nach Ravenna zurück: Im MAR verwandelt sich die Schönheit und tritt in einen Dialog mit den großen Meistern der Vergangenheit |
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