Rom: In den Uccelliere Farnesiane findet eine Ausstellung über Sappho, die Dichterin des archaischen Griechenlands, statt


Vom 16. Oktober 2026 bis zum 31. Januar 2027 beherbergen die Uccelliere Farnesiane in Rom die Ausstellung „Saffo“, die der großen Dichterin aus Lesbos, der weiblichen Stimme der archaischen griechischen Literatur, gewidmet ist. Zwischen antiken Fundstücken, zeitgenössischer Kunst und Volkskultur erzählt sie von Sapphos Wandlung von einer historischen Figur zu einem Mythos und einer modernen Ikone.

In Rom werden die Farnesischen Vogelhäuser auf dem Palatin zum Schauplatz einer neuen Reise durch die Geschichte und die Vorstellungswelt der Antike – mit der Ausstellung „Sappho“, die vom 16. Oktober 2026 bis zum 31. Januar 2027 zu sehen ist. Sie wird vom Archäologischen Park des Kolosseums gefördert, von Electa organisiert und von Silvia Romani kuratiert. Das Projekt ist die zweite Station einer Ausstellungsreihe, die den modernsten und aktuellsten Frauenfiguren der Antike gewidmet ist. Die Ausstellung knüpft nämlich an die Überlegungen an, die mit der Ausstellung „Penelope“ begonnen haben, die vom 19. September 2024 bis zum 12. Januar 2025 in denselben Räumlichkeiten zu sehen war.

Die Sappho gewidmete Ausstellung konzentriert sich auf die Figur der Dichterin aus Lesbos und auf die außergewöhnliche Fähigkeit ihres Bildes und ihrer Dichtung, die Jahrhunderte zu überdauern und sich dabei ständig zu wandeln. Aufgeteilt in zwei sich ergänzende Teile, die jeweils der historischen und poetischen Sappho sowie der legendären und volkstümlichen Sappho gewidmet sind, stellt die Ausstellung einen kontinuierlichen Dialog zwischen Realität und Mythos, Antike und Moderne her, mit dem Ziel zu zeigen, wie die Figur der Dichterin in verschiedenen Epochen und kulturellen Kontexten interpretiert, neu erfunden und projiziert wurde.

Der erste Pavillon der Uccelliere Farnesiane ist der historischen und poetischen Sappho gewidmet, die anhand der materiellen Zeugnisse der Antike und durch die lange Popularität ihres Bildes rekonstruiert wird. Figurativ verzierte Vasen, Skulpturen, Gemälde und Handschriften ermöglichen es, die verschiedenen Darstellungen der Dichterin nachzuvollziehen und das Profil einer Frau zu zeichnen, die sich der Kraft der Poesie und ihrer Fähigkeit, die Zeit zu überwinden, voll und ganz bewusst war. Es ist kein Zufall, dass die Menschen der Antike Sappho als „zehnte Muse“ feierten und ihr eine außergewöhnliche Rolle in der poetischen Tradition zuschrieben.

Der Rundgang beschränkt sich jedoch nicht auf die Präsentation der Werke, sondern bietet ein stark sinnliches Erlebnis, das sich um zwei zentrale Bilder des poetischen und symbolischen Universums von Sappho dreht: den Sprung ins Wasser und den Mond. Der Sprung ins Wasser wird als extreme und ambivalente Geste dargestellt, die zwischen der Vorstellung vom Tod und der von der Unsterblichkeit schwebt. Das Bild wird sowohl visuell als auch akustisch heraufbeschworen und verwandelt sich so in ein Erlebnis, das den Besucher einbezieht und die Komplexität der Beziehung zwischen Körper, Sehnsucht, Verlust und Erinnerung verdeutlicht. Der Mond hingegen ist ein wiederkehrendes Motiv in den Gedichtfragmenten von Sappho und in ihrer späteren literarischen und künstlerischen Rezeption. In der Ausstellung wird er zu einem zugleich architektonischen und symbolischen Element, begleitet von musikalischen Anklängen, die dazu beitragen, eine kontemplative und nächtliche Atmosphäre zu schaffen und an die besondere Sensibilität der Dichtung Sapphos zu erinnern.

Im ersten Pavillon tritt das antike Material in einen Dialog mit der zeitgenössischen Kunst, die als Verbindungselement zwischen Vergangenheit und Gegenwart dient. Die zeitgenössischen Werke werden zu einer Art zeitlichem und konzeptuellem Bindeglied, das es ermöglicht, das Gewicht der mythologischen Tradition mit der Aktualität der Figur der Sappho in Beziehung zu setzen.

