Im September werden die archäologischen Ausgrabungen in San Pietro Mandurino im Gebiet von Manduria (Taranto) wieder aufgenommen – einer Stätte von großem historischem, archäologischem und religiösem Interesse, die Teil des größeren Areals des Parco delle Mura di Manduria ist. Der Komplex bewahrt eine außergewöhnliche Schichtfolge von Zeugnissen, die verschiedene Epochen umfassen und von der tiefen Verbundenheit zwischen diesem Ort und der Gemeinde Manduria zeugen. Die Stätte umfasst die obere kleine Kirche, die auf das 10. bis 12. Jahrhundert n. Chr. datiert wird und 1724 nach einer langen Zeit der Vernachlässigung wieder aufgebaut wurde, sowie die unterirdische Kirche, die auf das 7. bis 8. Jahrhundert n. Chr. zurückgeht. Letztere ist über eine eindrucksvolle Treppe erreichbar, die ursprünglich den Dromos eines messapischen Kammergrabes aus hellenistischer Zeit bildete. Die Grabstätte wurde später wiederverwendet und in die frühchristliche Krypta integriert. Darüber befindet sich zudem eine frühmittelalterliche Grabstätte.
Die Konzentration historischer, archäologischer, religiöser, ritueller und anthropologischer Elemente macht San Pietro Mandurino zu einem besonders vielschichtigen Ort, an dem verschiedene Zeugnisse noch darauf warten, interpretiert und in ein einheitliches historisches Gesamtbild eingeordnet zu werden. Ziel der neuen Forschungen ist es auch, das Beziehungsgeflecht zu rekonstruieren, das einst die ländliche Gemeinschaft des antiken Casale Mandurino mit dem umliegenden Gebiet verband, und so einer Geschichte neue Lebendigkeit zu verleihen, die heute aufgrund der langen Isolation des Denkmals kaum noch lesbar ist.
Der Archäologe Cosimo D’Angela durchbrach erstmals die jahrhundertelange Vergessenheit, die die Stätte umgab. Zusammen mit dem Institut für Klassische und Christliche Studien der Universität Bari leitete er 1972 die erste und bislang einzige systematische Ausgrabungskampagne in San Pietro Mandurino durchführte. Diese bahnbrechenden Forschungen ermöglichten es, wertvolle Informationen zu gewinnen, warfen aber gleichzeitig zahlreiche Fragen auf, die bis heute unbeantwortet sind. Genau auf diese ungelösten Fragen werden sich die neuen Untersuchungen konzentrieren, die im Rahmen des Projekts „Smart in – La forma dell’acqua“ durchgeführt werden.
Die Ausgrabungskampagne wird von einem Team von Archäologen unter der wissenschaftlichen Leitung von Valentino Desantis und Giovanni Stranieri vom Laboratoire ArTeHis in Dijon, Universität Burgund, Frankreich, durchgeführt. An den Arbeiten werden außerdem Spezialisten für mittelalterliche Hochbauarchäologie sowie die Mittelalterarchäologin Paola Tagliente und der Architekt Gianpaolo Vacca teilnehmen.
Der Beginn der systematischen Ausgrabungen ist Teil eines umfassenderen Programms zur Aufwertung und Nutzung des Areals von San Pietro Mandurino. Das Projekt sieht nämlich auch Restaurierungsmaßnahmen an der Kirche sowie Bildungs- und Workshop-Aktivitäten vor und setzt damit den Weg fort, der mit den jüngsten Arbeiten des ehemaligen Regionalsekretariats des MiC für Apulien im östlichen Teil des Parks eingeschlagen wurde. Die neuen Untersuchungen werden sich vor allem auf die Zeugnisse der Vergangenheit konzentrieren, in der Überzeugung, dass gerade aus deren Analyse grundlegende Elemente hervorgehen können, um die Geschichte des Gebiets neu zu interpretieren.
Neben den wissenschaftlichen Aspekten birgt die Stätte auch eine Dimension, die mit Geheimnissen und Volksbräuchen verbunden ist und durch alte Legenden und Bräuche rund um den Kult des Heiligen Petrus genährt wird. Zu den Fragen, die von den früheren Ausgrabungskampagnen offen gelassen wurden, gehört beispielsweise die rituelle Funktion der mit einer Dachziegelplatte bedeckten Gesichter der Verstorbenen, die in einigen 1972 identifizierten mittelalterlichen Grabstätten beobachtet wurde. Weitere Fragen betreffen das einzige Fresko, das die Heilige Sofronia, die Einsiedlerin von Taranto, darstellt, sowie die liturgischen Praktiken, die in der Krypta stattfanden. Das Nebeneinander griechisch-byzantinischer und lateinischer Traditionen lässt nämlich die Möglichkeit offen, dass an dieser Kultstätte verschiedene religiöse Riten aufeinander folgten oder vielleicht sogar nebeneinander bestanden.
Die neuen archäologischen Untersuchungen werden durch modernste Technologien zur Dokumentation und Analyse der Daten unterstützt, sowohl auf struktureller als auch auf mikroskopischer Ebene. Das Programm sieht zahlreiche Probenahmen vor, die darauf abzielen, nicht nur die Geschichte des Denkmals zu rekonstruieren, sondern auch die antike Umgebung und Landschaft, in der sich San Pietro Mandurino entwickelt hat. Es werden anthrakologische und karpologische Analysen, dendrochronologische Untersuchungen sowie zoo-osteologische und osteo-anthropologische Untersuchungen an menschlichen Knochen durchgeführt. Hinzu kommen C14-Analysen, die für die Ermittlung einer absoluten Chronologie der Fundstücke und der verschiedenen Nutzungsphasen der Stätte von grundlegender Bedeutung sind.
Die archäologischen Arbeiten wurden durch eine Genehmigung des Kulturministeriums (MiC), Abteilung für den Schutz des Kulturerbes, Generaldirektion für Archäologie, Bildende Künste und Landschaft – Dienststelle II, genehmigt und werden unter der Aufsicht der SABAP BR/LE/TA, der Aufsichtsbehörde für Archäologie, bildender Künste und Landschaft für die Provinzen Brindisi, Lecce und Taranto, durchgeführt.
Die neuen Untersuchungen könnten somit dazu beitragen, eine noch lückenhafte Geschichte zu vervollständigen und San Pietro Mandurino wieder seine Rolle als wichtiges Zeugnis der langen archäologischen, religiösen und kulturellen Entwicklung von Manduria zu geben.
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| Manduria: Start der neuen archäologischen Untersuchungen in San Pietro Mandurino |
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