Nach der Debatte, die um den Vorschlag entstanden war, einen bioklimatischen Baum auf der Piazza dei Cinquecento in Rom vor dem Bahnhof Termini aufzustellen, haben sich die Urheber des Projekts, nämlich das Architekturbüro haascookzemmrich STUDIO2050, mit einer Stellungnahme zu Wort, um ihren Standpunkt zu verdeutlichen und den Ursprung des Entwurfs zu präzisieren. Dabei betonen sie, dass die in den letzten Monaten entwickelte Idee ausschließlich für den Petersplatz konzipiert wurde und nicht ohne eine grundlegende Überarbeitung des Entwurfs einfach in einen anderen städtischen Kontext übertragen werden kann.
Wie die Architekten erläutern, entstand die Initiative anlässlich des Jubiläums, inspiriert von einem Vorschlag von Professorin Wibke Mitterer von der LUMSA-Universität. Die ursprüngliche Idee bestand darin, den Raum am Eingang zum Petersplatz, der durch ein von Gian Lorenzo Bernini entworfenes, aber nie realisiertes Gebäude leer geblieben war, aufzuwerten, indem dort ein Element platziert wurde, das ein Symbol für zeitgenössische nachhaltige Architektur darstellen sollte. Das Ziel bestand nicht nur darin, an das unvollendete Projekt des großen Barockarchitekten zu erinnern, sondern auch den Anforderungen des Klimawandels gerecht zu werden und den Komfort auf einem der meistbesuchten Plätze der Welt zu verbessern. Die Maßnahme hätte nämlich eine zusätzliche klimatische Funktion in einen vollständig gepflasterten Raum eingebracht und den Besuchern Schatten und Abkühlung geboten.
Ausgehend von diesen Voraussetzungen entwickelte haascookzemmrich STUDIO2050 gemeinsam mit den Bauingenieuren von C4 Engineers und den Spezialisten von Transsolar Energietechnik einen ersten Entwurfsvorschlag. Das Konzept sah einen großen Eingangsbogen vor, der aus zwei miteinander verbundenen, selbsttragenden Bambusstrukturen bestand, in deren Inneren ein Verdunstungskühlsystem eingebaut werden sollte, das Schatten spendet und die gefühlte Temperatur im Zugangsbereich zum Petersplatz senkt.
Neben den funktionalen Aspekten hatte das Projekt auch eine starke symbolische Bedeutung. Die Konstruktion, so erklären die Autoren, entstand nämlich als zeitgenössische Neuinterpretation des von Bernini entworfenen, aber nie realisierten Gebäudes. Auch die Proportionen des Entwurfs wurden in enger Abstimmung mit dem monumentalen Kontext des Platzes festgelegt: Die Höhe des Innenbogens wurde entsprechend den Sichtachsen zur Petersbasilika und ihrer Kuppel bemessen, während die Gesamthöhe der Konstruktion an die der berühmten Bernini-Arkaden anknüpfte.
„Das architektonische Motiv ergibt sich somit direkt aus den spezifischen räumlichen und städtebaulichen Gegebenheiten des Petersplatzes“, erklären die Planer. „Aus diesem Grund halten wir es nicht für angebracht, die entworfene Skulptur ohne eine gründliche Überarbeitung an einen anderen Standort zu verlegen. Unser Planerteam ist nämlich davon überzeugt, dass sich Architektur stets ausgehend von den spezifischen Gegebenheiten des Ortes entwickeln muss – eine Voraussetzung, die bei einer solchen Verlegung nicht mehr gegeben wäre. Und die Idee, dass künstliche Beschattung und adiabatische Kühlung nicht mit natürlichen Bäumen und deren klimatisierender Wirkung konkurrieren sollten, bildet die Grundlage unserer Planungsrichtlinien: Wo natürliche Vegetation möglich ist, ist diese zu bevorzugen. Gleichzeitig erfordern bereits versiegelte städtische Räume andere Lösungen. Als Planungsteam werden wir daher eine für diesen Kontext geeignete Variante entwickeln, die eine wirksame Klimaverbesserung und Beschattung bei minimalem Materialeinsatz ermöglicht.“
Die Architekten bekräftigen zudem einen Grundsatz, der ihren Ansatz bei der klimabezogenen Gestaltung städtischer Räume leitet. Künstliche Beschattung und adiabatische Kühlsysteme, so betonen sie, dürfen nicht als Konkurrenz zu Bäumen und deren natürlichem Beitrag zur Verbesserung des städtischen Mikroklimas betrachtet werden. Im Gegenteil: Vegetation ist immer die bevorzugte Lösung, sofern die Bedingungen dies zulassen.
Laut haascookzemmrich STUDIO2050 muss es oberste Priorität sein, das Vorhandensein von Bäumen und natürlicher Vegetation zu fördern, wann immer dies möglich ist. Technologische Lösungen zur Kühlung und Beschattung sind hingegen vor allem in bereits vollständig versiegelten städtischen Räumen oder in Situationen gerechtfertigt, in denen die Anpflanzung von Bäumen nicht durchführbar ist.
Genau aus diesem Grund kündigt das Planungsteam an, eine neue Variante zu entwickeln, die speziell auf den Kontext der Piazza dei Cinquecento zugeschnitten ist. Ziel ist es, eine Lösung zu finden, die die klimatischen Bedingungen des öffentlichen Raums verbessert und durch einen zurückhaltenden Materialeinsatz für Schatten sorgt, wobei das Projekt an die Besonderheiten des Ortes angepasst wird, anstatt das für die Piazza San Pietro entwickelte Konzept zu kopieren.
Die Architekten betonen zudem, dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt weder für die Piazza dei Cinquecento noch – zuvor – für die Piazza San Pietro einen endgültigen Entwurf gibt. Was bisher vorgestellt wurde, war lediglich ein erster architektonischer Vorschlag, der auf der Grundlage der Vorgaben von Professorin Wibke Mitterer entwickelt wurde und dazu dienen sollte, eine planerische Reflexion anzustoßen.
Die Festlegung eines Ausführungsentwurfs, so schließen die Verfasser der Mitteilung, könne erst nach einer gründlichen Analyse des ausgewählten Standorts und seiner spezifischen ökologischen, städtebaulichen und funktionalen Gegebenheiten erfolgen. Nur auf diesem Weg wird es möglich sein, eine Lösung zu erarbeiten, die mit dem Kontext im Einklang steht und sowohl den klimatischen Anforderungen als auch der Qualität des öffentlichen Raums gerecht wird.
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| Rom, die Schöpfer des „Albero Climatico“: Die Piazza dei Cinquecento sollte neu überdacht werden |
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