In Dresden wird die „Madonna von San Sebastiano“ von Correggio restauriert


Die Gemäldegalerie in Dresden hat der „Madonna von San Sebastiano“ von Correggio, die um 1524 gemalt wurde und durch Verformungen des Holzträgers sowie durch Eingriffe in den folgenden Jahrhunderten stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, ein Forschungs- und Restaurierungsprojekt gewidmet. In wenigen Wochen wird das Ergebnis vorgestellt.

Die „Madonna von San Sebastiano“ von Correggio (Antonio Allegri; Correggio, 1489 – 1534) stand im Mittelpunkt eines umfassenden Restaurierungs- und Forschungsprojekts in der Gemäldegalerie Dresden, wo das Gemälde aufbewahrt wird. Die Maßnahme widmete sich einem der bedeutendsten Gemälde der Sammlung des deutschen Museums und hatte nicht nur die Stabilisierung der empfindlichen Struktur des Werks zum Ziel, sondern auch die Untersuchung der Ursachen für dessen Beschädigungen sowie der von Correggio angewandten Maltechnik. Das Projekt fand vom 1. Juli 2022 bis zum 31. Dezember 2025 in den Räumlichkeiten des Zwingers, einem der Ausstellungsräume des Museums, in einer eigens eingerichteten und für die Öffentlichkeit zugänglichen temporären Restaurierungswerkstatt statt, und das Ergebnis wird der Öffentlichkeit bald im Rahmen einer Ausstellung präsentiert, die am 19. September beginnt.

Die Entscheidung, Maßnahmen an der „Madonna von San Sebastiano“ vorzunehmen, ergibt sich aus dem besonders empfindlichen Zustand, in dem sich das Gemälde bis heute befindet. Das Werk, das Correggio um 1524 für die Bruderschaft des Heiligen Sebastian in Modena schuf, ist auf Holz gemalt und weist eine charakteristische, sofort erkennbare Verformung der Oberfläche auf. Das Problem hängt mit der Holzstruktur des Gemäldes zusammen: Die vertikalen Bretter, aus denen der Träger besteht, haben sich verformt, was vor allem an den Verbindungsstellen zu Spannungen geführt hat. Die Folge war ein fortschreitendes Abheben der Farbschichten und der Verlust von Teilen der Malschicht genau entlang der Verbindungslinien der Bretter. Historische Quellen belegen zudem, dass das Gemälde bereits Schäden aufgewiesen hatte, als es sich noch im Besitz der Bruderschaft in Modena befand. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Zustand weiter verschlechtert, was wiederholte Reparatur- und Konsolidierungsmaßnahmen erforderlich machte. Die zu verschiedenen Zeiten durchgeführten Maßnahmen zielten darauf ab, den Malgrund und die Malschichten zu stabilisieren, führten jedoch nicht immer zu positiven Ergebnissen. Im Gegenteil: Einige Eingriffe, die im Laufe der langen Restaurierungsgeschichte des Werks vorgenommen wurden, trugen dazu bei, dessen Lesbarkeit weiter zu beeinträchtigen.

Correggio, Madonna von San Sebastiano (um 1524; Öl auf Holz, 265 x 161 cm; Dresden, Gemäldegalerie)
Correggio, Madonna von San Sebastiano (um 1524; Öl auf Holz, 265 x 161 cm; Dresden, Gemäldegalerie)

Das Problem betrifft nämlich nicht nur das Holz: Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Malfläche zahlreichen Eingriffen unterzogen, darunter das Anbringen von Stützsystemen auf der Rückseite der Holztafel, das Fixieren abgelöster Farbpartien, Spachtelarbeiten, Retuschen, Übermalungen und wiederholte Lackierungen. Diese Schichtungen haben das Erscheinungsbild des Werks letztlich erheblich verändert, sodass es schwieriger geworden ist, die ursprüngliche Qualität von Correggios Malerei wahrzunehmen. Das Dresdner Projekt entstand daher aus der Notwendigkeit heraus, sowohl die strukturellen Probleme des Gemäldes als auch die Probleme im Zusammenhang mit seiner Oberfläche gleichzeitig anzugehen.

