Im Centro Pecci in Prato: die weibliche Fotografie von Verita Monselles


Bis zum 30. August 2026 präsentiert das Centro Pecci in Prato eine Ausstellung, die Verita Monselles und ihrer Auseinandersetzung mit dem Körper, der Identität und der weiblichen Subjektivität gewidmet ist. Ihre Fotografie hinterfragt Stereotypen, kulturelle Vorbilder und traditionelle Darstellungen der Frau.

Bis zum 30. August 2026 zeigt das Centro Pecci in Prato „Verita Monselles. CARNALE“, eine Ausstellung, die der Fotografin Verita Monselles (Buenos Aires, 1929 – Florenz, 2004) gewidmet ist, kuratiert von Alessandra Acocella, Michele Bertolino und Monica Gallai, mit einem Ausstellungskonzept von Giuseppe Ricupero und Materialien ausdem Toskanischen Fotoarchiv. Das Projekt entstand aus der Zusammenarbeit zwischen dem Centro Pecci und der Stadt Prato und ist Teil eines umfassenderen Forschungsprojekts zu Monselles, das mit Unterstützung der Region Toskana durchgeführt wird. Die Ausstellung bietet zudem eine wichtige Gelegenheit, die Karriere einer Künstlerin näher zu beleuchten, deren Archiv dem von der Stadt Prato beherbergten Archivio Fotografico Toscano gestiftet wurde.

In der künstlerischen Praxis von Verita Monselles wird die Fotografie zu einem Instrument der Wiederaneignung weiblicher Identität und Subjektivität. Durch ihre Bilder hinterfragt die Künstlerin die von der vorherrschenden Kultur, den Medien und der Werbung konstruierten Darstellungen der Frau. Ihre Arbeit setzt sich mit Stereotypen rund um den weiblichen Körper auseinander und bedient sich dabei einer Sprache, die Ironie, Metapher und Provokation miteinander verbindet. Monselles greift Symbole der patriarchalischen und religiösen Tradition auf, verändert sie und kehrt ihre Bedeutung um, wodurch sie zum Anlass für eine Reflexion über die Situation der Frau wird.

Verita Monselles, Ohne Titel, o. J. (Anfang der 1980er Jahre; Dia, 6 × 6 cm). Mit freundlicher Genehmigung des Archivio Fotografico Toscano, Prato – Sammlung Verita Monselles
Verita Monselles, Ohne Titel, o. J. (Anfang der 1980er Jahre; Dia, 6 × 6 cm). Mit freundlicher Genehmigung des Archivio Fotografico Toscano, Prato – Fondo Verita Monselles

Ein wesentlicher Bestandteil ihrer künstlerischen Arbeit ist die Beziehung zu anderen Künstler*innen und zur Welt der Performance. Monselles hat häufig die Aktionen ihrer Kolleg*innen fotografiert oder diese direkt in ihre eigenen Projekte einbezogen. Ein bedeutendes Beispiel ist die Serie „Ecce Homo“, in der Tomaso Binga und Marion D’Amburgo zu Protagonisten der Bilder werden. Diese kollektive Dimension trägt dazu bei, in ihrem Werk ein Gefühl von Schwesternschaft, Auseinandersetzung und Spiegelung zu erzeugen – zentrale Elemente in der Reflexion der Künstlerin über die Darstellung der Frau. Monselles war zudem Fotografin der florentinischen Theatergruppe „Il Carrozzone“, aus der später „Magazzini Criminali“ hervorging. Die Verbindung zum Theater hinterließ deutliche Spuren in ihrer Art, Bilder zu gestalten, die oft durch eine starke szenografische und performative Komponente gekennzeichnet sind.

Monselles’ Fotografie bewegt sich zwischen verschiedenen Stilrichtungen. In einigen Arbeiten nimmt sie eine barocke Dimension an, die mit Theaterkulissen und auch mit ihren Erfahrungen in Neapel verbunden ist; in anderen wird sie poppiger, unmittelbarer und verführerischer. Zudem fehlt es nicht aneiner raffinierten und glamourösen Ästhetik, die der Sprache der Mode und der Werbung nahekommt, die die Künstlerin jedoch kritisch neu interpretiert. Monselles hat nämlich auch modebezogene Verlagsprojekte realisiert und nutzt dieses visuelle Universum, um die Rolle der Frau in der heutigen Gesellschaft zu hinterfragen.

Verita Monselles. CARNALE, Ausstellungsgestaltung im Centro Pecci in Prato. Fotos: Alessandro Saletta und Agnese Bedini, DSL Studio
Verita Monselles. CARNALE, Ausstellungsgestaltung im Centro Pecci in Prato. Fotos: Alessandro Saletta und Agnese Bedini, DSL Studio
Verita Monselles. CARNALE, Ausstellungsgestaltung im Centro Pecci in Prato. Fotos: Alessandro Saletta und Agnese Bedini, DSL Studio
Verita Monselles. CARNALE, Ausstellungsgestaltung im Centro Pecci in Prato. Foto: Alessandro Saletta und Agnese Bedini, DSL Studio
Verita Monselles. CARNALE, Ausstellungsgestaltung im Centro Pecci in Prato. Fotos: Alessandro Saletta und Agnese Bedini, DSL Studio
Verita Monselles. CARNALE, Ausstellungsgestaltung im Centro Pecci in Prato. Foto: Alessandro Saletta und Agnese Bedini, DSL Studio

Im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeit von Verita Monselles steht die Idee eines politischen und manifesten weiblichen Körpers. Die Frau ist nicht mehr nur das passive Objekt des Blicks anderer, sondern wird zur Protagonistin ihres eigenen Bildes und ihres eigenen Begehrens. Sinnlichkeit und Sexualität werden so einer ausschließlich äußerlichen Darstellung entzogen und zu Instrumenten der Selbstbestimmung verwandelt.

CARNALE will daher die Komplexität einer Arbeit widerspiegeln, die Fotografie, Performance, Theater, Mode und visuelle Kultur durchzieht, um die Aktualität einer Künstlerin aufzuzeigen, die es verstanden hat, durch Bilder die Art und Weise selbst in Frage zu stellen, wie der weibliche Körper betrachtet und dargestellt wird.

Im Centro Pecci in Prato: die weibliche Fotografie von Verita Monselles
Im Centro Pecci in Prato: die weibliche Fotografie von Verita Monselles



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