In Crema widmet das Stadtmuseum von Crema und des Cremasco der Geschichte des Holzschnitts durch Frauen eine Ausstellung im Rahmen des Projekts „Xilografe“, das vom 17. Oktober 2026 bis zum 10. Januar 2027 stattfindet. Kuratiert von Edoardo Fontana in Zusammenarbeit mit Chiara Degetto, Livia Fasolo und Silvia Scaravaggi, beleuchtet die Ausstellung einen noch wenig bekannten Bereich der Kunstgeschichte: den der Künstlerinnen, die zwischen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und den 1930er Jahrenden Holzschnitt als Ausdrucksmittel nutzten.
Die von der Stadt Crema, dem Dezernat für Kultur und dem Dezernat für Chancengleichheit geförderte und produzierte Ausstellung analysiert die Präsenz von Frauen in der Holzschnittkunst, einer Technik, die lange Zeit als randständig galt und oft mit Handwerk in Verbindung gebracht wurde. Die Bearbeitung von Holz, insbesondere mit Schnitzmessern und Stechmeißeln, wurde traditionell als eine Tätigkeit angesehen, die körperliche Kraft erforderte und daher für Frauen als ungeeignet galt. Die Verbreitung des Holzschnitts auf Stirnseite trug jedoch dazu bei, diese Wahrnehmung zu ändern, indem Werkzeuge wie Stichel und Ciappola einer neuen Idee des künstlerischen Schaffens nähergebracht wurden.
Die Ausstellung rekonstruiert ein Phänomen, das sich parallel zu den Prozessen der Frauenemanzipation und der fortschreitenden Etablierung von Frauen in der Kunstwelt entwickelte. Neben bereits bekannten Persönlichkeiten wie Elisabetta Cattaneo, Girolama Cagnucci und Veronica Fontana präsentiert der Rundgang Künstlerinnen, die maßgeblich an der Wiederbelebung der europäischen Grafik zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert beteiligt waren.
Zu den dokumentierten Künstlerinnen zählen die Deutsche Käthe Kollwitz, deren Werke sich durch eine starke soziale Komponente auszeichnen, sowie Gabriele Münter, deren expressionistisches Schaffen dazu beitrug, einige Themen der zeitgenössischen Kunst vorwegzunehmen. Die Ausstellung beleuchtet zudem den Beitrag der Künstlerinnen der Wiener Secession und der Wiener Werkstätte, darunter Elena Luksch-Makowsky, Broncia Koller-Pinell und Marianne Hitschmann-Steinberger sowie die Engländerinnen Gwendolen Raverat und Clare Leighton, die sich für die Erneuerung der Buchillustration einsetzten.
Das Projekt widmet sich zudem den italienischen Entwicklungen im Zusammenhang mit der Wiederbelebung der Grafik im frühen 20. Jahrhundert, mit Persönlichkeiten wie Emma Dessau Goitein, Irma Pavone Grotta, Mimì Buzzacchi Quilici und den Schülerinnen von Adolfo De Carolis, darunter Donella De Carolis, Anna Maria Masi und Hortensia Morici Rossi. Ebenfalls gewürdigt wird die Dänin Ebba Holm, die für die Zeitschrift „Xilografia“ von Francesco Nonni tätig war, sowie internationale Künstlerinnen wie Ellen Thesleff, Amelie Meeter De Zorn, Marguerite Burnat-Provins und Annabel Kidston, aus deren Werken das Leitbild der Ausstellung ausgewählt wurde.
Ein Kapitel ist den Experimenten der Gruppe im Umfeld der Grosvenor School in London und der Vortizismus-Bewegung gewidmet, mit Linoleumschnitten von Künstlerinnen wie Edith Lawrence, Sybil Andrews und Eileen Mayo. Die Ausstellung beleuchtet zudem die Beziehung zwischen Holzschnitt und angewandter Kunst anhand von Persönlichkeiten wie Esther Bensusan Pissarro, die zusammen mit Lucien Pissarro die Eragny Press leitete, einer der bedeutendsten englischen Privatdruckereien des 20. Jahrhunderts, sowie Margaret Dalziel, die sich der Übertragung der präraffaelitischen Illustrationen für Tennysons „Poems“ widmete.
Der Rundgang umfasst zudem Beispiele aus Belgien, Japan und Lateinamerika mit Werken von Marie De Keyser, Nele Van de Velde, Kawanabe Kyosui und Norah Borges. Für Italien werden zudem die Mailänder Aktivitäten von Anna Beatrice D’Anna, Rosa Menni und Gemma Pero vorgestellt, die in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts ein gemeinsames Atelier gründeten, das sich der Illustration, der Zeichnung und der Lehre widmete.
Die Ausstellung schließt mit einem Blick auf den Niedergang der Holzschnittkunst nach den Weltkriegen und auf die Künstlerinnen, die diese Ausdrucksform weiterhin als Zeugnis ihrer Zeit nutzten, darunter Regina Lichter-Liron, Schöpferin einer dramatischen Serie, die sich mit der Realität der Konzentrationslager auseinandersetzt.
Die Ausstellung wird von einem vom Stadtmuseum Crema herausgegebenen Katalog begleitet, der kritische Texte und Werkbeschreibungen von Emanuele Bardazzi, Francesca Cagianelli, Cosimo Calvelli, Antonio Castronuovo, Cristina Chiesura, Chiara Degetto, Livia Fasolo, Edoardo Fontana, Paolo Linetti, Roberto Lunelio, Anna Mazzanti, Chiara Nicolini, Silvia Scaravaggi, Luca Scarlini und Raf Steel. Die Eröffnung ist für Samstag, den 17. Oktober 2026, um 17:30 Uhr vorgesehen, während die Pressevorbesichtigung am Freitag, den 16. Oktober, um 11:00 Uhr stattfindet.
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| Holzschnittkünstlerinnen: Im Stadtmuseum von Crema eine Ausstellung über Künstlerinnen der Holzgrafik |
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