Die aktuelle internationale Debatte über künstliche Intelligenz, das Management von Datenströmen und moderne Methoden der digitalen Steuerung findet in der neuen virtuellen Ausstellung mit dem Titel „Sepideh Takshi: After the Archive, the Body Speaks“ einen gemeinsamen Nenner. Die von Victor Murari kuratierte und von Thayani Costa digital umgesetzte Ausstellung präsentiert sich als ein online zugänglicher Rundgang über eine eigensdafür eingerichtete interaktive Plattform (hier zur Online-Ausstellung).
In diesem digitalen Raum sind die Videoarbeiten, dreidimensionalen Umgebungen, generativen Strukturen und algorithmischen Prozesse versammelt, die das jüngste Schaffen der iranischen Künstlerin Sepideh Takshi prägen. Ziel der Ausstellung ist es, die technologischen Infrastrukturen zu analysieren und sichtbar zu machen, die die heutige Gesellschaft regeln, mit besonderem Augenmerk auf Kriterien der automatischen Katalogisierung, Praktiken der technischen Zensur sowie die Art und Weise, wie Bilder und kollektive Erinnerungen im Zeitalter fortschrittlicher Rechensoftware verarbeitet werden.
Das Ausstellungsprojekt entwickelt sich als direkte kuratorische Fortsetzung einer früheren, von Murari selbst durchgeführten Forschungsarbeit mit dem Titel „Decolonial Atlas: Mapping Artists that Challenge Digital Colonialism“. Der theoretische Kern der Initiative liegt in der Notwendigkeit zu verstehen, wie die heutigen digitalen Geräte die rein repräsentative Funktion der Realität überwunden haben und sich in aktive Akteure verwandelt haben, die in der Lage sind, festzulegen, was die Voraussetzungen erfüllt, um gezeigt, validiert, archiviert oder im Gegenteil aus den Informationsströmen entfernt zu werden.
In der von Takshi dargelegten Sichtweise wird die Institution des Archivs selbst jeglichen Anspruch auf objektive Neutralität entzogen und auf die Dimension eines instabilen Territoriums reduziert, das Dynamiken des Widerstands, der Löschung und der ständigen Neukonfiguration unterliegt. Die Künstlerin bedient sich Werkzeugen wie künstlicher Intelligenz, erweiterter Realität, dreidimensionalen Scans, das Schreiben von Code und die Gestaltung virtueller Umgebungen, um die Asymmetrien und Verzerrungen technologischer Systeme hervorzuheben und aufzuzeigen, wie jede visuelle Struktur Dynamiken der Selektion und der Machtausübung mit sich bringt.
Ein zentrales methodisches Element im Schaffen der Künstlerin istder Einsatz des Glitches. Diese informatische Anomalie verliert ihre rein ästhetische oder dekorative Konnotation und erhält stattdessen eine präzise kritische Bedeutung und politische Tragweite. Der Rechenfehler des Algorithmus, die Zerlegung der Figur und die Unterbrechung der Funktionsweise des technischen Geräts werden zu wissenschaftlichen Mitteln, um die Schwachstellen moderner Erkennungssysteme und die Formen der erzwungenen Kodierung aufzudecken, die den Protokollen zur automatischen Katalogisierung von Subjekten innewohnen.
Der Aufbau der Ausstellung folgt drei unterschiedlichen konzeptionellen Strängen. Der erste Schwerpunkt konzentriert sich auf die Untersuchung umstrittener historischer Archive und auf die Prozesse der Verfälschung des dokumentarischen Gedächtnisses. Der zweite Abschnitt richtet die Untersuchung auf den menschlichen Körper, wenn dieser der Datenkatalogisierung und den Filtern der automatisierten Zensur unterzogen wird. Der dritte Bereich untersucht hingegen Methoden der alternativen und antagonistischen Nutzung künstlicher Intelligenz, die auf die Schaffung neuer Erzählformen und die kollektive Strukturierung der visuellen Vorstellungswelt außerhalb traditioneller kommerzieller Kanäle abzielen.
In diesen Rahmen fügt sich das spezifische Projekt „One Thousand and One Nights“ ein, eine interaktive Plattform, die die Struktur der traditionellen persischen Erzählkunst durch die Anwendung automatisierter generativer Modelle neu interpretiert. Das Publikum kann Text-Inputs und Emojis eingeben, die das Computersystem in Echtzeit verarbeitet, um Texte und visuelle Darstellungen zu erzeugen, die auf den Kanonen der persischen Miniaturmalerei basieren. Die Erzählung verwandelt sich so in ein wandelbares und sich ständig weiterentwickelndes dokumentarisches Archiv. Innerhalb dieses Mechanismus wird die historische und literarische Figur der Scheherazade als Referenzmodell für die Prozesse der Gedächtnisbewahrung und des kulturellen Widerstands innerhalb der von Algorithmen gesteuerten Kreisläufe herangezogen.
Das Werk von Sepideh Takshi ist Teil eines Forschungsfeldes, das die Unvoreingenommenheit digitaler Medien offen in Frage stellt. Technologische Geräte werden von der Künstlerin nicht als bloße Hilfsmittel eingesetzt, sondern sind selbst Gegenstand einer Analyse, die ihre Auswirkungen auf kultureller und politischer Ebene aufdeckt. In einer historischen Phase, die durch eine Überflutung mit visuellen Inhalten und die Entmaterialisierung physischer Speichermedien gekennzeichnet ist, erhält Takshis Methodik eine besondere Bedeutung, da sie den Fokus auf Unterbrechungen visueller Systeme, auf undokumentierte Segmente des Gedächtnisses und auf Elemente richtet, die von Software tendenziell ausgeschlossen oder auf vordefinierte Standards zurückgeführt werden. Die Ausstellung zielt darauf ab, technokratische Sichtweisen auszuschließen, und umreißt einen Rahmen, in dem Technologie ein Bereich ist, der von Löschungen und dokumentarischen Neudefinitionen geprägt ist.
![]() |
| Künstliche Intelligenz und digitaler Kolonialismus in der virtuellen Ausstellung von Sepideh Takshi |
Achtung: Die Übersetzung des italienischen Originalartikels ins Deutsche wurde mit Hilfe automatischer Tools erstellt. Wir verpflichten uns, alle Artikel zu überprüfen, aber wir garantieren nicht die völlige Abwesenheit von Ungenauigkeiten in der Übersetzung aufgrund des Programms. Sie können das Original finden, indem Sie auf die ITA-Schaltfläche klicken. Wenn Sie einen Fehler finden, kontaktieren Sie uns bitte.