Das Metropolitan Museum of Art in New York hat 38 Gemälde von Chang Dai-chien (Zhang Daqian) aus der Sammlung der Tochter des Künstlers, Sing Sheng Chang, erworben. Die Werke, die aus den 1930er- bis 1980er-Jahren stammen, dokumentieren die Bandbreite des Schaffens des chinesischen Malers, der als eine der zentralen Figuren der modernen chinesischen Tuschemalerei gilt, und umfassen verschiedene Epochen, Stile und Gattungen.
Die Sammlung umfasst Werke, die es ermöglichen, die Entwicklung von Chang Dai-chien von den klassizistischen Experimenten seiner Jugend bis hin zur abstrakten Wende in den 1960er Jahren und zu den Spätwerken nachzuvollziehen, in denen diese beiden Tendenzen zu einer Synthese zusammengeführt werden. Besondere Bedeutung kommt den Arbeiten zu, die in der Phase der Auseinandersetzung mit den sogenannten „Splashed-Color“- (Farbspritztechnik) und „Splashed-Ink“-Techniken (Tintenspritztechnik) entstanden sind, die vor allem zwischen 1965 und 1968 entwickelt wurden, als der Künstler die Beziehung zwischen moderner Abstraktion und der Theorie sowie Praxis der chinesischen Tuschemalerei vertiefte.
Die vom Museum erworbene Auswahl umfasst zudem Beispiele figurativer Malerei, gestische Gemälde von Lotusblumen, detailgetreue Blumenmalerei und Selbstporträts und bietet so einen Überblick über die verschiedenen Genres, mit denen sich Chang im Laufe seiner Karriere auseinandergesetzt hat. In ihrer Gesamtheit dokumentieren die Werke die Vitalität und Modernität, die die Tuschemalerei im 20. Jahrhundert erreicht hat, am Beispiel eines ihrer wichtigsten Vertreter.
Ein besonderes Merkmal des Erwerbs ist der persönliche Charakter der Sammlung. Die Sing Sheng Chang-Sammlung gewährt nämlich einen Einblick in das Privatleben des Künstlers und sein Schaffen im familiären Umfeld. Unter den Werken befinden sich einige Arbeiten aus der Anfangsphase seiner Karriere, darunter mehrere Gemälde, die in den 1940er Jahren an den buddhistischen Felsenklöstern von Dunhuang entstanden sind – Werke, die laut Angaben des Museums heute außerhalb asiatischer Museumssammlungen nur in begrenzter Anzahl vorhanden sind.
Die Sammlung umfasst auch unvollendete Werke, teilweise fertiggestellte Experimente und Gemälde, die der Künstler seiner Tochter gewidmet hat – Elemente, die dazu beitragen, andere Aspekte des Entstehungsprozesses der für die öffentliche Präsentation bestimmten Werke zu dokumentieren. Alle Gemälde wurden Sing Sheng Chang von seinem Vater und seiner Mutter, Chang Hsu Wen-po, der Ehefrau des Künstlers, übergeben. Dank dieser familiären Herkunft können den fertigen Werken Materialien gegenübergestellt werden, die auch den prozessualen Charakter von Chang Dai-chiens malerischer Praxis widerspiegeln.
Das Interesse des Künstlers an der Abstraktion entwickelte sich insbesondere in den 1960er Jahren. Mit den Gemälden, die durch die Techniken des Farbsprühens und des Tintensprühens geprägt sind, versuchte Chang, die Wurzeln der modernen Abstraktion in der Tradition der chinesischen Tuschemalerei zu verorten, indem er eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit Geste, Materie und Farbe mit Prinzipien der chinesischen Malereigeschichte in Verbindung brachte.
Der Neuerwerb erweitert zudem den bereits im Metropolitan Museum of Art befindlichen Kernbestand an Werken von Chang Dai-chien. Die Sammlung des Museums umfasst nämlich auch die zwölf Werke, die Jack und Susy Wadsworth im Jahr 2021 zugesagt haben, sowie eine bedeutende Sammlung klassischer chinesischer Gemälde und Kalligraphien, die einst dem Künstler selbst gehörten. Diese historischen Werke gelangten 1989 durch den Nachlass von John M. Crawford Jr. in die Sammlungen des Met, der in den 1950er Jahren zahlreiche Werke von Chang Dai-chien erworben hatte.