Die Voruntersuchungen spielten eine entscheidende Rolle bei der Festlegung des Konservierungsprojekts. Vor Beginn der Restaurierung wurden verschiedene technische Untersuchungen durchgeführt, darunter Röntgenaufnahmen, UV-Fluoreszenzanalysen und Infrarot-Reflektografie. Diese Untersuchungen lieferten Erkenntnisse über die technische Struktur des Werks, die Zusammensetzung und die Eigenschaften der Malschichten sowie über den Erhaltungszustand sowohl der Oberfläche als auch des Holzträgers. Die Ergebnisse der Untersuchungen bildeten zusammen mit den weiteren verfügbaren Informationen zur Geschichte des Gemäldes die Grundlage für die Festlegung der Restaurierungsmaßnahmen.

Eine der heikelsten Phasen betraf die Vorderseite der Holztafel. Das Gemälde wies nämlich stark vergilbte und unregelmäßig aufgetragene Lackschichten sowie gealterte Spachtelstellen und Retuschen und Übermalungen auf, die im Laufe der Zeit Farbveränderungen erfahren hatten. Das Vorhandensein dieser Materialien verhinderte, dass die ästhetische Wirkung des Werks voll zur Geltung kam, und schränkte vor allem die Möglichkeit ein, den Farbreichtum des Originalgemäldes wahrzunehmen. Vor Beginn der Entfernung wurden an ausgewählten kleinen Bereichen der Oberfläche Löslichkeitstests durchgeführt, um die am besten geeignete Methode zur Beseitigung der überlagernden Schichten zu ermitteln, ohne die Originalschichten zu beeinträchtigen. Nachdem die geeignete Methode ermittelt worden war, gingen die Restauratoren schrittweise an die Reduzierung der Lacke und Übermalungen heran, wobei sie in feinen Schritten arbeiteten und die Reaktion der Oberfläche ständig überprüften.

Das Grundprinzip der Restaurierung bestand darin, mit größtmöglicher Präzision zu unterscheiden, was zum Originalgemälde von Correggio gehört und was in späteren Epochen hinzugefügt wurde. Es handelt sich nämlich nicht um eine einfache Reinigungsmaßnahme, sondern um einen Prozess, bei dem jede Schicht identifiziert, untersucht und bewertet werden muss, bevor sie gegebenenfalls entfernt wird.

Die Restaurierung der „Madonna von San Sebastiano“ von Correggio. Foto: Klemens Renner / Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Die Restaurierung der „Madonna von San Sebastiano“ von Correggio. Foto: Klemens Renner / Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Die Restaurierung der „Madonna von San Sebastiano“ von Correggio. Foto: Klemens Renner / Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Die Restaurierung der „Madonna von San Sebastiano“ von Correggio. Foto: Klemens Renner / Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Das angewandte Kriterium war daher besonders zurückhaltend: Eine Malschicht wird erst dann entfernt, wenn sie mit hinreichender Sicherheit als spätere Übermalung identifiziert werden kann. Das Ziel besteht nicht darin, die Geschichte des Werks auszulöschen, sondern seine ursprüngliche Lesbarkeit so weit wie möglich wiederherzustellen und gleichzeitig die langfristige Erhaltung des authentischen Materials von Correggio zu gewährleisten.

Die Sorgfalt der Maßnahme ergibt sich auch aus der Beschaffenheit der „Madonna von San Sebastiano“ selbst. Die Tafel misst 265 mal 161 Zentimeter – ein Format, das es den drei an dem Projekt beteiligten Restauratoren ermöglicht, gleichzeitig im Labor an dem Werk zu arbeiten. Die Arbeit verlief jedoch nicht nach einem starren Ablaufplan. Die Restauratoren haben die Arbeiten flexibel organisiert und sich dabei an den Erfordernissen der Forschung sowie an den Bedürfnissen orientiert, die im Laufe der verschiedenen Konservierungsphasen zutage traten. Die im Zwinger eingerichtete temporäre Werkstatt ermöglichte es zudem, die Restaurierung zueiner Gelegenheit des gemeinsamen Lernens zu machen. Aufgrund der Empfindlichkeit des Gemäldes war es nämlich nicht möglich, das Werk aus der Galerie zu entfernen. Aus diesem Grund wurde die Restaurierungsbaustelle direkt in den Ausstellungsräumen eingerichtet, wodurch eine Art temporäres Konservierungsatelier entstand, das für die Besucher einsehbar war. Auf diese Weise konnte das Publikum die Arbeit der Restauratoren direkt beobachten und die Veränderung der Oberfläche Schritt für Schritt mitverfolgen. Die Restauratoren arbeiteten hauptsächlich von Dienstag bis Freitag während der Öffnungszeiten des Museums. Die Werkstatt konnte während der gesamten Besuchszeiten von 10 bis 17 Uhr besichtigt werden; montags war geschlossen. Die Möglichkeit, bei der Arbeit dabei zu sein, verlieh dem Projekt eine weitere Dimension, die über den rein wissenschaftlichen und konservatorischen Aspekt hinausging, und machte Vorgänge sichtbar, die normalerweise fernab der Öffentlichkeit stattfinden.

