Ein neues öffentliches Kunstwerk fürdie historische Abtei von Herkenrode in Belgien: Das neue Projekt „CLAUSURA“, das von Herita (National Trust for Flanders) für die historische Abtei von Herkenrode in Hasselt gefördert wird, wurde dem von Arnout Van Vaerenbergh und Pieterjan Gijs gegründeten Atelier Gijs Van Vaerenbergh in Auftrag gegeben. Das öffentliche Kunstprojekt, dessen Umsetzung für den Zeitraum zwischen 2026 und 2028 vorgesehen ist, entspringt dem Wunsch, dem verlorenen Herzen des alten Abteikomplexes durch eine zeitgenössische Formensprache wieder eine Präsenz zu verleihen. Das Werk zielt nicht darauf ab, das Zerstörte originalgetreu wiederherzustellen, sondern die Erinnerung an die verschwundene Architektur sichtbar zu machen, indem die Gebäude des Kreuzgangs wieder in ihrem ursprünglichen Maßstab und an ihrer ursprünglichen Position errichtet werden.
Herkenrode wurde Ende des 12. Jahrhunderts gegründet und entwickelte sich im Laufe des 13. Jahrhunderts zueiner Zisterzienserabtei, die sich rasch als einer der reichsten Klosterkomplexe der Niederlande etablierte. Das sowohl physische als auch spirituelle Herzstück der Abtei war der Kreuzgang, der aus einem organischen Ensemble von Gebäuden bestand. Im Zentrum des Komplexes befand sich die große gotische Kirche aus dem 16. Jahrhundert, flankiert vom Konvent, der Krankenstation, den Unterkünften der Nonnen und weiteren Wirtschaftsgebäuden. Die Räumlichkeiten waren um zwei große Klostergärten herum angeordnet, die von langen Galerien umschlossen waren, welche die räumliche und architektonische Einheit des Komplexes prägten. Im Laufe der Jahrhunderte war Herkenrode jedoch von zahlreichen Fällen des Verfalls und der Zerstörung betroffen. Ein besonders dramatischer Moment war der Brand der Kirche im Jahr 1826, auf den der schrittweise Abriss des gesamten historischen Kerns der alten Abtei folgte. Heute sind vom ursprünglichen Kloster nur noch die Kapelle, die Überreste der Nonnenunterkünfte und die ehemalige Krankenstation erhalten. Was einst das pulsierende Zentrum der Abtei bildete, erscheint heute als ein Ort, der von Abwesenheit und Leere geprägt ist.
Ausgehend von dieser Situation beauftragte Herita Gijs Van Vaerenbergh mit der Entwicklung einer neuen künstlerischen Vision für das verschwundene Herz von Herkenrode. Mit CLAUSURA greift das Büro am Standort durch eine Struktur aus schlanken Stahlstangen ein, die im Raum das Profil der Gebäude nachzeichnet, die einst zum Kreuzgang gehörten. Die Strukturen stellen die verlorenen Gebäude in ihren ursprünglichen Dimensionen und ihrer ursprünglichen Lage ideal wieder her, ohne jedoch zu einer historischen Rekonstruktion zu werden. Die neuen Volumen sind nämlich transparent und durchlässig, sodass sich ihre Silhouetten mit der umgebenden Landschaft überlagern. Die Wirkung ändert sich je nach Blickwinkel: Aus manchen Perspektiven scheinen die metallenen Linien fast zu verschwinden, während sie aus anderen deutlich und leicht erkennbar werden. CLAUSURA bewegt sich somit in einem Zwischenbereich zwischen Rekonstruktion und Abstraktion. Die verschwundenen Gebäude werden nicht materiell nachgebildet, sondern durch ein ausgeklügeltes System aus Linien und Proportionen heraufbeschworen. Einige architektonische Details tragen dazu bei, die verlorenen Formen sofort erkennbar zu machen: Fenster, Gewölbe und Türme werden durch die Metallstruktur angedeutet, auch wenn sich die Komposition an einigen Stellen auflöst und in einem Geflecht aus Linien zu verschwinden scheint. Das Projekt verwandelt somit die Abwesenheit in eine neue Präsenz und ermöglicht es den Besuchern, die Gestalt des historischen Komplexes durch eine zugleich räumliche und immaterielle Erfahrung wahrzunehmen.
Das Projekt betrifft auch die noch erhaltenen Ruinen der Unterkünfte der Ordensschwestern, der Krankenstation und des Säulengangs, die ursprünglich aus Ziegeln und Holz errichtet wurden. Diese historischen Elemente werden vor weiterem Verfall bewahrt und durch eine neue Stahlkonstruktion ergänzt. Das Ergebnis ist eine Komposition, in der historische Architektur und zeitgenössischer Eingriff nebeneinander bestehen, ohne sich zu vermischen. Die Metallkonstruktion greift zudem die Dachkonstruktion der bestehenden Gebäude auf, die in den Unterkünften der Nonnen noch teilweise erkennbar ist und in der Krankenstation teilweise verdeckt ist.
Mit „CLAUSURA“ verwandeln Herita und Gijs Van Vaerenbergh die durch die Zerstörung des alten Kreuzgangs entstandene Leere in eine Gelegenheit, über Erinnerung und die Schichtung des Kulturerbes nachzudenken. Das Werk versucht nicht, die Spuren des Verlusts zu tilgen, sondern macht sie durch eine zeitgenössische Geste lesbar. Die Abtei von Herkenrode wird so zu einem Ort, an dem Ruinen, Landschaft und zeitgenössische Kunst in einen Dialog treten, um der verschwundenen Architektur eine – wenn auch immaterielle – Form zurückzugeben.
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| In Belgien lässt die zeitgenössische Kunst die Erinnerung an die ehemalige Zisterzienserabtei von Herkenrode wieder aufleben |
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