Vom 19. September bis zum 8. November 2026 beherbergtdas ehemalige Kloster San Francesco inBagnacavallo in der Provinz Ravenna die Einzelausstellung „Non voltarti adesso“ von Chiara Calore, kuratiert von Milovan Farronato. Die Ausstellung wird von der Gemeinde Bagnacavallo gefördert und vom Museo Civico delle Cappuccine organisiert, unter der Schirmherrschaft der Region Emilia-Romagna und mit Unterstützung von Hera. Die Eröffnung ist für Samstag, den 19. September, um 18 Uhr vorgesehen, während der Pressetag am Donnerstag, den 24. September, um 11.30 Uhr stattfindet.
Der Titel greift die wörtliche Übersetzung des englischen Originals „Don’t Look Now“ auf, einem berühmten Film von Nicolas Roeg, der in Venedig spielt – der Stadt, in der Calore ihre Ausbildung absolvierte. Der filmische Bezug stellt jedoch keine direkte Hommage an den Film dar, sondern ist vielmehr der Ausgangspunkt, um einen bestimmten Wahrnehmungszustand hervorzurufen. Der Aufforderung, sich nicht umzudrehen, scheint man nämlich unmöglich nachkommen zu können: Entlang des Ausstellungsparcours wird der Besucher ständig dazu veranlasst, auf seinen Schritten zurückzugehen und nach dem zu suchen, was seinem Blick gerade entgangen ist.
Die Architektur des ehemaligen Klosters spielt somit eine Rolle bei der Gestaltung der Ausstellung. In den großen Korridoren des ersten Stockwerks begleitet eine Konstellation von Porträts das Publikum und präsentiert Gesichter, die zu beobachten, zu warten, zu rufen oder ihren Blick auf etwas zu richten scheinen, das außerhalb des Bildausschnitts bleibt. Die Gesichtsausdrücke, die zwischen Schrei und Stille, Weinen und Ekstase schweben, leiten eine narrative Spannung ein, die sich im weiteren Verlauf der Ausstellung entfalten wird.
Die Bilder kehren wie Rückblenden von einem Raum zum anderen zurück. Eine Geste taucht an anderer Stelle wieder auf, ein Blick findet sein Spiegelbild, ein Gesicht scheint ein anderes heraufzubeschwören. Durch Verweise, Spiegelungen und Variationen konstruiert Calores Malerei eine Erzählung, die einer Logik folgt, die eher auf Erinnerung als auf Chronologie und eher auf Intuitionen als auf linearer Erzählung basiert.
Das Verhalten des Blicks wird somit zu einem der zentralen Elemente des Projekts. Es ist der Blick des Besuchers, der die Werke miteinander verbindet und ihn dazu zwingt, bereits bekannte Ausdrucksformen wiederzuerkennen, Details zu verfolgen, die in anderen Räumen wieder auftauchen, und Beziehungen zwischen weit voneinander entfernten Bildern herzustellen. Das visuelle Gedächtnis fungiert so als Mittel, das den gesamten Rundgang zusammenhält.
In einigen Gemälden wirkt die Bildfläche rissig wie von der Zeit gezeichnetes Porzellan; in anderen gleitet die Farbe wie eine Träne über das Gesicht und verwandelt die Haut in eine zerbrechliche und instabile Landschaft. Die menschliche Figur wird so zum Ort, an dem Verletzlichkeit und Widerstandskraft, Präsenz und Verblassen nebeneinander bestehen können.
Während die Flure einen Schwellen- und Begegnungsraum darstellen, erweitern die Räume hingegen das Bildrepertoire um Chorszenen, Erscheinungen, schwebende Episoden und thematische Kerne. Jeder Raum entwickelt eine eigene Atmosphäre und fungiert als mögliche Gegenperspektive zu den Blicken, denen man in den Fluren begegnet. Auch der Katalog ist als ein speziell für diesen Anlass konzipiertes Verlagsprojekt gedacht. Fernab von der traditionellen Struktur gibt der Band den Rhythmus der Ausstellung und ihre unruhige Atmosphäre grafisch wieder und versteht sich eher als Erweiterung des Ausstellungserlebnisses denn als bloße Dokumentation.
„Non voltarti adesso“ bietet somit einen Rundgang durch das malerische Universum von Chiara Calore, in dem jedes Bild die Erinnerung an ein anderes zu bewahren scheint und jeder Blick auch dann noch präsent bleibt, wenn er bereits aus dem Blickfeld verschwunden ist.
Das ehemalige Kloster San Francesco in der Via Vittorio Veneto 1/a ist freitags, samstags und sonntags von 10 bis 12 Uhr und von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
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| Chiara Calore bringt nach Bagnacavallo eine Malerei, die auf der Erinnerung des Blicks basiert |
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