Ein monumentales Glasfenster, Gemälde, Collagen, Zeichnungen und liturgische Gewänder zeugen von der künstlerischen und spirituellen Suche von Pater Costantino Ruggeri, einem Franziskaner, Maler, Bildhauer und Architekten aus der Franciacorta. Vom 1. Oktober bis zum 8. November 2026 beherbergt das Diözesanmuseum von Brescia die Ausstellung „Sorella Luce“, die eine Auswahl von Werken des Franziskanermönchs aus den Jahren 1962 bis 2004 vereint und seinen kreativen Werdegang sowie den Dialog mit einigen der wichtigsten Persönlichkeiten der Kunst und Architektur des 20. Jahrhunderts nachzeichnet.
Ruggeri wurde 1925 in Adro in der Provinz Brescia geboren und entwickelte ein Schaffen, das künstlerisches Experimentieren, Spiritualität und die Gestaltung sakraler Räume miteinander verband, wodurch seine Werke auf drei Kontinenten zu sehen waren. Im Laufe seines Lebens begegnete er Künstlern wie Lucio Fontana, Carlo Carrà, Roberto Crippa, Gianni Dova, Giuseppe Capogrossi, Le Corbusier und Alvar Aalto und pflegte den Austausch mit ihnen. Über die von ihm gegründete Stiftung „Frate Sole“ förderte er zudem den internationalen Dialog über Sakralarchitektur und richtete den alle vier Jahre verliehenen „Frate Sole“-Preis ein, der zwischen 1993 und 2004 an Architekten wie Tadao Ando, Álvaro Siza und Richard Meier vergeben wurde.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein großes Glasfenster aus dem Jahr 1975, das aus Murano-Glasplatten gefertigt wurde. Das monumentale Werk mit seiner raffinierten Komposition bildet den Ausgangspunkt für die Erkundung eines Schaffens, das etwa 650 künstlerische Glasfenster umfasst, die Pater Ruggeri im Laufe seiner Tätigkeit in Italien und im Ausland geschaffen hat. Neben dem Glasfenster werden Gemälde auf Leinwand und Papier, Collagen und Studien aus der Fondazione Frate Sole in Pavia präsentiert, die es ermöglichen, die verschiedenen Phasen der Forschung und des kreativen Schaffensprozesses des Künstlers nachzuvollziehen.
Das in Brescia ausgestellte Werk zeichnet sich zudem durch seinen monochromen Charakter aus, eine im Schaffen des Künstlers bisher beispiellose Lösung. Darin tauchen zwei wiederkehrende Elemente seiner Bildsprache auf: die von einer Wolke umgebene Taube und die weiße Sonne. Ersteres, dessen Form von den Werken Georges Braques und Henri Matisses inspiriert ist, symbolisiert den Heiligen Geist, der über dem Bösen thront; letzteres hingegen erinnert an die geweihte Hostie, auf die der Vogel zusteuert. Auch die Ausführungstechnik trägt zur Einzigartigkeit von Ruggeris Werken bei. Die Glasstücke werden einzeln aufgeklebt, ohne auf die traditionelle Bleiverbindung zurückzugreifen. Das mundgeblasene Glas, das sich durch Blasen, Streifen und Schwankungen in der Dicke auszeichnet, wird vom Künstler aufgrund seiner Fähigkeit ausgewählt, Licht durchzulassen und die Farben zum Leuchten zu bringen.
Das Glasfenster aus dem Jahr 1975 war ursprünglich für die Kapelle der „Casa della Provvidenza“ in der Via Martinengo da Barco in Brescia geschaffen worden. Später wurde es der Diözese geschenkt und dem Diözesanmuseum auf Dauer leihweise überlassen, wo es nach Ende der Ausstellung dauerhaft im Säulensaal im Erdgeschoss ausgestellt bleiben wird. Um das Werk auch ohne natürliches Licht zur Geltung zu bringen, sieht die Ausstellung eine spezielle Beleuchtungsanlage vor, die so konzipiert ist, dass sie die Lichtbrechung des Sonnenlichts durch die Glasscheiben simuliert. Die Ausstellung bietet somit auch die Gelegenheit, ein bedeutendes Werk aus dem Schaffen von Pater Ruggeri dauerhaft in den Museumsrundgang aufzunehmen.
