New York bereitet sich darauf vor, eines der bedeutendsten Ereignisse in der jüngeren Geschichte des Marktes für japanische Holzschnitte zu veranstalten. Christie’s hat angekündigt, dass am 15. September 2026 in der Niederlassung im Rockefeller Center die Auktion „Hiroshige: Colors of the Four Seasons, the Alan Medaugh Collection“ stattfinden wird – die erste einer Reihe von drei Auktionen, die einer Sammlung gewidmet sind, die als eine der umfangreichsten und bedeutendsten gilt, die jemals mit Werken von Utagawa Hiroshige ( Edo, 1797 – 1858), dem großen japanischen Meister des Holzschnitts, gewidmet ist. Die Werke werden vom 11. bis 14. September, also unmittelbar vor der Auktion, für die Öffentlichkeit zu sehen sein.
Die Sammlung, die auf den Markt gebracht wird, trägt den Namen von Alan Medaugh, einem US-amerikanischen Unternehmer, der im Laufe von etwa fünfzig Jahren Blatt für Blatt einen Bestand aufgebaut hat, der heute über 600 Drucke umfasst. Es handelt sich nicht nur um eine zahlenmäßig beeindruckende Sammlung: Die Besonderheit dieser Sammlung liegt vor allem in der Qualität der Werke, aus denen sie besteht. Viele davon zeichnen sich durch absolute Seltenheit, einen außergewöhnlichen Erhaltungszustand und insbesondere dadurch aus, dass es sich um einige der ältesten Abzüge handelt, die von der jeweiligen Druckplatte angefertigt wurden – jene, bei denen die Farben am lebhaftesten und leuchtendsten sind. Für die erste der drei geplanten Auktionen hat Christie’s mehr als 180 Drucke ausgewählt, eine Auswahl, die den gesamten Werdegang des Künstlers nachzeichnet und nach Angaben des Auktionshauses die außergewöhnliche Bandbreite seines kreativen Schaffens widerspiegelt.
Schon zu Lebzeiten galt Hiroshige als einer der größten Kupferstecher, die Japan je hervorgebracht hat, als absoluter Meister derUkiyo-e-Technik – des mehrfarbigen Drucks auf Holzplatten, der jahrhundertelang eine der originellsten und wiedererkennbarsten künstlerischen Ausdrucksformen der japanischen Kultur darstellte. Der Ruhm des Künstlers gründete sich vor allem auf drei charakteristische Merkmale seines Schaffens: seine kompositorische Begabung, die Wahl ungewöhnlicher und unkonventioneller Blickwinkel und vor allem einen reichhaltigen und kraftvollen Einsatz von Farbe, der seinen Bildern eine Ausdruckskraft verlieh, die in der japanischen Radierung jener Zeit beispiellos war.
Seine Holzschnitte trugen entscheidend dazu bei, eine der fruchtbarsten Epochen in der Geschichte der japanischen Holzschnittkunst einzuleiten, doch ihr Einfluss beschränkte sich nicht auf die Grenzen Japans: Sie prägten letztendlich auch die westliche Kunst tiefgreifend. Hiroshiges Werke, insbesondere seine berühmteste Serie „Hundert berühmte Ansichten von Edo“, übten einen grundlegenden Einfluss auf die europäische Malerei des 19. Jahrhunderts aus und hinterließen erkennbare Spuren im Werk impressionistischer Künstler wie Claude Monet und James Abbott McNeill Whistler, die kompositorische und farbliche Anregungen aufnahmen und diese in ihre eigene Bildsprache übertrugen. Ein eigenes Kapitel verdient die Beziehung zwischen Hiroshige und Vincent van Gogh, der sich nicht darauf beschränkte, sich von seinen Drucken inspirieren zu lassen, sondern sogar detaillierte Kopien anfertigte – Gemälde, die die Kompositionen des japanischen Meisters originalgetreu wiedergaben. Einige dieser Kopien werden heute im Van-Gogh-Museum in Amsterdam aufbewahrt und ausgestellt – ein konkretes und bleibendes Zeugnis dafür, wie sehr Hiroshiges Lehrwerk von einem der bedeutendsten Vertreter der modernen westlichen Malerei aufgenommen und neu interpretiert wurde.
Was die Medaugh-Sammlung zu einem besonders bedeutenden Beispiel im Bereich des Sammlerwesens für japanische Kunst macht, ist vor allem ihre außergewöhnliche Vollständigkeit. In dem von Medaugh zusammengetragenen Kernbestand finden sich nämlich nicht nur die berühmtesten und weltweit anerkannten Bilder aus Hiroshiges Schaffen – jene, die zu Ikonen der japanischen Bildkultur und ganz allgemein der Kunstgeschichte geworden sind –, sondern auch frühe und weniger bekannte Werke, die in den ersten Phasen seines künstlerischen Schaffens entstanden sind. Gerade diese Koexistenz von etablierten Meisterwerken und selteneren, weniger bekannten Zeugnissen ermöglicht es der Sammlung, in ihrer Gesamtheit den vollständigen Werdegang von Hiroshiges künstlerischem Schaffen nachzuzeichnen – von den Anfängen bis zur vollen Reife – und dies zudem anhand von Exemplaren, die sich in einem besonders gut erhaltenen Zustand befinden.
