Wichtiger archäologischer Fund in Serbien: Dreißig Jahre nach der Entdeckung eines außergewöhnlichen Goldschmuck-Grabbeigangs im Mausoleum von Šarkamen hat die römische Kaiserresidenz im Osten des Landes, nahe der Grenze zu Bulgarien, einen neuen, außergewöhnlichen archäologischen Fund hervorgebracht. Im südwestlichen Eckturm der befestigten Residenz, die dem römischen Tetrarchen Maximinus Daia gehörte, wurde ein kaiserliches „Balneum“ entdeckt, also ein privates Badezimmer, dessen Lage in der untersten Etage des Eckturms des Wohnkomplexes nach Angaben den serbischen Archäologen derzeit keine direkten Entsprechungen innerhalb der Grenzen des Römischen Reiches.
Die Entdeckung ist das Ergebnis der jüngsten archäologischen Kampagne an der Ausgrabungsstätte Vrelo-Šarkamen in der Nähe von Negotin, die vom Serbischen Archäologischen Institut in Zusammenarbeit mit dem Museum der Krajina und mit Unterstützung des Kulturministeriums der Republik Serbien durchgeführt wurde. Die Forschungen werden von Dr. Marija Jović, Wissenschaftlerin am Archäologischen Institut, und von Gordan Janjić, Museumsberater des Krajina-Museums, geleitet. Das Forschungsteam besteht neben den beiden Leitern der Untersuchungen aus Igor Bjelić, leitender Wissenschaftler und Architekt, Ljubomir Jevtović, Wissenschaftler, Borisav Marković, Vermessungsingenieur, sowie Konstantin Janjić, Architekturstudent. Gerade die gemeinsame Arbeit vor Ort, der Wissensaustausch und die unterschiedlichen beruflichen Perspektiven der Teammitglieder ermöglichen es, die komplexe Architektur von Šarkamen in all ihren Details zu beobachten und zu verstehen.
Die Stätte Vrelo-Šarkamen stellt einen der bedeutendsten spätantiken Komplexe in Ostserbien dar. Der monumentale, befestigte Wohnkomplex wurde zu Beginn des 4. Jahrhunderts errichtet und wird mit dem römischen Kaiser Maximinus Daia in Verbindung gebracht, einem der Herrscher der Tetrarchie. Einen herausragenden Platz in der Geschichte der Forschungen an dieser Stätte nimmt die Entdeckung des kaiserlichen Mausoleums mit seinem außergewöhnlichen Grabbeigaben aus Gold ein, das vor genau dreißig Jahren gefunden wurde. Neueste Untersuchungen zeigen nun, dass die architektonische Gestaltung der Residenz von Šarkamen noch komplexer und prächtiger war als bisher angenommen.
Das neu entdeckte Balneum befindet sich in der untersten Etage des monumentalen südwestlichen Eckturms des Palastes. Angepasst an die Innenkonfiguration des Turms weist der Baderaum einen kreisförmigen Grundriss auf – eine architektonische Lösung, die innerhalb des Wohnkomplexes von besonderem Interesse ist. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Struktur des Raumes selbst. Das Bad wurde von einer Kuppel überdacht, die sechs Fensteröffnungen aufwies – eine Lösung, die von einem hohen Maß an bautechnischem Wissen und bemerkenswertem Können seitens des Architekten und der Baumeister zeugt, da die Einfügung der Öffnungen in die Kuppelkonstruktion eine besonders anspruchsvolle architektonische und statische Herausforderung darstellte.
Die Forschungen ermöglichten zudem die Rekonstruktion der allgemeinen Aufteilung des Bades, das in einen für den Betrieb notwendigen technischen Bereich und in Räume für das Baden, die Erholung und die Freizeit unterteilt war. Im technischen Bereich befand sich das Praefurnium, also die Feuerstelle, die das Schlüsselelement des Heizsystems des Bades darstellte. Von besonderer Bedeutung ist das vollständig erhaltene Hypokaustsystem mit runden Säulen, durch die die warme Luft unter den Fußböden der Räume zirkulierte. Neben der Entdeckung des kaiserlichen Badehauses an sich stellt ein derart guter Erhaltungszustand des Hypokaust-Systems einen äußerst seltenen archäologischen Fund dar, der wertvolle Erkenntnisse über die Funktionsweise des Badehauses liefert.
Ein weiteres Detail von großem Interesse wurde in engem Zusammenhang mit dem Wasserheizsystem identifiziert: So wurde archäologisch der Sockel nachgewiesen, auf dem ein Kupferkessel stand, das Gefäß, das zum Erhitzen des für den Betrieb des Bades notwendigen Wassers diente. Der Kessel selbst ist nicht erhalten geblieben, was angesichts des Wertes von Kupfer als Rohstoff und seiner häufigen Wiederverwendung nach dem Abriss der Gebäude nicht überraschend ist. Genau aus diesem Grund sind die bis heute erhaltenen römischen Kupferkessel äußerst seltene Funde, und eines der bekanntesten erhaltenen Exemplare wurde in Pompeji entdeckt. In Šarkamen ermöglicht die erhaltene Verankerung jedoch eine zuverlässige Rekonstruktion der Position des Kessels und seiner Verbindung zum Heizsystem.
Das für die Instandhaltung des Bades und die Befeuerung des Praefurniums zuständige Personal gelangte von der Westseite her durch einen monumentalen Eingang in den technischen Teil des Turms, sodass der Wirtschaftsbereich von dem Teil des Balneums getrennt war, der von den Bewohnern der Residenz genutzt wurde. Der andere Teil des Bades war hingegen dem eigentlichen Baden, der Erholung und der Freizeit gewidmet: Bislang wurden drei Becken sowie ein Sudatorium identifiziert, ein Raum, der als Dampfbad diente. Zusammen mit dem vollständig erhaltenen Hypokaustsystem, dem Praefurnium und dem Kesselraum ermöglichen diese Funde eine äußerst detaillierte Rekonstruktion des technischen Systems und der Nutzungsweise des Bades.
Eine solche Gestaltung zeigt, dass es sich nicht um einen einfachen Raum für die Körperpflege handelte, sondern um ein mit großer Sorgfalt geplantes privates Bad für Nutzer mit hohem sozialen Status, die mit der Residenz verbunden waren , in dem architektonische Lösung, technische Infrastruktur und Komfort ein einzigartiges und vielschichtiges funktionales Ganzes bildeten.
Trotz des außergewöhnlich guten Erhaltungszustands wirft das Balneum von Šarkamen für die Forscher zahlreiche noch offene Fragen auf. Eine der wichtigsten betrifft die Art und Weise, wie man direkt vom Palast aus Zugang zum kaiserlichen Bad erhielt: Der Eingang an der Ostseite ist zwar mit dem gepflasterten Korridor der Residenz verbunden, doch wie der Höhenunterschied überwunden und der Zugang zum Balneum organisiert wurde, ist noch nicht geklärt. Offene Fragen bestehen zudem hinsichtlich des monumentalen westlichen Zugangs zum Turm und dessen Zusammenhang mit dem technischen Teil des Bades, während die genaue Funktion aller identifizierten Räume noch genau ermittelt werden muss.
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| Serbien: In einem römischen Turm wurde ein verstecktes Kaiserbad entdeckt |
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