Andrea Pallaoro gewinnt den Preis der Fondazione Mimmo Rotella 2026 für „The Echo Chamber“


Andrea Pallaoro ist der Gewinner des Preises der Fondazione Mimmo Rotella 2026 für „The Echo Chamber“. Die Auszeichnung wurde in der Peggy Guggenheim Collection in Venedig im Rahmen der 83. Internationalen Filmfestspiele der Biennale von Venedig verliehen.

Andrea Pallaoro ist der Gewinner des Preises der Fondazione Mimmo Rotella 2026 für „The Echo Chamber“. Die Auszeichnung wurde am Freitag, dem 4. September, in der Peggy Guggenheim Collection in Venedig im Rahmender 83. Internationalen Filmfestspiele der Biennale von Venedig verliehen. Die Zeremonie fand im Skulpturengarten und auf der Terrasse des Palazzo Venier dei Leoni statt und vereinte einmal mehr Kino und bildende Kunst im Geiste von Mimmo Rotella. Der Preis, der nun bereits zum 25. Mal verliehen wurde, erkundet weiterhin jene Schnittstelle zwischen Filmbild und künstlerischer Forschung, die seine Identität ausmacht.

Der Film unter der Regie von Andrea Pallaoro mit Luca Marinelli, Alicia Vikander und Susan Sarandon in den Hauptrollen erzählt eine Liebesgeschichte, in der die Grenzen zwischen Anwesenheit und Abwesenheit, Fürsorge und Abhängigkeit, Sehnsucht und Kontrolle verschwimmen, bis sie sich schließlich auflösen. Leo und Anne jagen einander nach, streifen sich, verlieren sich, suchen einander. Sie schaffen es weder, sich zu trennen, noch sich zu befreien. Durch die Räume hallt die Stimme von Ava, die die Zeit durchquert und das zum Vorschein bringt, was widersteht oder nicht mehr zurückgehalten werden kann.

Die Jury überzeugte vor allem die besondere Bildsprache, die Andrea Pallaoro in „The Echo Chamber“ entwickelt hat. In dem Film geht das Kino über seine traditionelle Funktion als narratives Mittel hinaus und verwandelt sich in ein echtes visuelles Erlebnis, in dem Ästhetik und Forschung zu einem integralen Bestandteil der Erzählung werden.

Das Werk des Regisseurs zeichnet sich durch einen Umgang mit dem Bild aus, bei dem Raum, Licht, Körper, Stille und Komposition eine zentrale Rolle einnehmen. Sie sind nicht nur Elemente im Dienste der Geschichte, sondern tragen direkt zur Schaffung eines filmischen Universums bei, das mit der Malerei und anderen Formen der bildenden Kunst in Dialog treten kann. Gerade diese Beziehung zwischen verschiedenen Ausdrucksformen bringt Pallaoros künstlerisches Schaffen dem künstlerischen Erbe von Mimmo Rotella nahe. Im Laufe seiner Karriere hat Rotella die Vorstellungswelt des 20. Jahrhunderts zu einem Material gemacht, das es zu durchdringen, zu manipulieren und neu zu erfinden galt, wobei er in Filmplakaten, den Gesichtern der Stars und den Ikonen des Kinos eine unerschöpfliche Quelle von Bildern fand.

die Echokammer
The Echo Chamber
Andrea Pallaoro. Foto: Beniamino Barrese
Andrea Pallaoro. Foto: Beniamino Barrese

In der Begründung der Auszeichnung wird hervorgehoben, wie es „The Echo Chamber“ gelingt, die Filmsprache in Ausdrucksmaterial und authentische künstlerische Forschung zu verwandeln. Die Parallele zu Rotella zeigt sich auch in der Art und Weise, wie das Bild betrachtet wird. Während der Künstler mit der Technik des Décollage in die Oberfläche der Plakate eingriff, indem er sie abriss und übereinanderlegte, um neue Bedeutungen hervorzubringen, nutzt Pallaoro hingegen die Mittel des Kinos, um über das hinauszugehen, was an der Oberfläche erscheint.

Gesichter, Körper, Umgebungen und zwischenmenschliche Beziehungen werden so zum Gegenstand einer Untersuchung, die sich nicht auf die Darstellung beschränkt. Der Bildausschnitt erhält eine fast malerische Dimension, während Dauer und filmische Zeit zu Material werden, durch das der Mensch betrachtet und hinterfragt wird. In „The Echo Chamber“ verlaufen Kino und bildende Kunst also nicht auf getrennten Pfaden, sondern begegnen einander und befruchten sich gegenseitig. Die formale Forschung wird zu einem Instrument, um Unruhe, Beziehungen und tiefe Dimensionen der menschlichen Erfahrung zu erforschen.

