Anlässlichdes Jahres des Heiligen Franziskus, das Papst Leo XIV. zum 800. Todestag des Heiligen von Assisi ausgerufen hat, kündigen die Erzdiözese Siena – Colle Val d’Elsa – Montalcino und die„Opera della Metropolitana di Siena“ eine neue, außergewöhnliche Freilegungdes Bodenmosaiks des Doms an, das vom 27. Juni bis zum 31. Juli und anschließend vom 18. August bis zum 15. November zu sehen sein wird und den Besuchern die seltene Gelegenheit bietet, einen der außergewöhnlichsten Bildzyklen der europäischen Kunstgeschichte zu bewundern. Die Ausgabe 2026 trägt den Titel „Il Sommo Bene“ ( Das höchste Gut), ein Ausdruck, der aus dem Gebet stammt, das der heilige Franziskus verfasste, nachdem er auf dem Monte La Verna die Stigmata empfangen hatte. Die Worte des Heiligen verweisen auf das Thema der göttlichen Weisheit als Ursprung allen Wissens und aller Wahrheit – ein Konzept, das eine tiefe Entsprechung im ikonografischen Programm des sienesischen Bodenmosaiks findet, das als symbolischer Weg zum Verständnis des Göttlichen konzipiert ist. Die bis Mitte November verlängerte Öffnungszeit stellt zudem eine bedeutende Neuerung für den Schulbereich dar. Zum ersten Mal können nämlich Schulen aller Schulstufen und -arten im Herbst pädagogische Besichtigungen planen, wodurch die Schüler ein Werk aus nächster Nähe betrachten können, das normalerweise aus konservatorischen Gründen abgedeckt ist. Diese Erfahrung ermöglicht es zudem, den gesamten Denkmalkomplex der Kathedrale zu entdecken, der Meisterwerke von Künstlern wie Nicola und Giovanni Pisano, Donatello, Michelangelo und Bernini beherbergt.
Zu den Initiativen im Rahmen des Jahres des Heiligen Franziskus gehört auch das Projekt „San Francesco“, das vom Staatlichen Konservatorium „Rinaldo Franci“ in Siena mit Unterstützung des Ministeriums für Universität und Forschung gefördert wird. Vom 2. bis 8. November finden Konzerte, Begegnungen und Bildungsangebote statt, die der Figur des Heiligen und seiner spirituellen Botschaft gewidmet sind. Die Organisatoren haben zudem die Ausschreibung eines internationalen Wettbewerbs für zeitgenössische Kunst angekündigt, der in den kommenden Monaten in Zusammenarbeit mit dem Palazzo delle Papesse entwickelt wird. Das Projekt richtet sich an Künstler aus aller Welt und umfasst verschiedene Ausdrucksformen, von der Malerei über die Fotografie und Installationen bis hin zu Performances und neuen Formen des digitalen Ausdrucks. Das für die erste Ausgabe festgelegte Thema lautet „Der Boden des Doms von Siena – Weltwunder“ und lädt die Künstler dazu ein, sich mit dem historischen, künstlerischen und spirituellen Erbe der Stadt auseinanderzusetzen.
Der Boden des Doms gilt als einer der absoluten Höhepunkte der italienischen Kunst und ist das Ergebnis eines langen kreativen Prozesses, der sich über etwa sechs Jahrhunderte erstreckte. Der Zyklus wurde mit den Techniken des Marmorintarsienlegens und der Graffito-Technik geschaffen und umfasst 56 Intarsien, die von über vierzig Künstlern entworfen wurden, darunter Pinturicchio und Domenico Beccafumi. Die Darstellungen erzählen von einem komplexen Weg der spirituellen Erhebung, der klassische Kultur, biblische Tradition und philosophische Reflexion miteinander verwebt und den Besucher zum Thema der Weisheit und der Offenbarung führt. Zu den bedeutendsten Darstellungen zählt diejenige, die Kratetes von Theben gewidmet ist, jenem Philosophen, der der Überlieferung zufolge auf seinen materiellen Besitz verzichtete, um sein Leben der Suche nach der Wahrheit zu widmen. Im ikonografischen Programm des Bodenmosaiks wird seine Gestalt zum Symbol für die Loslösung von irdischen Reichtümern und das Streben nach dem „Hügel der Weisheit“ – ein Konzept, das eine offensichtliche Parallele zur Entscheidung des heiligen Franziskus für radikale Armut aufweist. Der Besuch lässt sich durch verschiedene Rundgänge bereichern, die nicht nur den freigelegten Boden, sondern den gesamten Denkmalkomplex aus Dom und Palazzo delle Papesse umfassen, einem historischen Gebäude, das mit der Figur von Papst Pius II. verbunden ist und heute ein wichtiger Kulturort der Stadt ist. Zudem werden Führungen und vertiefende Veranstaltungen angeboten, die von Fachleuten in mehreren Sprachen geleitet werden.
Zu den exklusivsten Erlebnissen zählt „Il clavigero del Duomo – Per primi in Cattedrale“, ein Rundgang, der den Zugang zu den monumentalen Räumen bei den ersten Strahlen der Morgendämmerung ermöglicht. Die Teilnehmer können der täglichen Öffnung der Kathedrale beiwohnen und dabei die Arbeit des Schlüsselwärters zwischen dem Dom, der Piccolomini-Bibliothek und dem erhöhten Rundgang der „Porta del Cielo“ verfolgen – in einer Atmosphäre, die durch das natürliche Morgenlicht noch eindrucksvoller wird. Für diejenigen, die ihr Wissen über das sienesische Meisterwerk vertiefen möchten, steht auch das Buch „Un libro di marmo“ zur Verfügung, verfasst von Marilena Caciorgna und vom Verlag Sillabe in italienischer und englischer Ausgabe veröffentlicht. Darin werden nicht nur die historischender Intarsien beleuchtet, sondern auch deren symbolische und spirituelle Bedeutung, wobei der Bodenbelag als wahrer Weg des Glaubens und der Erkenntnis interpretiert wird.
Infos und Reservierungen:
https://operaduomo.siena.it/
E-Mail: booking@operalaboratori.com
Telefon: +39 0577 286300
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| Der Boden des Doms von Siena wird wieder freigelegt: eine Reise durch Kunst, Glauben und Weisheit im Jahr des Heiligen Franziskus |
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