Italienische Fotografie 1955: Nach Castelfranco Veneto (Treviso) kehren die Protagonisten der Nachkriegszeit zurück


Vom 12. September bis zum 15. November zeigt das Museo Casa Giorgione in Castelfranco Veneto (Treviso) rund hundert Fotografien, größtenteils Vintage-Aufnahmen und einige bisher unveröffentlichte Bilder, aus, um die Geschichte des Preises „Città di Castelfranco Veneto“ der Jahre 1954 und 1955 sowie die Rolle von Gino Oliva nachzuzeichnen.

Vom 12. September bis zum 15. November 2026 zeigt das Museo Casa Giorgione in Castelfranco Veneto in der Provinz Treviso die Ausstellung „Fotografia italiana 1955. Die neuen Männer der Fotografie und Gino Oliva in Castelfranco“, kuratiert von der Fotowissenschaftlerin Simona Guerra. Die Ausstellung wird von der Gemeinde Castelfranco Veneto in Zusammenarbeit mit dem Fotoclub „El Paveion“ und der „Università Popolare“ unter der Schirmherrschaft der S.I.S.F. (Italienische Gesellschaft für Fotostudien) rekonstruiert die Ausstellung eine Epoche der italienischen Fotografie der Nachkriegszeit, ausgehend von der Nationalen Ausstellung und dem Fotopreis „Città di Castelfranco Veneto“, die 1954 und 1955 organisiert wurden.

In der Nachkriegszeit, als Italien den materiellen und kulturellen Wiederaufbau nach dem Krieg bewältigte, durchlief auch die Fotografie eine Phase des Wandels. Befreit von den Stilelementen des Regimes und der Propagandarhetorik begann sich die italienische Fotografie mit der internationalen Szene auseinanderzusetzen. In diesem Prozess spielten auch die Provinzstädte eine Rolle, insbesondere Castelfranco Veneto, das in den 1950er Jahren zu einem Bezugspunkt für Begegnungen, Diskussionen und den Austausch über die neuen Bildsprachen wurde.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Geschichte des Preises, der auf eine Idee von Gino Oliva zurückgeht, einer bedeutenden Persönlichkeit des lokalen intellektuellen Lebens und treibende Kraft hinter der Initiative. Mit dieser Geschichte verbunden ist auch die Veröffentlichung des Bandes „Fotografia Italiana 1955“, der dazu beitrug, diese Phase der Erneuerung zu dokumentieren. Die Ausstellung vereint etwa hundert Werke, größtenteils originale Vintage-Abzüge aus jener Zeit, von denen einige bisher unveröffentlicht sind und die in öffentlichen und privaten Archiven, Bibliotheken und Institutionen von nationaler Bedeutung aufgespürt wurden.

Mario Giacomelli, „Apprendista“ (1955) Erben von Mario Giacomelli © Simone Giacomelli
Mario Giacomelli, „Apprendista“ (1955) Erben von Mario Giacomelli © Simone Giacomelli
Pio Baldo Camici, „Trina fusa“ (1955) © Archiv Pio Baldo Camici, Florenz
Pio Baldo Camici, „Trina fusa“ (1955) © Archiv Pio Baldo Camici Florenz

Zu sehen sind Werke von Fulvio Roiter, Giulio Parmiani, Paolo Monti, Carlo Bevilacqua, Ferruccio Ferroni, Piergiorgio Branzi, Paolo Bocci, Giovanni Salani, Alfredo Camisa, Pio Baldo Camici, Luciano Ferri, Francesco Giovannini, Toni del Tin, Nino Migliori, Gianni Berengo Gardin, Bruno Simoncelli, Mario de Biasi und Giuseppe Cavalli sowie weitere Künstler, die an der Ausstellung teilnahmen.

