von Redazione 20/10/2026
Kategorien: Antike Kunst / Haftungsausschluss
Der große Wandteppich aus dem 17. Jahrhundert, der in den Depots des Nationalmuseums Bargello aufbewahrt wird, zeigt Psyche bei einem Mahl im Kreise von Dienstmädchen und Musikern. Die Restaurierungsarbeiten des Opificio delle Pietre Dure werden etwa 30 Monate dauern und werden durch einen Zuschuss der Stiftung Il Bargello in Höhe von 100.000 Euro unterstützt.
Ein prächtiges Festmahl, eine junge Frau, die vor einem reich gedeckten Tisch sitzt, Dienstmädchen und Musiker, die sich um sie versammelt haben, und im Hintergrund Säulengänge, die den Blick auf die Landschaft freigeben; rundherum eine reich verzierte Bordüre mit Putten, Friesen und Blumengirlanden. Dies ist die Szene, die auf dem „Bankett der Psyche“ dargestellt ist, einem großen Wandteppich aus Wolle und Seide aus dem 17. Jahrhundert, der sich im Besitz des Museo Nazionale del Bargello in Florenz befindet und seit etwa einem Jahrhundert nicht mehr öffentlich zu sehen war. Das in den Depots des Florentiner Museums aufbewahrte Werk steht nun vor einer neuen Etappe seiner Geschichte: Am 19. Oktober 2026 wurde es in die Werkstättendes Opificio delle Pietre Dure überführt, wo es einer Untersuchung und Restaurierung unterzogen wird, die voraussichtlich etwa 30 Monate dauern wird. Das Werk misst 4,20 mal 3,25 Meter, hat eine Fläche von mehr als 12 Quadratmetern und wird der Manufaktur der Grande Galerie du Louvre zugeschrieben, die in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Paris tätig war; und seine Komposition lässt sich auf ikonografische Vorlagen zurückführen, die zum Repertoire des flämischen Malers Michiel Coxcie (1497–1592) gehören. Die Ausführung wird zwei bedeutenden Wandteppichkünstlern zugeschrieben, Girard Laurent und Maurice Dubourg, die während der Regierungszeit von Heinrich IV. und Ludwig XIII. im Dienst der königlichen Manufaktur tätig waren.
Die Restaurierung ermöglicht es, den Erhaltungszustand eines Werks zu verbessern, das zwar seit Ende des 19. Jahrhunderts Teil der Sammlungen des Bargello ist, jedoch lange Zeit der Öffentlichkeit verborgen blieb und ein noch wenig bekanntes Zeugnis des textilen Erbes des Museums darstellt. Die Restaurierung wird vom Opificio delle Pietre Dure in Zusammenarbeit mit der Galleria dell’Accademia in Florenz und den Musei del Bargello, einer Einrichtung des Kulturministeriums, durchgeführt und von der Stiftung „Il Bargello ETS Ente Filantropico“ finanziell unterstützt.
Ein Transport vom Palazzo del Bargello zum Palazzo Vecchio
Der Transport des Wandteppichs, der am Montag, dem 19. Oktober, stattfand, erforderte eine besonders behutsame Handhabung. Das Werk, das aufgerollt und in einer speziellen Tragevorrichtung befestigt war, wurde von den Technikern der Firma Apice zu Fuß zum Atelier der Abteilung für Wandteppiche und Teppiche des Opificio delle Pietre Dure transportiert, das in der Sala delle Bandiere des Palazzo Vecchio eingerichtet wurde . Die Arbeiten fanden unter der Aufsicht der Mitarbeiterinnen und Restauratorinnen des Museo Nazionale del Bargello und des Opificio statt. Der Transport ist der erste Schritt eines Projekts, das sich nicht auf die materielle Bergung des Artefakts beschränkt, sondern auch eine Forschungsphase umfasst, die darauf abzielt, die Materialien, die Herstellungstechniken und die Konservierungsgeschichte genauer zu erforschen. Bevor Maßnahmen an den Fasern und am Gewebe vorgenommen werden, werden die Restauratorinnen zunächst das Werk dokumentieren und die notwendigen diagnostischen Untersuchungen durchführen, um dessen Eigenschaften und Zustand zu bestimmen.
