Abschied von Franco Fontana, dem Meister der Farbfotografie


Franco Fontana, einer der bedeutendsten Vertreter der Farbfotografie, ist im Alter von 92 Jahren verstorben. Zu seinen Erfolgen zählen über vierhundert Einzelausstellungen und Werke in mehr als fünfzig Museen weltweit.

Im Alter von 92 Jahren ist Franco Fontana verstorben, einer der größten italienischen Meister der zeitgenössischen Fotografie. Der aus Modena stammende Fotograf, der weltweit als einer der bedeutendsten Vertreter der zeitgenössischen Kunstfotografie galt, ist in seinem Zuhause verstorben.

Fontana wurde 1933 in Cognento, einem Ortsteil von Modena, geboren und begann 1961 mit dem Fotografieren. Zunächst besuchte er Fotoclubs und war vorwiegend als Amateur tätig, führte jedoch bereits in jenen Jahren ästhetische Untersuchungen zu verschiedenen Themen durch. Von besonderer Bedeutung waren dabei seine Untersuchungen zum abstrakten Ausdruck von Farbe, die er in einer historischen Epoche durchführte, in der abstrakte Fotografie fast ausschließlich in Schwarz-Weiß gesucht wurde. Sein persönlicher Stil nahm Ende der 1960er Jahre unter dem Einfluss des Abstrakten Expressionismus und des Minimalismus Gestalt an: Zu seinen Vorbildern zählten zeitgenössische Künstler, die nur wenig älter waren als er selbst, wie Mark Rothko, Barnett Newman und Ed Reinhardt. Fontanas Werk, das sich auf Form und Farbe konzentrierte, hob sich deutlich von der klassischen Schwarz-Weiß-Kunstfotografie ab, die in jenen Jahren die Szene dominierte.

1963 stellte er auf der Dritten Internationalen Biennale der Farbe in Wien aus, und im folgenden Jahr widmete ihm die Zeitschrift „Popular Photography“ erstmals ein Portfolio, begleitet von einem kritischen Text von Piero Racanicchi. Seine ersten Einzelausstellungen fanden 1965 in Turin bei der Società Fotografica Subalpina und 1968 in Modena in der Galleria della Sala di Cultura statt: Gerade die Ausstellung in seiner Heimatstadt stellte einen bedeutenden Wendepunkt in seinem künstlerischen Schaffensweg dar.

Franco Fontana
Franco Fontana

Fontana zeigte stets ein besonderes Interesse am Spiel der Farbinteraktionen, und seine ersten Experimente in der Farbfotografie bereits in den 1960er Jahren hatten stilistisch einen stark innovativen und bahnbrechenden Einfluss. Fontana arbeitete mit 35-Millimeter-Kameras und nutzte durch den Einsatz von Teleobjektiven entfernte Blickwinkel – eine Technik, die es ihm ermöglichte, die Konturen der Landschaft zu verflachen und Felder und Anbauflächen in Streifen intensiver, gesättigter Farben zu verwandeln. Der Fotograf und Kritiker Franco Lefèvre bezeichnete diesen besonderen Ansatz als eine Form der „dialektischen Landschaftsfotografie“. Im Jahr 2019 beschrieb die Kuratorin Diana Baldon anlässlich der ihm gewidmeten Retrospektive mit dem Titel „Sintesi“, die in der Fondazione Modena Arti Visive gezeigt wurde, seine geometrischen Kompositionen als geprägt von leuchtenden Farben, flache Perspektiven und eine geometrische, formale und minimalistische Bildsprache, und betonte, dass dieser bereits in den 1960er Jahren verfolgte Ansatz der kreativen Farbfotografie neue Vitalität verliehen habe – und das zu einer Zeit, als Vielfarbigkeit in der künstlerischen Fotografie keineswegs en vogue war. Die Kuratorin stellte zudem fest, dass Fontanas Art zu fotografieren dazu führte, dass die abgebildeten Objekte entmaterialisiert wurden; sie verloren ihre Dreidimensionalität und ihren Realismus und wurden Teil einer abstrakten Zeichnung.

Neben der ländlichen Landschaft, die wohl nach wie vor das Motiv ist, mit dem sein Schaffen am stärksten assoziiert wird, wandte Fontana seine grafische Sensibilität auch auf andere Bereiche an, von der Stadtarchitektur über das Porträt, die Mode und das Stillleben bis hin zum Akt. Seine Fotografien wurden zudem als Cover für einige Alben des Jazz-Plattenlabels ECM Records verwendet.

Im Laufe seiner langen Karriere hat Fontana über vierhundert Einzelausstellungen veranstaltet und an zahlreichen Gemeinschaftsausstellungen in international führenden Institutionen teilgenommen, darunter die Maison Européenne de la Photographie in Paris, das Museo Nacional de Bellas Artes in Buenos Aires, das Tokyo Metropolitan Museum of Photography und der Palazzo Reale in Mailand. Der Fotograf arbeitete zudem mit internationalen Zeitschriften wie Time, Life, Vogue USA, Vogue France, Il Venerdì der Repubblica, Sette des Corriere della Sera, „Panorama“, „Class“ und die deutsche „Frankfurter Allgemeine“ sowie bei zahlreichen Werbekampagnen für Marken wie Fiat, Volkswagen, Sony, Volvo, Canon, Kodak, Snam, Robe di Kappa und MaxMara.

Seine Werke befinden sich in mehr als fünfzig Museen weltweit, darunter neben dem bereits erwähnten Museum in Tokio das George Eastman House International Museum of Photography and Film in Rochester, das Museum Ludwig in Köln, das San Francisco Museum of Modern Art, das Museum of Fine Arts in Boston, das Musée d’Art Moderne in Paris, das Puschkin-Museum der Schönen Künste in Moskau, die National Gallery of Victoria in Melbourne, das Victoria and Albert Museum in London, die Galleria d’Arte Moderna in Turin, das Museum of Fine Arts in Houston, Texas, sowie bedeutende Banksammlungen wie die der Deutschen Bank, UniCredit und der UBS. Zu den weiteren Institutionen, die Werke des aus Modena stammenden Fotografen beherbergen, gehören auch das Museo Nacional de Bellas Artes in Buenos Aires, das Muscarelle Museum of Art in Williamsburg, das WestLicht-Museum in Wien, das IVAM – Instituto Valenciano de Arte Moderna, das Musée de l’Elysée in Lausanne, das MAXXI und das MACRO in Rom, das MyArt Museum in Seoul, das Museo di Santa Giulia in Brescia und das Museo dell’Ara Pacis, ebenfalls in der Hauptstadt.

Als Zeugnis für die Vielschichtigkeit und die internationale Bedeutung seines Schaffens wurden der Person und dem Werk Fontanas über siebzig Bände gewidmet, die von italienischen, französischen, deutschen, schweizerischen, spanischen, US-amerikanischen und japanischen Verlagen herausgegeben wurden. Im Laufe seiner Karriere stellte der Fotograf in öffentlichen Museen und privaten Galerien auf der ganzen Welt aus, wobei sich die Gesamtzahl der Einzel- und Gruppenausstellungen auf über vierhundert belief.

Abschied von Franco Fontana, dem Meister der Farbfotografie
Abschied von Franco Fontana, dem Meister der Farbfotografie



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