Eines der Hauptziele des Projekts war die Wiederherstellung des farbenprächtigen Reichtums von Correggios Gemälde. Den während der Arbeiten durchgeführten Untersuchungen und Beobachtungen zufolge scheinen die Vielfalt und die Qualität der Originalfarben unter den späteren Schichten weitgehend erhalten geblieben zu sein. Die schrittweise Entfernung der vergilbten Lasuren, der Übermalungen und anderer im Laufe der Zeit hinzugefügter Materialien ermöglicht es somit, die ursprüngliche Farbgebung und die Details der Komposition wieder zum Vorschein zu bringen. Gerade diese Wiederherstellung der visuellen Qualität des Werks hat den Titel „Wiedergeburt“ für die Restaurierung inspiriert („Correggios Wiedergeburt“). Der italienische Begriff wurde gewählt, um die Möglichkeit zu beschreiben, dass die Madonna von San Sebastiano nach Jahrhunderten der Veränderungen und Eingriffe wieder in der Fülle ihrer Farben und Details wahrgenommen werden kann. Die Wiedergeburt ist jedoch nicht als künstliche Rückkehr zu einem idealen Zustand des Werks zu verstehen, sondern als Ergebnis eines wissenschaftlichen und konservatorischen Prozesses, der auf der Kenntnis des Originalmaterials und der – soweit möglich – Entfernung der Übermalungen basiert, die die Wahrnehmung des Werks beeinträchtigt haben.

Die Restaurierung der „Madonna von San Sebastiano“ von Correggio. Foto: Klemens Renner / Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Die Restaurierung der „Madonna von San Sebastiano“ von Correggio. Foto: Klemens Renner / Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Die Restaurierung der „Madonna von San Sebastiano“ von Correggio. Foto: Klemens Renner / Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Die Restaurierung der „Madonna von San Sebastiano“ von Correggio. Foto: Klemens Renner / Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Die Restaurierung der „Madonna von San Sebastiano“ von Correggio. Foto: Klemens Renner / Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Die Restaurierung der „Madonna von San Sebastiano“ von Correggio. Foto: Klemens Renner / Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Nach der Konsolidierung des Originalgemäldes sieht das Projekt auch die fachgerechte Schließung der vorhandenen Lücken und das Auftragen eines neuen Lackes vor. Auf diese Weise zielt die Restaurierung darauf ab, einen angemessenen Schutz der Oberfläche und eine bessere Lesbarkeit des Bildes zu gewährleisten, wobei die Originalteile erkennbar und die Ergänzungen unterscheidbar bleiben.

Die „Madonna von San Sebastiano“ nimmt zudem einen wichtigen Platz in der in Dresden aufbewahrten Correggio-Sammlung ein, und die Sammlung der Gemäldegalerie Dresden stellt einen besonders bedeutenden Bezugspunkt für die Erforschung seines Schaffens dar. Das Museum besitzt nämlich vier Altarbilder von Correggio und verfügt damit über die weltweit bedeutendste Sammlung von Altarbildern des Künstlers. Neben der „Madonna von San Sebastiano“ umfasst die Sammlung die „Nacht“, die auf die Jahre 1528–1530 datiert wird, die „Madonna von San Francesco“, die 1514–1515 entstand, sowie die „Madonna von San Giorgio“, die allgemein als das letzte Altarbild des Künstlers gilt und auf die Jahre 1529–1530 datiert wird.

In Dresden wird die „Madonna von San Sebastiano“ von Correggio restauriert
In Dresden wird die „Madonna von San Sebastiano“ von Correggio restauriert



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