Vom 15. September bis zum 18. Oktober 2026 präsentiert die Galerie Société Interludio in Cambiano in der Provinz Turin „La Scia“, die erste Einzelausstellung der italienischen Künstlerin Gaia De Megni (Santa Margherita Ligure, 1993), kuratiert von Vincenzo Estremo. Das Projekt entspringt einer Reflexion über die Prozesse, durch die Bilder erzeugt, übertragen und bewahrt werden, wobei der Schwerpunkt insbesondere auf der Beziehung zwischen Erinnerung, Kino und bewegten Bildern liegt. Durch den Einsatz von Licht, Architektur und der physischen Präsenz des Publikums verwandelt die Künstlerin die Galerie in eine Art filmisches Umfeld ohne Bilder.
Der Titel der Ausstellung verweist auf die Spur, die ein sich bewegender Körper hinterlässt. Die Künstlerin setzt das Konzept der strömungsdynamischen Spur mit dem der durch Licht erzeugten optischen Spur in Beziehung und hinterfragt, was zurückbleibt, nachdem ein Körper einen Lichtstrahl durchquert hat. Aus dieser Verbindung entsteht eine Reflexion über die Fähigkeit von Bildern, sich in Erinnerung zu verwandeln, aber auch über ihr allmähliches Verschwinden. Die Spannung zwischen Präsenz und Abwesenheit, zwischen dem, was bleibt, und dem, was verfliegt, bezieht auch den Betrachter direkt mit ein. Das Licht verändert beim Auftreffen auf den Körper vorübergehend dessen Wahrnehmung und macht ihn zu einem integralen Bestandteil des Werks.
„La Scia“ greift die Unterschiede zwischen Kino und Fernsehen hinsichtlich der Art und Weise der Produktion und Übertragung von Bildern in einem dunklen Raum auf. Im Kino wird das Bild auf eine Leinwand projiziert, die als Empfangsfläche dient; das Fernsehen hingegen strahlt sein Licht direkt in den Raum aus und erreicht so die Körper der Zuschauer. Aus dieser Perspektive kann der Körper des Betrachters für einen Augenblick zu einer Art Leinwand werden, auf die das Licht einwirkt und eine Spur hinterlässt. Die Bilder werden also nicht einfach nur betrachtet, sondern dringen physisch in den Raum des Zuschauers ein und werden zu etwas, das aufgenommen und konsumiert wird.
Nach den Untersuchungen von Gaia De Megni verdeutlicht dieser Mechanismus die Fragilität der Beziehung zwischen Erinnerung und Vergessen. Ein Bild kann in demselben Moment verschwinden, in dem es weiterhin Wirkungen in der Gegenwart entfaltet, und dabei eine Spur hinterlassen, die seine ursprüngliche Präsenz überdauert.
Das Verschwinden des Bildes wird zu einer Gelegenheit, über den Begriff des Vergessens nachzudenken, der in einer Gegenwart, in der das Löschen und die Manipulation von Erinnerung auch eine politische Dimension annehmen können, von besonderer Bedeutung ist. Der Betrachter bleibt diesem Prozess nicht fremd. Seine Anwesenheit unterbricht die Lichtfelder und erzeugt seinerseits eine neue „Spur“: eine flüchtige Spur, die sich im Gleichgewicht zwischen Erinnerung und Verschwinden, Präsenz und Abwesenheit befindet.
Gaia De Megni studierte an der NABA – Nuova Accademia di Belle Arti in Mailand. Derzeit ist sie im Rahmen des Programms SUPERTOSCANA Artist-in-Residence am Centro Pecci in Prato. Im Jahr 2024 präsentierte sie „Leitmotiv“, ihre erste Einzelausstellung in einer Institution, in der Fondazione La Rocca in Pescara, kuratiert von Francesca Guerisoli. Im September 2026 wird das MACRO in Rom zudem „Maria’s Dream“ zeigen, eine von Maria Lodovica Ferrari kuratierte Einzelausstellung der Künstlerin.
Sie hat an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Italien und im Ausland teilgenommen. Zu den jüngsten Veranstaltungen zählen „Per un’antologia delle ombre“ in der Casa della Memoria in Mailand (2026), die „Biennale del Sur“ in Mailand (2025), „UNDERCURRENTS“ in der Vila 31 x Art Explora in Tirana (2025), die Malta-Biennale in Valletta (2024) und „Ekrani i Artit“ in Shkodra (2022). Seine Arbeiten wurden außerdem im Rahmen von „Ipermaremma“ in der Toskana (2021), „The Wild State“ beim Ars Electronica Festival in Linz (2020) und „PROPAGANDA“, einer von Marcello Maloberti kuratierten Ausstellung im Museo del Novecento in Mailand (2019), präsentiert.
Zu den wichtigsten Auszeichnungen zählen der Arte Visione – Careof (2025), der Pini Art Prize der Fondazione Pini (2023), der Premio DUCATO – Arte Accademia (2019) sowie den Premio Città di Monza – Biennale dei Giovani (2017).
Gaia De Megni wurde außerdem als Finalistin für „Flash Art – Artisti Emergenti“ im Jahr 2025, für den „Premio Michetti“ im Jahr 2024 und für den „Talent Prize“ im Jahr 2021 ausgewählt.
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| Bei Société Interludio wird die erste Einzelausstellung von Gaia De Megni ein filmisches Ambiente ohne Bilder sein |
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