Ein eigener Abschnitt ist zudem den weiblichen Teilnehmerinnen gewidmet, in einem Kontext, in dem Fotowettbewerbe damals noch überwiegend von Männern geprägt waren. Der Ausstellungsparcours präsentiert die Werke von Ada Gazzaniga, Laura Martinelli Stroili, Lavinia Ruggieri und Maria Sartori, vier Künstlerinnen, die an den Wettbewerben jener Zeit teilnahmen und dabei ihre eigene künstlerische Suche und Sensibilität einbrachten. Zwei vertiefende Abschnitte runden die Ausstellung ab. Der erste ist dem Fotografen und Intellektuellen Gino Oliva gewidmet. Oliva trug dazu bei, Castelfranco zu einem Treffpunkt für einige der aktivsten Fotografen jener Jahre zu machen, indem er persönliche Beziehungen zu ihnen aufbaute und einen Gedankenaustausch pflegte. Die Auswahl seiner Aufnahmen ermöglicht es zudem, den Einfluss zu erkennen, den die Fotografen, mit denen er in Kontakt kam und die seine Freunde waren, auf ihn ausübten.

Gianni Berengo Gardin, „Die Hunde schauen uns an“ (1954) © Erben von Gianni Berengo Gardin
Gianni Berengo Gardin, „I cani ci guardano“ (1954) © Erben von Gianni Berengo Gardin
Gino Oliva, Lourdes (1958) © Erben von Gino Oliva, Castelfranco Veneto
Gino Oliva, „Lourdes“ (1958) © Erben von Gino Oliva Castelfranco Veneto

Der zweite Abschnitt hingegen zeichnet die Anfänge von Mario Giacomelli nach. Im Jahr 1955 erhielt der Fotograf, der erst am Heiligabend 1953 begonnen hatte, die Kamera zu benutzen, in Castelfranco seine erste bedeutende nationale Auszeichnung. Es war Paolo Monti, der seine Qualitäten frühzeitig erkannte und ihn als „den neuen Mann der Fotografie“ bezeichnete. Die ausgestellten Werke umfassen eine Auswahl von Aufnahmen und Experimenten aus seiner Jugend, die die Anfänge von Giacomellis künstlerischer Suche dokumentieren. Neben den Fotografien präsentiert die Ausstellung einen dokumentarischen Teil, bestehend aus Protokollen und handschriftlichen Notizen der Jurymitglieder, Korrespondenz zwischen Veranstaltern und Künstlern, Zeitschriften jener Zeit und Originalkatalogen. Anhand dieser Dokumente lassen sich auch die organisatorischen Abläufe, die Beziehungen zwischen den Akteuren sowie der ästhetische und kulturelle Kontext, in dem sich der Preis entwickelte, rekonstruieren.

Die Ausstellung ist zudem die Fortsetzung des Studientags, der am 22. November unter der Schirmherrschaft der S.I.S.F. stattfand und an dem Historiker, Kritiker und Fotografieforscher teilnahmen. Zu den Referenten gehörten Claudio Masiero und Giancarlo Baggio vom Verein „El Paveion“ aus Castelfranco Veneto, der Fotohistoriker Manfredo Manfroi, Simona Guerra, Marta Camisa vom Archiv Alfredo Camisa in Mailand, Massimo Stefanutti, Vorsitzender des Fotoklubs „La Gondola ETS“ aus Venedig, Alvise Rampini, Direktor des CRAF (Forschungs- und Archivierungszentrum für Fotografie) in Spilimbergo, der Journalist Michele Smargiassi von „La Repubblica“, Stefania Rössl von der Universität Bologna sowie Massimo Sordi, Fotograf und Kurator des OMNE Fest in Castelfranco Veneto. Anlässlich der Eröffnung wird schließlich der offizielle Ausstellungskatalog vorgestellt, der von der Stadtverwaltung von Castelfranco Veneto herausgegeben wurde.

Praktische Informationen

Öffnungszeiten

Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: 10.00 – 13.00 Uhr

Freitag, Samstag und Sonntag: 10.00 – 18.00 Uhr

Montags geschlossen

Eintrittspreise

Vollpreis 7,00 € | Ermäßigt 5,00 €

Italienische Fotografie 1955: Nach Castelfranco Veneto (Treviso) kehren die Protagonisten der Nachkriegszeit zurück
Italienische Fotografie 1955: Nach Castelfranco Veneto (Treviso) kehren die Protagonisten der Nachkriegszeit zurück



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