Um den Wert einer solchen Sammlung zu verstehen, muss man eine wesentliche Eigenschaft japanischer Holzschnitte berücksichtigen, nämlich die Tatsache, dass es sich per Definition um Serienwerke, also um Mehrfachabzüge, handelt. Genau aus diesem Grund konzentrieren Sammler in diesem Bereich ihre Aufmerksamkeit auf die Suche nach den besten auf dem Markt verfügbaren Exemplaren, jenen, die die ursprüngliche Absicht des Künstlers und des Holzschnitzers am besten wiedergeben. Dieses Anliegen gewinnt noch mehr an Bedeutung, wenn man bedenkt, dass sich die zur Herstellung der Drucke verwendeten Holzschnitte schnell abnutzen, je mehr sie auf Papier gedruckt werden – Auflage für Auflage. Aus diesem Grund messen Sammler den ältesten Abzügen, die in den ersten Auflagen von einer bestimmten Druckform stammen, einen besonders hohen Wert bei: Es handelt sich um Exemplare, die schärfere und klarere Konturen aufweisen und in einigen Fällen kompositorische Details bewahren, die in den nachfolgenden Auflagen nach und nach verloren gehen, je mehr sich das Holz der Druckplatte abnutzt und abträgt.
Neben dem Alter des Drucks ist ein weiterer entscheidender Faktor bei der Bewertung eines japanischen Drucks sein Erhaltungszustand. Insbesondere Sonnenlicht ist einer der aggressivsten Einflüsse auf diese Art von Werken auf Papier: Eine längere Lichteinwirkung führt nämlich zu einem fortschreitenden Verblassen der Farben und beeinträchtigt unwiderruflich die Farbbrillanz, die die besten Drucke auszeichnet. Beim Aufbau seiner Sammlung widmete Alan Medaugh gerade diesen beiden Parametern außergewöhnliche Aufmerksamkeit. Er suchte systematisch nach den ältesten und detailreichsten verfügbaren Drucken und bevorzugte stets Exemplare in optimalem Erhaltungszustand, die auch heute noch den ursprünglichen, vom Künstler beabsichtigten Farbreichtum wiedergeben können. Ein besonders bedeutendes Beispiel für diese Sammelstrategie ist die berühmte Serie „Hundert berühmte Ansichten von Edo“, von der es eine Luxusausgabe gab, die in den ersten Druckphasen der Serie hergestellt wurde und sich durch eine höhere Anzahl von Farbdurchgängen im Vergleich zu den gewöhnlichen Auflagen auszeichnete. Medaugh richtete einen Großteil seiner Sammeltätigkeit gerade auf die Beschaffung von Exemplaren aus dieser Luxusausgabe aus, die seltener und aus farblicher Sicht wertvoller ist als die Standardversionen derselben Serie.
Zu den Highlight-Losen der Auktion am 15. September gehört „Ohashi Atake no yudachi“, „Die Ohashi-Brücke unter einem plötzlichen Regenguss in Atake“ – ein Werk, das laut Christie’s perfekt verkörpert, was die Medaugh-Sammlung so besonders macht. Das Bild, das von den schrägen Linien des Regens durchzogen ist, der über die gesamte Komposition fällt, gehört zu den repräsentativsten Werken Hiroshiges. Das zum Verkauf stehende Exemplar befindet sich in nahezu perfektem Erhaltungszustand, die Farben sind noch intakt und keineswegs verblasst. Zudem handelt es sich um einen frühen Abzug, wie das noch sichtbare Vorhandensein der beiden Boote am gegenüberliegenden Flussufer belegt: ein Detail, das in späteren Auflagen nach und nach verschwindet, je mehr sich die Holzplatte durch den Gebrauch abnutzt.
Ein weiteres herausragendes Los dieser Auktion ist „Kameido ume yashiki“, das „Pflaumenanwesen in Kameido“, ebenfalls ein früher Druck, der farblich besonders reichhaltig ist und aus eben jener Deluxe-Ausgabe der zuvor erwähnten Serie der Edo-Ansichten stammt. Zu den weiteren Blättern, die sich durch ihren seltenen Erhaltungszustand auszeichnen, gehören außerdem „Awa“, „Naruto no fuha“, also „Wind und Wellen in Naruto“, in der Provinz Awa, sowie „Wildgänse im Flug vor dem Vollmond“; beide sind bedeutende Zeugnisse der thematischen Vielfalt und der technischen Qualität, die die gesamte Medaugh-Sammlung auszeichnen.
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| Eine der außergewöhnlichsten Sammlungen von Hiroshige-Drucken wird bei Christie’s versteigert |
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