In Mestre zeigt das MUVEC – Casa delle Contemporaneità vom 26. September bis zum 14. Februar die Ausstellung „Klimt, Schiele, Kokoschka und der Körper in der zeitgenössischen Kunst“, die von drei Protagonisten der Wiener Secession ausgeht: Gustav Klimt ( Wien, 1862 – 1918), Egon Schiele (Tulln an der Donau, 1890 – Wien, 1918) und Oskar Kokoschka ( Pöchlarn, 1886 – Montreux, 1980), um schließlich eine der tiefgründigsten und komplexesten Fragen des 20. Jahrhunderts zu beleuchten: die Darstellung des Körpers und dessen Verhältnis zu individuellen und kollektiven Unruhen.
Das von Elisabetta Barisoni kuratierte Projekt, das im dritten Stock des MUVEC zu sehen ist, reiht sich in die Reihe der Ausstellungen ein, die den Meistern des 20. Jahrhunderts, ihrem Erbe und den Reflexionen gewidmet sind, die die Moderne nach wie vor hervorruft. Ausgangspunkt sind somit die symbolträchtigen Figuren der Wiener Secession, anhand derer die Ausstellung das Thema des Körpers nicht nur als Gegenstand künstlerischer Darstellung, sondern als Ort behandelt, an dem sich Spannungen, Konflikte und Wandlungen manifestieren. In den Werken von Klimt, Schiele und Kokoschka übernimmt der Körper nämlich eine Funktion, die über die bloße Wiedergabe des Bildes hinausgeht. Es ist ein Körper, der zerbricht, sich verzerrt und mit psychologischen und sozialen Spannungen aufgeladen ist. Die menschliche Figur wird so zu einem Raum, in dem sich die Unruhen des Individuums und der Gesellschaft konzentrieren, und erhält einen Wert, der nicht mehr ausschließlich ästhetischer oder figurativer Natur ist. Der Körper wird in dieser Perspektive zum Konfliktfeld.
Ausgehend von dieser zentralen Rolle des Körpers nimmt der im MUVEC vorgeschlagene Rundgang Gestalt an – ein Parcours, der sich nicht auf die Erfahrung der drei Meister der Wiener Secession beschränken will, sondern das Erbe dieser Epoche und die nachfolgenden Wandlungen der künstlerischen Sprache im Blick hat. Das 20. Jahrhundert wird somit als Vergleichsrahmen herangezogen, um zu verstehen, wie sich die Darstellung des Körpers gewandelt hat und wie die Künstler die menschliche Figur nach und nach dazu genutzt haben, individuelle und kollektive Fragen zu hinterfragen.
Der Rundgang führt auch durch die lyrische und metaphysische Wiedergabe des Bildes bei Felice Casorati und Guido Cadorin und erweitert damit die Reflexion über die Figur und die Möglichkeiten ihrer Darstellung. In diesem Abschnitt beginnt sich der Dialog mit der Gegenwart deutlicher herauszubilden, indem die verschiedenen Formen, durch die der Körper von den Künstlern betrachtet, interpretiert und transformiert wurde, miteinander in Beziehung gesetzt werden. Die Ausstellung setzt sich in der Tat in Richtung der Gegenwart fort, und zwar durch eine Reihe von Künstlern, die den Raum der Körper, aber auch deren Abwesenheit, die Zeit, die auf sie einwirkenden Handlungen und die Zeichen, die der Körper in sich trägt, in den Mittelpunkt ihrer Poetik gestellt haben. Die Perspektive erweitert sich somit vom dargestellten Körper hin zum gelebten, handelnden Körper, der der Erfahrung der Zeit und der Beziehung zum Raum unterworfen ist.
In diesem Parcours finden auch zeitlich näher stehende Künstler wie Piero Manzoni, Gina Pane und Ana Mendieta ihren Platz, also Künstler, die durch zutiefst unterschiedliche Forschungsansätze den Körper wieder in den Mittelpunkt des künstlerischen Diskurses gerückt haben. Ihre Arbeiten ermöglichen es, die mit Klimt, Schiele und Kokoschka begonnene Reflexion auf einige der Themen zu erweitern, die die zeitgenössische Kunst geprägt haben: Identität, Politik, Fragilität und Darstellung.
Der Körper wird also nicht nur als physische Präsenz betrachtet, die es darzustellen gilt, sondern als Element, durch das die Kunst umfassendere und komplexere Themen angehen kann. Seine Präsenz wie auch seine Abwesenheit wird zu einer Möglichkeit, den individuellen und kollektiven Zustand zu erforschen. Der Körper kann verzerrt, unter Spannung gesetzt, gezeichnet, in Beziehung zu Raum und Zeit gesetzt oder durch sein Fehlen heraufbeschworen werden. Gerade diese Vielfalt an Bedeutungen ermöglicht es der Ausstellung, künstlerische Erfahrungen aus unterschiedlichen Epochen und mit unterschiedlichen Sensibilitäten in einen Dialog zu bringen. Der erste Teil, der den Protagonisten der Wiener Secession gewidmet ist, bildet somit den Ausgangspunkt für eine umfassendere Reflexion über die Moderne. Klimt, Schiele und Kokoschka werden als Symbolfiguren einer Epoche präsentiert, in der die Darstellung des Körpers eine neue psychologische und soziale Intensität erhält: Ihre Werke bilden den Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit dem Erbe dieser Revolution des Blicks und mit der Art und Weise, wie Künstler nachfolgender Generationen das Verhältnis zum Körper thematisiert haben.
Die Ausstellung „Klimt, Schiele, Kokoschka und der Körper in der zeitgenössischen Kunst“ ist Teil des Herbstprogramms der Fondazione Musei Civici di Venezia und gehört zu den Projekten, die die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts mit zeitgenössischen Forschungen in Verbindung bringen sollen. Das für die Zeit nach dem Sommer geplante Programm vereint Vertiefungsveranstaltungen und neue Ausstellungsprojekte und bietet einen Veranstaltungskalender, der Bürger und Besucher bis Ende 2026 begleitet.
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| In Mestre eine Ausstellung über Klimt, Kokoschka, Schiele und den Körper in der zeitgenössischen Kunst |
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