In Rom, in der Basilika Santa Maria Antiqua – einem der eindrucksvollsten Orte des Forum Romanum – entsteht eine Begegnung zwischen zeitgenössischer Kunst, Renaissance und Antike. Hier wird vom 11. Oktober 2026 bis zum 7. Februar 2027 „The Greeting“ von Bill Viola zu sehen sein, eine Videoinstallation, die für den Pavillon der Vereinigten Staaten auf der Biennale von Venedig 1995 geschaffen wurde. Das Projekt mit dem Titel „The Greeting von Bill Viola im Forum Romanum. Hommage an Pontormo“ wird vom Archäologischen Park des Kolosseums in Zusammenarbeit mit Electa gefördert und findet anlässlich der großen Pontormo gewidmeten Monografieausstellung in den Scuderie del Quirinale statt. Die Aufstellung des Werks im Inneren von Santa Maria Antiqua kommt einer besonderen Bedeutung zu: Das Video von Bill Viola tritt nämlich in Beziehung zu einem Ort, der sich durch eine außergewöhnliche historische und spirituelle Vielschichtigkeit auszeichnet, inmitten antiker Steine und mittelalterlicher Fresken.
„The Greeting“ ist von Pontormos berühmtem Gemälde „Die Heimsuchung“ inspiriert, das zwischen 1528 und 1532 entstand und in der Pfarrkirche San Michele Arcangelo in Carmignano aufbewahrt wird. Das Gemälde zeigt die Begegnung zwischen Maria, die mit Jesus schwanger ist, und ihrer Cousine Elisabeth, die ihrerseits den Heiligen Johannes den Täufer erwartet. Hinter ihnen sind zwei weitere weibliche Figuren zu sehen, die dazu beitragen, die Szene noch rätselhafter und intensiver zu gestalten. Viola hat sich jedoch nicht dafür entschieden, die biblische Episode direkt nachzubilden. Stattdessen nahm der Künstler Pontormo als Ausgangspunkt, um ein völlig eigenständiges Werk zu schaffen, wobei er sich auf die Komposition, die Farben und die emotionale Kraft des Originals konzentrierte. Das Ergebnis ist ein zeitgenössisches Werk, das die Verbindung zur Malerei der Renaissance bewahrt, ohne sich in eine bloße Anspielung zu verwandeln.
Für die Realisierung von „The Greeting“ verwendete Bill Viola eine spezielle 35-mm-Filmkamera, die bis zu 300 Bilder pro Sekunde aufnehmen konnte. Die Szene zeigt eine äußerst kurze Begegnung – deren tatsächliche Dauer etwa 45 Sekunden beträgt – zwischen zwei Frauen in modernen, farbenfrohen Kleidern. An einem bestimmten Punkt betritt eine dritte Person die Szene. Die Bewegungen der Protagonistinnen sind äußerst zart und choreografisch. Durch die extreme Zeitlupe werden Gesten, Mimik und Blicke jedoch so gedehnt, dass sie etwa zehn Minuten einnehmen. Die Echtzeit der Handlung wird auf diese Weise vollständig transformiert. Ein flüchtiger Moment wird zu einem immersiven und kontemplativen Erlebnis, in dem der Zuschauer Details und Stimmungen wahrnehmen kann, die im Alltag fast unmerklich blieben. Die Zeitlupe wird somit zu einem Mittel, um Zeit, Präsenz, das Warten und die innere Dimension der menschlichen Erfahrung zu erforschen.
Die Wahl von Pontormo als Bezugspunkt ist kein Zufall. Als zentrale Figur des florentinischen 16. Jahrhunderts verkörperte Jacopo Carrucci, genannt Pontormo, einen der originellsten Übergänge von der Hochrenaissance zur Manier. Seine Malerei, die sich vom klassischen Gleichgewicht entfernt und durch exzentrische und innovative Lösungen gekennzeichnet ist, hat auch die Kunstkultur des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart stark beeinflusst. Zu den Künstlern, die sich an seinem Werk orientierten, zählen Pier Paolo Pasolini und Bill Viola, die beide von der besonderen Ausdruckskraft und der Modernität seines Schaffens angezogen waren.
Die Installation „The Greeting“ ist Teil des Programms der ersten großen Ausstellung, die ganz Pontormo gewidmet ist und vom 9. Oktober 2026 bis zum 7. Februar 2027 in den Scuderie del Quirinale stattfindet, gefördert von Ales SpA – Scuderie del Quirinale in Partnerschaft mit den Uffizien organisiert und gemeinsam mit Electa produziert. Die Kuratierung liegt in den Händen von Cristina Acidini, die von einer Gruppe von Fachleuten unterstützt wird, bestehend aus Elena Capretti, Philippe Costamagna, Bruce Edelstein und Carlo Falciani. Die Ausstellung soll einen tieferen Einblick in die Persönlichkeit und das Schaffen eines Künstlers geben, der bei Sammlern und Publikum gleichermaßen beliebt ist, der jedoch trotz seiner Bedeutung bisher noch nicht im Mittelpunkt einer großen monografischen Ausstellung dieser Größenordnung stand.
Die Inszenierung von „The Greeting“ in Santa Maria Antiqua erweitert das Verständnis der Pontormo gewidmeten Ausstellung noch weiter. Der Dialog zwischen Violas Werk, Pontormos Malerei und der historischen Architektur des Forums zeigt, wie Bilder der Vergangenheit weiterhin neue Ausdrucksformen hervorbringen können. Im Verhältnis zur Kunstgeschichte hat Bill Viola deutlich gemacht, dass er sich die Werke der Vergangenheit nicht einfach aneignen oder reproduzieren wollte. Sein Interesse galt vielmehr der Möglichkeit, sich mit alten und modernen Künstlern als Vorbilder auseinanderzusetzen, um eine eigene Bildkonzeption zu entwickeln. Genau in dieser Perspektive liegt die Stärke von „The Greeting “: Pontormos Werk wird nicht nachgeahmt, sondern in ein neues visuelles Mittel verwandelt, in dem Zeit, Bewegung, Farbe und menschliche Präsenz eine zeitgenössische Dimension annehmen.
Im Forum Romanum wird Bill Violas Werk so zu einer Brücke zwischen weit voneinander entfernten Epochen: von der Malerei des 16. Jahrhunderts über die mittelalterlichen Fresken von Santa Maria Antiqua bis hin zur zeitgenössischen Videokunst.
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| Bill Viola würdigt Pontormo: Die Videoinstallation „The Greeting“ kommt nach Rom, ins Forum Romanum |
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