Die Notwendigkeit einer Restaurierung ergibt sich aus dem Vorhandensein von Oberflächenablagerungen, aufgegangenen Nähten, Schnitten, Lücken und fehlenden Schussfäden. Die problematischen Stellen sind besonders deutlich an den aus Seide gefertigten Teilen zu erkennen, während einige frühere Restaurierungen dazu beigetragen haben, die strukturelle Stabilität des Wandteppichs zu beeinträchtigen (die Arbeiten müssen daher verschiedene Probleme angehen, von der Reinigung über die Konsolidierung der Fasern und der beschädigten Gewebeteile bis hin zur Unterfütterung, die vorgesehen ist, um angemessene Bedingungen für eine zukünftige Ausstellung zu gewährleisten). Das Programm wird sich über einen Zeitraum von etwa 30 Monaten erstrecken und mindestens vier spezialisierte Restauratoren einbeziehen; die Arbeiten werden in Zusammenarbeit zwischen dem technisch-wissenschaftlichen Personal der beiden Institute auf der Grundlage einer Vereinbarung durchgeführt, die der Erforschung, Restaurierung und Aufwertung des Werks gewidmet ist.
Der Wandteppich und seine Geschichte
„ Das Festmahl der Psyche“ gelangte 1888 dank des testamentarischen Vermächtnisses von Louis Carrand (1827–1888) in die Sammlungen des Museo Nazionale del Bargello. Carrand war ein französischer Sammler und Kunsthändler, der sich in den letzten Jahren seines Lebens in Florenz niedergelassen hatte: Der Wandteppich gehört somit zu einem Kernbestand von Werken, die über die Sammlung Carrands ins Museum gelangten, zu der auch zwei weitere große Textilkunstwerke gehören. Bei diesen handelt es sich um „Der letzte Sturm auf Jerusalem“ und „Die Schlacht von Roncesvalles“, zwei Wandteppiche aus der Carrand-Sammlung, die der französisch-flämischen Manufaktur des 15. Jahrhunderts zugeordnet werden können. Beide wurden bereits zur Konservierung in die Abteilung für Wandteppiche des Opificio delle Pietre Dure gebracht. „Das Festmahl der Psyche“ ist hingegen der einzige der drei großen Wandteppiche aus der Carrand-Sammlung, die im Bargello aufbewahrt werden und noch nicht restauriert wurden.
Der zeitliche und handwerkliche Unterschied zu den beiden anderen Stücken macht die neue Restaurierung zu einer Gelegenheit, auch auf kunsthistorischer Ebene tiefere Einblicke zu gewinnen. Wie Emanuela Daffra, Leiterin des Opificio delle Pietre Dure, feststellte, hat sich die Abteilung bereits mit bedeutenden Textilwerken des Bargello befasst, doch das Werk aus dem 17. Jahrhundert weist andere Merkmale auf. „Mit ‚Das Festmahl der Psyche‘ schließt sich ein Kreis, da wir uns hier mit einem Werk befassen, das sich in Bezug auf Entstehungszeit und Herstellungsweise stark unterscheidet und in der Forschung bislang kaum Beachtung gefunden hat“, erklärte sie. Daffra hob zudem die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen hervor und erklärte: „Die gemeinsame Arbeit mit dem technisch-wissenschaftlichen Personal des Museums wird, da bin ich mir sicher, erneut zu Ergebnissen von großer Bedeutung führen.“
Im Zentrum des Wandteppichs befindet sich eine Episode aus dem Mythos von Amor und Psyche. Die Protagonistin sitzt vor einem reich gedeckten Tisch, umgeben von Dienstmädchen und jungen Musikern. Die Szene entfaltet sich in einem Raum, der von Säulengängen geprägt ist, die den Blick auf die Landschaft freigeben, während eine reich mit Putten, Friesen und Blumengirlanden verzierte Bordüre die Komposition umrahmt. Der Verweis auf die ikonografischen Vorbilder von Michiel Coxcie ordnet das Werk in eine figurative Tradition ein, die seiner Entstehung vorausgeht. Coxcie, ein flämischer Maler, der zwischen 1497 und 1592 lebte, gilt in der Tat als maßgeblicher Bezugspunkt für das Repertoire, aus dem die Szene stammt. Der Wandteppich wird zudem Girard Laurent und Maurice Dubourg zugeschrieben, zwei Wandteppichkünstlern, die während der Regierungszeit von Heinrich IV. und Ludwig XIII. im Dienst der königlichen Manufaktur standen.