Der zweite Pavillon verlagert hingegen den Fokus von der historischen Sappho auf ihre Verwandlung in eine legendäre Figur. Hier werden die zahlreichen Fortbestehen und Metamorphosen des Bildes der Dichterin vom 19. Jahrhundert bis zur zeitgenössischen Populärkultur untersucht. Sappho wird nach und nach zur Ikone, Muse und Projektionsfigur und nimmt dabei unterschiedliche Formen innerhalb der Vorstellungswelten des Jugendstils und des Art déco, der viktorianischen Kultur und der nachfolgenden modernen Neuinterpretationen an. Der Rundgang zeigt somit, wie ihre Figur kontinuierlich neu geschrieben und an die Sensibilitäten verschiedener Epochen angepasst wurde. Auch die Gestaltung des zweiten Pavillons trägt zur Konstruktion dieser Vorstellungswelt bei. Der Raum nimmt nämlich die Gestalt eines künstlichen, innlichen Gartens an, bevölkert von Bildern und Fotografien, die an die Atmosphäre der Gärten des 19. Jahrhunderts und an die ersten modernen Darstellungen des Weiblichen erinnern.

Rotfiguriger Kelchkrater, der dem Tithon-Maler zugeschrieben wird, mit der Darstellung von Sappho, die anhand des auf dem Gefäß angegebenen Namens identifiziert wurde (480–470 v. Chr.). Mit freundlicher Genehmigung der Kunstsammlungen Antike der Ruhr-Universität Bochum, S 508. Foto: Michael Benecke
Rotfiguriger Kelchkrater, dem „Maler des Tithon“ zugeschrieben, mit der Darstellung von Sappho, identifiziert anhand des auf der Vase erscheinenden Namens (480–470 v. Chr.). Mit freundlicher Genehmigung der Kunstsammlungen Antike der Ruhr-Universität Bochum, S 508. Foto: Michael Benecke
Gustave Moreau, Der Tod der Sappho (1876; Öl auf Holz, 29 x 23,50 cm). Mit freundlicher Genehmigung des Musée d’art et d’histoire de Saint-Lô
Gustave Moreau, Der Tod der Sappho (1876; Öl auf Holz, 29 x 23,50 cm). Mit freundlicher Genehmigung des Musée d’art et d’histoire de Saint-Lô
Federico Faruffini, „Sappho“ (1865; Öl auf Leinwand, 222,3 x 145,7 cm; Privatsammlung)
Federico Faruffini, Sappho (1865; Öl auf Leinwand, 222,3 x 145,7 cm; Privatsammlung)
Burri ΣΑΠΦΩ [Sappho], Buch mit Gedichten in der Übersetzung von Emilio Villa und 10 Original-Lithografien von Alberto Burri, 1973–1982 (Privatsammlung)
Burri ΣΑΠΦΩ [Sappho], Buch mit von Emilio Villa übersetzten Gedichten und 10 Original-Lithografien von Alberto Burri, 1973–1982 (Privatsammlung)

Die Wahl der Farnese-Vogelhäuser ist kein Zufall. Der besondere Charakter dieser Räume, die zwischen historischer Architektur und Garten schweben, bietet einen idealen Rahmen, um von Sappho zu erzählen – nicht durch den Versuch, eine zwangsläufig fragmentarische und teilweise unerreichbare Biografie zu rekonstruieren, sondern durch eine sinnliche und fantasievolle Erfahrung.

Die Ausstellung bietet somit eine vielschichtige Lesart der Figur der Sappho: Einerseits tritt die archaische Dichterin zutage, die tief mit ihrer natürlichen Landschaft und der sinnlichen Dimension der Erfahrung verbunden ist, andererseits die mythische Figur, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neu interpretiert wurde. Hinzu kommt schließlich die moderne und zeitgenössische Sappho, die zu einer Ikone geworden ist, die verschiedene künstlerische und kulturelle Ausdrucksformen überbrückt und immer wieder neue Zielgruppen anspricht. Das Projekt zeigt somit, dass ihre Dichtung und ihr Bild nicht nur der Antike angehören, sondern weiterhin neue Interpretationen und Bedeutungen hervorbringen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch den von Electa herausgegebenen Katalog, der die in der Ausstellung vorgeschlagene, bisher unveröffentlichte Lesart aufgreift. Der Band wird die verschiedenen Schichten der Figur der Sappho nachzeichnen, von der archaischen Dichterin, die in ihre natürliche und sinnliche Landschaft eingebettet ist, über die immer wieder neu interpretierte mythische Figur bis hin zu ihrer Verwandlung in eine moderne und zeitgenössische Ikone.

Rom: In den Uccelliere Farnesiane findet eine Ausstellung über Sappho, die Dichterin des archaischen Griechenlands, statt
Rom: In den Uccelliere Farnesiane findet eine Ausstellung über Sappho, die Dichterin des archaischen Griechenlands, statt



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