Vom 5. November 2026 bis zum 14. Februar 2027 beherbergt der Palazzetto„ Marcello“ in Venedigdie Ausstellung „L’inizio ci assale“, die erste Ausstellung, die in dem Gebäude in der Calle del Dose im Sestiere Castello organisiert wird. Im Mittelpunkt steht Luca Bertolo (Mailand, 1968), ein Künstler, der in Seravezza lebt und arbeitet, in einer von Elena Volpato kuratierten Ausstellung.
Das Projekt vereint vierzig Werke, darunter aktuelle und bisher unveröffentlichte Arbeiten, die im Obergeschoss und im Erdgeschoss des Gebäudes ausgestellt sind. Der Titel greift die Worte eines Gedichts von Milo De Angelis auf, auf die Bertolo bereits in seiner Malerei Bezug genommen hat, und benennt im „Anfang“ das Thema, um das sich die Ausstellung dreht. Jeder Anfang, so suggeriert das Projekt, beinhaltet eine Komponente des Mutes und eine der Nachgiebigkeit, den Impuls zum Angriff und die Bereitschaft, sich angreifen zu lassen.
Diese Reflexion betrifft nicht nur die Beziehung zwischen dem Künstler und der Entstehung eines neuen Werks. Der Anfang wird als eine menschliche Dimension der Zeit betrachtet, die mit der ständigen Wiederholung kleiner und großer Zyklen des Entstehens und Vergehens verbunden ist, aber auch mit dem Entstehen und Verblassen kultureller Formen.
In Bertolos Malerei wird der ständige Neuanfang der Kunst mit der Zeitgeschichte in Verbindung gebracht, in der laut der Kuratorin eine stammesartige Komponente gleichzeitig als Bedrohung und als Versprechen wieder aufzutauchen scheint. Der Bezug gilt auch dem Sturm auf das Kapitol vor fünf Jahren, als eine Menschenmenge, angeführt von einem Mann mit Hörnern und Bärenfell, der als der verschwörungstheoretische „Schamane“ von QAnon bekannt wurde, das Gebäude des US-Kongresses stürmte.
Das Thema des Ursprungs knüpft zudem an das erneute Interesse an der Vorgeschichte an, das durch aktuelle universitäre Studien genährt wird, sowie an die Arbeit einiger Künstler, die sich seit Langem mit Bereichen auseinandersetzen, in denen magisches und symbolisches Denken Raum finden und der Wunsch besteht, eine Verbindung zu einer ursprünglichen Dimension wiederherzustellen. Der Anfang nimmt somit widersprüchliche Formen an, in denen die grobe Urzeitlichkeit mit dem Zauber des Ursprünglichen koexistiert. Auch der Begriff „Schamane“ wird dadurch ambivalent, da er sowohl eine Manifestation politischer Brutalität als auch bestimmte zeitgenössische künstlerische Ausdrucksformen bezeichnen kann.
Diese Ambivalenz zieht sich auch durch die von Bertolo präsentierten Werke. Neben Gemälden und Zeichnungen umfasst die Ausstellung eine Reihe von Stöcken, die in den letzten zwei Jahren entstanden sind. Es handelt sich nicht um Spazierstöcke, sondern um als „schamanisch“ bezeichnete Artefakte, die aus der primitiven Geste entstehen, einen im Wald gesammelten Ast zu glätten, um ihn in ein Instrument des Krieges oder der Zivilisation zu verwandeln. Hinzu kommt die Verwendung unterschiedlicher Materialien, von Tierknochen bis hin zu bunten Industriefedern. Die Objekte befinden sich somit in einer schwer definierbaren zeitlichen Dimension: Sie sind zugleich archaisch und postmodern und stehen symbolisch an der Schnittstelle zwischen Anfang und Ende.
Die Wahl Venedigs als Schauplatz der ersten Ausstellung des Ausstellungsprojekts erhält schließlich eine weitere Bedeutung. Die Stadt wird als Symbol für die raffinierte ästhetische Erschöpfung der westlichen Zivilisation angesehen, die dem Risiko der Auflösung und der Gefahr eines Endes ausgesetzt ist, das mit einem Neuanfang der Natur zusammenfallen kann. Während der Ausstellungsdauer werden zudem Begegnungen mit dem Künstler, der Kuratorin und weiteren Gästen organisiert, die der Vertiefung einiger der im Projekt behandelten Themen gewidmet sind.
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| Luca Bertolo reflektiert in Venedig mit „L’inizio ci assale“ über den Ursprung der Kunst |
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