Die Restaurierung
Die aus einer Kombination von Wolle und Seide gefertigte Textilstruktur dieses Kunstwerks befindet sich heute in einem Erhaltungszustand, der eine umfassende Restaurierung erfordert. Insbesondere die deutlich sichtbaren Schussfadenverluste in den Seidenpartien zeugen von der Komplexität der Arbeit, die auf die Restauratoren wartet. Die Voruntersuchungen dienen dazu, Informationen über die Materialien und die Herstellungstechniken zu sammeln, um die nachfolgenden Maßnahmen entsprechend auszurichten. Bei der Reinigung werden Oberflächenablagerungen entfernt, während die Konsolidierung die Fasern und die beschädigten Gewebeteile betrifft. Das Einfassen wird die Restaurierungsmaßnahmen abschließen, mit dem Ziel, dem Objekt im Hinblick auf seine Ausstellung eine größere Stabilität zu gewährleisten.
Die Restaurierung stellt somit auch eine Gelegenheit zum Wissenserwerb dar, bei der die konservatorische Wiederherstellung mit der Erforschung eines bisher in der Forschung wenig beachteten Werks einhergeht: Die Dokumentation und die diagnostischen Untersuchungen werden es ermöglichen, die materiellen Eigenschaften des Werks genauer zu erforschen, während der Austausch zwischen den Fachleuten des Bargello und denen des Opificio museale Kompetenzen und Konservierungstechniken für Textilobjekte miteinander verknüpft.
Das Projekt wird durch eine großzügige Spende in Höhe von 100.000 Euro der Stiftung „Il Bargello ETS Ente Filantropico“ ermöglicht, die über den „Art Bonus“ bereitgestellt wird – ein Instrument zur Förderung des Mäzenatentums zugunsten des öffentlichen Kulturerbes. Andreina Contessa, Generaldirektorin der Galleria dell’Accademia in Florenz und der Musei del Bargello, bezeichnete die Restaurierung als „einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Wiederentdeckung und Aufwertung eines außergewöhnlichen, oft wenig bekannten Kulturerbes, das in unseren Museen aufbewahrt wird“. Die Direktorin merkte zudem an, dass „die erneute Aufmerksamkeit auf ein Werk zu lenken, das seit etwa einem Jahrhundert nicht mehr für die Öffentlichkeit sichtbar ist, nicht nur dessen Erhaltung gewährleistet, sondern auch neue Perspektiven für Forschung und Erkenntnis eröffnet“.
Für die Galleria dell’Accademia in Florenz und die Musei del Bargello ist Andreina Contessa selbst die alleinige Verantwortliche für das Verfahren. Die wissenschaftliche Koordination liegt in den Händen von Ilaria Ciseri und Benedetta Cantini. Für das Opificio delle Pietre Dure sind hingegen Riccardo Gennaioli und Marta Cimò für die Aktivitäten verantwortlich. Das gerade begonnene Projekt wird voraussichtlich nach etwa zweieinhalb Jahren Arbeit abgeschlossen sein. Am Ende wird das „Bankett der Psyche“ unter verbesserten konservatorischen Bedingungen und mit einer fundierteren wissenschaftlichen Dokumentation bewertet werden können. Für ein Werk, das 1888 in den Bargello gelangte und etwa ein Jahrhundert lang der Öffentlichkeit verborgen blieb, markiert die Restaurierung somit den Beginn einer neuen Phase der Erforschung und einer möglichen Wiederentdeckung.
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| Florenz: Der Wandteppich „Das Festmahl der Psyche“ wird restauriert, nachdem er ein Jahrhundert lang der Öffentlichkeit vorenthalten war |
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