Die von Crawford bewahrte Sammlung von Werken der chinesischen Tradition spielte eine Rolle im Werdegang des Künstlers und beflügelte seine Suche nach einer modernen und persönlichen Ausdrucksweise. Der Erwerb der Sammlung von Sing Sheng Chang wird es dem Museum daher ermöglichen, die vom Künstler zusammengetragenen antiken Werke mit einer Auswahl seiner eigenen Gemälde in Beziehung zu setzen. Das Met plant, diese Gegenüberstellung in den Ausstellungsräumen, in Publikationen und auf der Website des Museums zu thematisieren, um eine Fallstudie über die Beziehung zwischen dem Wissen um die Vergangenheit und dem Wandel der Tuschemalerei im 20. Jahrhundert zu bieten.
„Chang Dai-chien ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Malerei der Moderne. Er verstand es, ein tiefes Wissen über die klassische chinesische Kultur mit einer transnationalen Perspektive zu verbinden und schuf so einen Stil der Tuschemalerei, der zwar in der lokalen Tradition verwurzelt war, sich aber einer umfassenderen globalen Vision öffnete“, erklärte Max Hollein, Direktor und Geschäftsführer des Met. „Diese bedeutende Erwerbung wird es ermöglichen, Chang Dai-chien anhand von Schlüsselwerken, die seinen gesamten kreativen Werdegang veranschaulichen, tiefgreifend zu verstehen und einen umfassenden Überblick über das Leben des Künstlers zu bieten. Wir sind Sing Sheng Chang dankbar, dass er dem Met das Erbe seines Vaters anvertraut hat und das Museum damit zu einem Referenzzentrum für die Erforschung dieses großen Künstlers gemacht hat.“
„Chang Dai-chien ist der bedeutendste moderne chinesische Maler, der mit Tusche arbeitet“, erklärte Joseph Scheier-Dolberg, Kurator der Abteilung für chinesische Malerei am Met. „Sein anfängliches Bestreben, die klassische Tradition zu meistern, und sein zweijähriges intensives Studium in den Höhlen von Dunhuang verschafften ihm ein einzigartiges Verständnis der Geschichte der chinesischen Malerei; dieses Wissen floss dann in jahrzehntelange bahnbrechende Experimente ein, von den 1940er bis in die 1980er Jahre. Obwohl Chang in Ostasien seit langem als bedeutender moderner Künstler anerkannt ist, wurde seine Bedeutung in Europa und Amerika bislang nicht angemessen gewürdigt. Dieser Erwerb wird es dem Met ermöglichen, die Geschichte von Chang – die von Natur aus modern und transnational ist – zu erzählen und seinen Beitrag in eine umfassendere Erzählung der vernetzten globalen Moderne einzuordnen.“
„Chang Dai-chien hat die Moderne nach seiner eigenen Vision geprägt – durch ein Schaffen, das von außergewöhnlicher Virtuosität und unermüdlichem Experimentiergeist geprägt war“, erklärte Lesley Ma, Kuratorin der Abteilung für moderne und zeitgenössische Kunst des Met. „Diese außergewöhnliche Sammlung von Werken beleuchtet Changs innovative Ausdrucksformen im Umgang mit Tusche auf Papier und unterstreicht die Bedeutung der ostasiatischen Ästhetik in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Es ist uns eine Ehre, sein Vermächtnis zu würdigen und gleichzeitig die Forschung und das Engagement für ein Umdenken in Bezug auf die globale Moderne im Hinblick auf die Eröffnung des künftigen Tang-Flügels für moderne und zeitgenössische Kunst zu vertiefen.“
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| Das Met erwirbt 38 Gemälde von Chang Dai-chien aus der Sammlung seiner Tochter |
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