Der Ausstellungsrundgang beleuchtet zudem die malerischen Experimente, durch die Ruggeri eine persönliche Bildsprache entwickelte, indem er einige der künstlerischen Strömungen des 20. Jahrhunderts in einem christlichen Kontext neu interpretierte. In den 1950er- und 1960er-Jahren knüpfte der Franziskaner durch Besuche in den Mailänder Ateliers von Künstlern wie Lucio Fontana, Carlo Carrà und Roberto Crippa Freundschaften und einen Austausch an, die auf gemeinsamen Interessen beruhten. Dazu gehörten das Licht als Manifestation des Göttlichen und Transzendenten sowie die Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten durch unterschiedliche Materialien und Techniken. Nach seinem Umzug nach Pavia im Jahr 1959 setzte Ruggeri diese Suche fort und entwickelte eine eigene Interpretation der avantgardistischen Ausdrucksformen. Die Affinitäten zum Spazialismus von Fontana zeigen sich vor allem in der Vorstellung von Licht als malerischer Materie, während die „Macchie Guidate“, die durch das Aufgießen von glänzendem schwarzem oder blauem Emaille auf weiße Kartonplatten entstanden, Parallelen zu den informellen Experimenten von Crippa aufweisen.
In einigen „Macchie“ aus dem Jahr 1972 kehrt das Motiv der weißen Sonne zurück, während in der „Collage“ von 2004 die Taube in den Mittelpunkt rückt. Diese Elemente ermöglichen es, eine direkte Verbindung zur Symbolik des großen Glasfensters herzustellen und die Kontinuität von Ruggeris künstlerischer Suche durch verschiedene Techniken und Materialien zu erkennen.
Zu den ausgestellten Werken gehören auch „Der Meteorit“ und „Unterwegs“, beides Temperabilder auf Leinwand aus dem Jahr 1962. Das erste vereint einige der charakteristischen Motive der künstlerischen Sprache des Künstlers, darunter die Sonne und die abstrakte Komponente. Das zweite, farblose Werk zeichnet sich hingegen durch eine Komposition aus, die einen gewundenen, dynamischen und nichtlinearen Verlauf suggeriert, ohne offensichtliche Entsprechungen zu anderen Werken derselben Zeit aufzuweisen. Die beiden Gemälde bleiben auch nach dem Ende der Ausstellung „Sorella Luce“ bis zum 15. Februar 2027 im ersten Stock des Diözesanmuseums im Rahmen der Reihe „Opera Ospite“ zu sehen.
Abgerundet wird der Rundgang durch zwei Exemplare einer liturgischen Kasel, jenem weiten, kreisförmigen Gewand, das Priester und Bischöfe während der Feier der Messe über dem Albe und der Stola tragen. Die Paramente, die zu einer größeren, dem Museum gestifteten Sammlung gehören, zeugen von der Umsetzung der visuellen Poetik von Pater Ruggeri auf Stoff. Sein Interesse an liturgischen Gewändern reicht bis in die 1950er Jahre zurück, als er begann, die ersten Entwürfe auszuarbeiten. In den 1960er Jahren schuf er zahlreiche Skizzen mit Temperafarbe und Pinsel und entwickelte verschiedene Modelle, vor allem Kaseln, die manchmal durch handwerkliche Verzierungen bereichert wurden. Auch ohne eine systematische Produktion von Messgewändern in Angriff zu nehmen, betrachtete Ruggeri diese Gegenstände als integralen Bestandteil der Gestaltung des religiösen Raums, in der Überzeugung, dass jedes für die Liturgie bestimmte Element zur künstlerischen und spirituellen Qualität des Raums beitragen müsse.
Mit bürgerlichem Namen Carlo Ruggeri, wurde Pater Costantino 1925 in Adro geboren. Nach dem klassischen Studium in den Franziskanerklöstern von Saiano und Sabbioncello sowie dem Theologiestudium in Busto Arsizio, wo er auch einen Freskenzyklus schuf, widmete er sich unter der Anleitung und Wertschätzung von Mario Sironi der Malerei. Im Jahr 1951, nach Abschluss seines Theologiestudiums, wurde er im Mailänder Dom von Kardinal Schuster zum Priester geweiht. Im selben Jahr fand seine erste Ausstellung in der Galleria S. Fedele in Mailand statt, die von Sironi selbst präsentiert wurde. Im Kloster Sant’Antonio setzte er seinen priesterlichen Dienst und seine künstlerische Tätigkeit fort. 1954 erhielt er den ersten S. Fedele-Preis für Malerei und den dritten Marzotto-Preis.