Mimmo Rotella, Marilyn (1963; Décollage auf Leinwand, 190 x 132 cm; Wien, Sammlung Heidi Horten)
Mimmo Rotella, Marilyn (1963; Décollage auf Leinwand, 190 x 132 cm; Wien, Sammlung Heidi Horten)
Preisverleihung des PREMIO FONDAZIONE MIMMO ROTELLA. Von links: Gianvito Casadonte, künstlerischer Leiter des Preises; Mario Nuciforo, Vizepräsident der Stiftung Mimmo Rotella; Andrea Pallaoro; Karole P.B. Vail, Direktorin der Peggy Guggenheim-Sammlung; Nicola Canal, Präsident der Stiftung Mimmo Rotella
Preisverleihung des PREMIO FONDAZIONE MIMMO ROTELLA. Von links: Gianvito Casadonte, künstlerischer Leiter des Preises; Mario Nuciforo, Vizepräsident der Fondazione Mimmo Rotella; Andrea Pallaoro; Karole P.B. Vail, Direktorin der Peggy Guggenheim Collection; Nicola Canal, Präsident der Fondazione Mimmo Rotella

Der Preis der Stiftung Mimmo Rotella würdigt genau diese Fähigkeit, das Kino nicht nur als Erzählform, sondern auch als künstlerischen Akt zu begreifen und das Bild zu einem Raum der Forschung, der Schönheit und der Unruhe zu machen.

„An einem Bild fasziniert mich vor allem das, was sich dem Blick nicht sofort offenbart, was verborgen bleibt oder außerhalb des Bildausschnitts liegt: eine Wunde, eine Leere, etwas, das den Betrachter dazu einlädt, es mit seinem eigenen Blick zu vervollständigen“, erklärte Andrea Pallaoro und beschrieb dabei die Verbindung zwischen seiner eigenen Arbeit und der von Mimmo Rotella. „Genau diese Spannung finde ich auch im Werk von Mimmo Rotella wieder, in seinem Wunsch, über die Oberfläche hinauszugehen, um das zum Vorschein zu bringen, was das Bild zurückhält und verwandelt, und so neue Bedeutungen entstehen zu lassen. Einen Preis zu erhalten, der seinen Namen trägt, ist für mich eine große Ehre.“

Der Preis der Stiftung Mimmo Rotella entstand 2001 aus einer Idee von Mimmo Rotella selbst, die er gemeinsam mit Paolo De Grandis und Pierre Restany entwickelte. Seitdem wird die Auszeichnung jedes Jahr an Persönlichkeiten verliehen, denen es gelungen ist, eine originelle Lesart der Beziehung zwischen Kino und bildender Kunst anzubieten. Seit 2014 liegt die künstlerische Leitung in den Händen von Gianvito Casadonte. Im Laufe seiner fünfundzwanzig Auflagen hat der Preis zahlreiche führende Persönlichkeiten der internationalen Film- und Kunstszene nach Venedig gebracht. Zu den Preisträgern zählen Hayao Miyazaki, Jude Law, Ai Weiwei, Michael Caine, George Clooney, Julian Schnabel, Willem Dafoe, Donald Sutherland und Mick Jagger. Auch das italienische Kino spielt in der Geschichte des Preises eine wichtige Rolle. Zu den Künstlern und Autoren, die diese Auszeichnung erhalten haben, gehören Paolo Sorrentino, Ascanio Celestini, Toni Servillo, Mario Martone, Marco Bellocchio, Fabio Grassadonia, Antonio Piazza, Elio Germano und Antonia Truppo.

Im Jahr 2025 wurde der Preis der Fondazione Mimmo Rotella erneut an Paolo Sorrentino für „La Grazia“ verliehen. Für den Regisseur war es eine Rückkehr, neun Jahre nach der Auszeichnung, die er 2016 gemeinsam mit Jude Law für „The Young Pope“ erhalten hatte. Mit Andrea Pallaoro und „The Echo Chamber“ setzt der Preis somit seine Erforschung der Beziehung zwischen Kino und bildender Kunst fort und bekräftigt in Venedig die ursprüngliche Bestimmung einer Auszeichnung, die im Namen eines Künstlers ins Leben gerufen wurde, der das filmische Bild zu einem der grundlegenden Themen seiner Arbeit gemacht hat.

Andrea Pallaoro gewinnt den Preis der Fondazione Mimmo Rotella 2026 für „The Echo Chamber“
Andrea Pallaoro gewinnt den Preis der Fondazione Mimmo Rotella 2026 für „The Echo Chamber“



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