Ein Kalligram von Ignazio Muligino wurde wiedergefunden. Es wird im Museo Galileo in Florenz ausgestellt.


Ein wertvolles Kalligram von Ignazio Muligino, einem Kalligraphen, der Ende des 17. Jahrhunderts in Frankreich und Italien tätig war, wurde wiederentdeckt. Es nutzt die Eigenschaften des Mikroskops, um einen Text zu entziffern, der mit bloßem Auge fast unlesbar ist. Es zeigt Papst Innozenz XI. und wird im Museo Galileo in Florenz ausgestellt.

Ein wertvolles, kürzlich wiederentdecktes Kalligram wird die Ausstellung „Mirabilia Graphica“ bereichern. Die Ausstellung „Die mikrografischen Kalligramme von Ignazio Muligino“, die bis zum 18. Oktober 2026 im Museo Galileo in Florenz zu sehen ist, unter der Leitung von Filippo Camerota, sind einem Kalligram von Francesco Ignazio Muligino gewidmet, einem Kalligraphen, der Ende des 17. Jahrhunderts in Frankreich und Italien tätig war und die Eigenschaften des Mikroskops nutzte, um das Lesen eines mit bloßem Auge fast unsichtbaren und unlesbaren Textes zu ermöglichen.

Ab Mittwoch, dem 9. September, können die Besucher der Ausstellung ein Werk bewundern, das kürzlich entdeckt und dem grafischen Werk von Ignazio Muligino zugeordnet wurde. Es stammt aus einer Privatsammlung, zeigt Papst Innozenz XI., mit bürgerlichem Namen Benedetto Odescalchi, und bietet ein außergewöhnliches Zeugnis der vom Künstler im 17. Jahrhundert entwickelten Technik. Das 1699 entstandene Kalligramm vereint zeichnerisches Können, Mikroschrift und optische Technologie und vermittelt durch das Porträt des Papstes eine Art visuelle Biografie. Im Mittelpunkt der Erzählung steht zudem ein historisches Ereignis, das die europäische Geschichte prägen sollte: die Niederlage der osmanischen Streitkräfte vor den Toren Wiens im Jahr 1683.

Das Werk ist mit Bleistift, Tinte und Goldstaub auf Pergament ausgeführt und befindet sich in einem raffinierten Ädikula-Rahmen aus Holz und Halbedelsteinen. Was das Werk besonders bemerkenswert macht, ist die so winzige Schrift, dass sie mit bloßem Auge nicht zu erkennen ist. Die Wörter, die nur mit Hilfe eines Mikroskops lesbar sind, bilden das Porträt und erzählen zugleich von den Heldentaten Benedetto Odescalchis, wobei sie dessen Rolle beim christlichen Sieg über das Osmanische Reich hervorheben. Das Kalligram ist signiert und auf den 13. November 1699 datiert – ein Umstand, der zur Rekonstruktion des Schaffens eines bisher völlig unbekannten Autors beiträgt.

Das Kalligram von Ignazio Muligino, das Papst Innozenz XI. darstellt
Das Kalligram von Ignazio Muligino, das Papst Innozenz XI. darstellt

Auch die Darstellung des Papstes weist eine Besonderheit auf. Muligino greift nämlich nicht auf das übliche Bild von Innozenz XI. mit Mozzetta und Camauro zurück, sondern stellt ihn mit der Dreifachkrone und dem päpstlichen Mantel dar und wählt damit eine ungewöhnliche ikonografische Lösung.

Die Identifizierung des Kalligramms ist ein weiterer Anhaltspunkt, um die Figur von Ignazio Muligino näher zu beleuchten und sein künstlerisches Schaffen zu rekonstruieren. Der Künstler, über den bis heute keine Biografie bekannt ist, zeichnet sich durch eine Technik von außergewöhnlicher Komplexität aus, die die Schrift in ein Mittel zur Bildgestaltung verwandelt.

Die Aufnahme des Werks in den Ausstellungsparcours von „Mirabilia Graphica“ erweitert somit die Erzählung der Ausstellung und ermöglicht es, eines der erstaunlichsten Beispiele dieser besonderen Form der grafischen Kunst aus nächster Nähe zu betrachten. Die mit Unterstützung der Fondazione CR Firenze realisierte Ausstellung untersucht die einzigartige Verflechtung von bildender Kunst, kalligraphischer Virtuosität und wissenschaftlicher Innovation im barocken Europa. Das originellste Merkmal von Muliginos Schaffen ist der Einsatz des Mikroskops als Werkzeug im Dienste des künstlerischen Schaffens. Seine Werke verwandeln die Mikroschrift nämlich in ein kompositorisches Element, das Bilder erzeugt, die nur durch vergrößerte Betrachtung erkennbar sind. Nach heutigem Wissensstand stellen die von Muligino geschaffenen Kalligramme die einzigen bekannten Beispiele für diese spezifische künstlerische Anwendung des Mikroskops dar.

Seine Forschung reiht sich somit in die umfassendere Kultur des Staunens ein, die das 17. Jahrhundert prägt, als Wissenschaft, Technik, Kunst und Neugierde im Experimentieren mit neuen Formen der Beobachtung und Darstellung aufeinandertrafen. Es ist kein Zufall, dass der Titel der Ausstellung an die „Mirabilia Graphica“ erinnert, einen Begriff, den der Jesuit Gaspard Schott im 17. Jahrhundert verwendete, um jene genialen Formen der Schrift und der visuellen Darstellung zu bezeichnen, die technisches Können und Staunen miteinander verbanden.

Ein Kalligram von Ignazio Muligino wurde wiedergefunden. Es wird im Museo Galileo in Florenz ausgestellt.
Ein Kalligram von Ignazio Muligino wurde wiedergefunden. Es wird im Museo Galileo in Florenz ausgestellt.



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