Ende der 1950er Jahre wandte er sich der Bildhauerei zu und besuchte zwischen 1958 und 1962 die Accademia di Brera, wo er sein Diplom mit einer von Luciano Minguzzi betreuten Arbeit über christliche epigraphische Symbole in den Katakomben abschloss. In diesen Jahren erweiterte er sein Netzwerk an Kontakten zu international renommierten Künstlern und Architekten, darunter Fontana, Dova, Capogrossi, Crippa, Le Corbusier und Alvar Aalto. 1959 verließ er Mailand und verlegte sein Atelier in das Kloster Canepanova in Pavia. Dort malte und bildhauete er weiter, arbeitete mit Terrakotta und Keramik und konzentrierte sich dann nach und nach in seiner künstlerischen Arbeit auf den sakralen Raum. Neben der Malerei und Bildhauerei widmete er sich dem Entwurf von Kapellen, Einrichtungsgegenständen und liturgischen Gewändern und entwickelte so eine ganzheitliche Vision von Kunst und Sakralarchitektur.
In den 1960er Jahren experimentierte er mit dem Einsatz von farbigem Murano-Glas, das in Betonplatten eingefasst wurde, und begann ab 1966 mit der Herstellung von Kunstglasfenstern aus antikem, mundgeblasenem Glas, das mit Blei verbunden wurde. Parallel dazu arbeitete er mit Architekten wie Luigi Figini und Gino Pollini, Gio Ponti, Ignazio Gardella, Giuseppe Vaccaro, Glauco Gresleri, Giorgio Trebbi und Pierluigi Nervi an der Errichtung neuer Kirchen zusammen.
Später entwarf er gemeinsam mit dem Architekten Luigi Leoni selbst Gebäude und Anlagen für den Kult: Kirchen, Wallfahrtsorte, Kapellen und Gebetsstätten für religiöse Einrichtungen. Zu den realisierten Werken zählen die Kirche Santa Maria della Gioia in Varese aus dem Jahr 1977, die Kirchen Tabernacolo und Madonna della Provvidenza in Genua, San Paolo in Rho, Santo Spirito in Pavia und San Bernardo in Rom sowie drei Kirchen in Burundi. 1986 wurde ihm der Umbau der Werktagskapelle des Mailänder Doms anvertraut, für die er alle Elemente des neuen liturgischen Raums aus patinierter Bronze schuf. Im folgenden Jahr erhielt er den Auftrag, das neue Heiligtum der Madonna del Divino Amore in Rom zu entwerfen, das am 4. Juli 1999 von Papst Johannes Paul II. geweiht wurde.
Nach einigen Studienreisen nach Japan entwarf er 1993 in Yamaguchi die neue Wallfahrtskirche des Heiligen Franz Xaver, die am 29. April 1998 feierlich eingeweiht wurde. Im selben Jahr rief er über die Stiftung „Frate Sole“ den alle vier Jahre verliehenen Preis zur Förderung der Sakralarchitektur ins Leben. Zwischen 1993 und 2004 wurde die Auszeichnung an die Architekten Tadao Ando, Álvaro Siza und Richard Meier verliehen. Seine internationale Tätigkeit setzte er bis in seine letzten Lebensjahre fort. Ende 2006 wurde in Bethlehem die neue Kapelle der Theotokos, der Mutter Gottes, neben dem Heiligtum der Milchgrotte geweiht, dessen Restaurierung Ruggeri geleitet hatte.
Am 24. Juni 2007 wurde in Adro sein letztes skulpturales Werk eingeweiht, das das Gesicht der Franciacorta darstellt. Pater Costantino starb am folgenden Tag, dem 25. Juni, im Krankenhaus von Merate in der Nähe des Klosters von Sabbioncello, wo er die letzten Wochen seines Lebens verbracht hatte.
Die Ausstellung ist montags, donnerstags und freitags von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Dienstags und mittwochs ist geschlossen (Gruppenbesichtigungen und Workshops sind nach Voranmeldung möglich).
![]() |
| Ein monumentales Glasfenster und 40 Jahre Lichtforschung: Brescia widmet Pater Costantino Ruggeri eine Ausstellung |
Achtung: Die Übersetzung des italienischen Originalartikels ins Deutsche wurde mit Hilfe automatischer Tools erstellt. Wir verpflichten uns, alle Artikel zu überprüfen, aber wir garantieren nicht die völlige Abwesenheit von Ungenauigkeiten in der Übersetzung aufgrund des Programms. Sie können das Original finden, indem Sie auf die ITA-Schaltfläche klicken. Wenn Sie einen Fehler finden, kontaktieren Sie uns bitte.