Bei archäologischen Ausgrabungen am Lucone di Polpenazze (Brescia), einer der bedeutendsten Pfahlbausiedlungen Norditaliens, wurde eine neue, rätselhafte Tafel entdeckt. Der Fund, der bei der Ausgrabung der kohlehaltigen Schicht US 1015 unversehrt entdeckt wurde, ist für die archäologische Forschung von besonderem Interesse. Seit 2019 wurde am Lucone keine rätselhafte Tafel mehr gefunden. Es handelt sich zudem um das dritte Exemplar, das an der Fundstelle D entdeckt wurde, womit sich die Gesamtzahl der in der Lucone-Ebene gefundenen rätselhaften Tafeln auf einundzwanzig erhöht, was bestätigt, dass diese Fundstelle die mit Abstand größte Anzahl solcher Funde hervorgebracht hat.
Die sogenannten rätselhaften Tafeln sind besondere Artefakte, die in der Regel aus Ton gefertigt sind, aber auch aus Stein bekannt sind. Sie zeichnen sich durch eingravierte Linien sowie Prägungen oder Gravuren mit geometrischen Motiven unterschiedlicher Form aus.
Die Exemplare weisen unterschiedlich geformte Träger auf. Zu den häufigsten Formen gehören linsenförmige und rechteckige, die oft mit horizontalen Linien verziert sind, entlang derer zahlreiche geometrische Motive erscheinen, darunter Dreiecke, Kreise, Quadrate und Rechtecke, die manchmal durch verschiedene Farbfüllungen ergänzt werden. Die ältesten Exemplare scheinen hingegen vorwiegend durch eingeprägte Punkte gekennzeichnet zu sein.
Ihre Bedeutung ist bis heute unklar und stellt einen der faszinierendsten Aspekte dieser Funde ausder Bronzezeit dar. Im Laufe der Jahre haben Archäologen verschiedene Hypothesen zur Funktion der rätselhaften Tafeln aufgestellt. Sie wurden als mögliche Kalender, Rechenhilfen oder Formen der Vorläufer der Schrift interpretiert. Auch eine rituelle Funktion wurde nicht ausgeschlossen, bis hin zu der Hypothese, dass sie als eine Art heilige Amulette verwendet worden sein könnten. Eine der heute als besonders interessant angesehenen Interpretationen verbindet sie hingegen mit der Abwicklung des Handels und geht von einer Funktion aus, die in gewisser Hinsicht mit modernen Begleitscheinen vergleichbar ist, die zur Identifizierung bestimmter Waren (möglicherweise Metall) verwendet werden.
Der Lucone von Polpenazze hält einen besonders bedeutenden Rekord: Er ist nämlich die Fundstätte, aus der die größte Anzahl der bekannten rätselhaften Tafeln stammt. Diese Konzentration ist für Wissenschaftler von großem Interesse, vor allem weil der Lucone ein antikes Pfahlbaudorf war, das vor über 4.000 Jahren entstand. Das Vorkommen einer so großen Anzahl dieser Artefakte könnte neue Erkenntnisse über die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Beziehungen der Gemeinschaft liefern, die diese Siedlung bewohnte.
Die rätselhaften Tafeln kommen nicht ausschließlich in Norditalien vor. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst vielmehr ein weitaus größeres geografisches Gebiet, das sich bis nach Mitteleuropa erstreckt. Funde dieser Art wurden auch in der Schweiz, in Deutschland und im Donau-Karpaten-Becken entdeckt und belegen möglicherweise den Fernhandel in der Antike.
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| Am Lucone di Polpenazze wurde eine rätselhafte Tafel entdeckt. Der Fund stammt aus der Bronzezeit. |
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