Viterbo: Die Marienkapelle der ehemaligen Kirche Santa Maria delle Fortezze wurde restauriert – neue Entdeckungen


Die Restaurierung der Marienkapelle der ehemaligen Kirche Santa Maria delle Fortezze in Viterbo hat neue Erkenntnisse zutage gefördert, darunter Anspielungen auf Perugino und Michelangelo sowie neue Hypothesen zum Urheber.

Am Tag Mariä Himmelfahrt lenken neue und überraschende Entdeckungen die Aufmerksamkeit erneut aufdie ehemalige Kirche Santa Maria delle Fortezze in Viterbo, die früher auch als Santa Maria Annunziata und später als San Francesco di Paola bekannt war. Die Kirche wurde im 16. Jahrhundert auf Wunsch des Bischofs von Viterbo, Ottaviano Riario, erbaut, der am 21. Juni 1514 die Grundsteinlegung feierte. Das neue Gebäude entstand in der Nähe einer alten Marienkapelle, der „Beata Maria della Fortezza“, die sich in der Nähe der Bastia befand, einer Festung, die 1077 von Kaiser Heinrich IV. errichten ließ. Die Tatsache, dass in dieser Gegend bereits ein tief verwurzelter Marienkult bestand, lässt vermuten, dass das ikonografische Programm der neuen Kirche bereits in den ersten Phasen des Projekts speziell zur Verehrung der Jungfrau Maria konzipiert worden war.

Von den acht Kapellen, die einst die Kirche schmückten, sind heute nur noch vier erhalten. Das Gebäude wurde nämlich durch die Bombenangriffe der Alliierten am 26. Mai 1944 schwer beschädigt, wodurch seine Struktur unwiederbringlich beeinträchtigt wurde.

Eine der erhaltenen Kapellen ist die der Jungfrau Maria gewidmete, deren Fresken kürzlich dank einer von der Denkmalschutzbehörde ABAP für die Provinz Viterbo und Süd-Etrurien geförderten Maßnahme restauriert wurden, die der Genossenschaft Koinè anvertraut wurde. Die im vergangenen Juli abgeschlossenen Arbeiten wurden von den Restauratorinnen Mariangela Santella und Cristiana Luberto durchgeführt, nachdem zuvor Riccardo Vettraino die Konsolidierungsmaßnahmen vorgenommen hatte. Der Bildzyklus erzählt einige der wichtigsten Momente im Leben Marias. Auf dem Eingangsbogen ist die Verkündigung zu sehen, bei der die Jungfrau Maria dem Erzengel Gabriel gegenübersteht, der mit einer Lilie, dem Symbol der Reinheit, dargestellt ist. Im unteren Teil der Wand scheint hingegen die Dormitio Virginis zu erkennen zu sein, bei der sich die Apostel um das Grab Marias versammelt haben. Im Zentrum der Komposition befindet sich die leuchtende Mandorla, die die Gestalt der Himmelfahrten umschließt, während die Apsis die Krönung der Jungfrau zeigt, bei der Maria vor Christus kniet und von musizierenden Engeln umgeben ist.

Foto: Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation der Denkmalschutzbehörde für Archäologie, Bildende Künste und Landschaft der Provinz Viterbo und Süd-Etrurien
Foto: Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation der Oberaufsicht für Archäologie, Bildende Künste und Landschaft der Provinz Viterbo und Süd-Etrurien
Foto: Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation der Denkmalschutzbehörde für Archäologie, Bildende Künste und Landschaft der Provinz Viterbo und Süd-Etrurien
Foto: Amt für Förderung und Kommunikation der Oberaufsicht für Archäologie, Bildende Künste und Landschaft der Provinz Viterbo und Süd-Etrurien

Die Untersuchungen haben überraschende stilistische und technische Ähnlichkeiten mit dem Werk einiger der bedeutendsten Künstler aufgezeigt, die zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert in Rom tätig waren. Besonders bedeutsam ist die Darstellungder Mariä Himmelfahrt, die getreu die zentrale Figurdes Gemäldes „Mariä Himmelfahrt“ aufgreift, das Pietro Perugino zwischen 1481 und 1483 für die Sixtinische Kapelle schuf. Auch die Apostel scheinen von einem römischen Vorbild abzuleiten: jene, die Melozzo da Forlì in der Apsis der Basilika der Heiligen Apostel gemalt hat und die heute in Fragmenten in der Pinacoteca Vaticana aufbewahrt werden. Die interessanteste Entdeckung betrifft jedoch eine Figur, die lange Zeit fast vollständig verborgen geblieben war: Bei den Restaurierungsarbeiten wurde nämlich eine Darstellung der verkündeten Jungfrau Maria zutage gefördert, flankiert von Gott dem Vater, der inmitten von Wolken, Putten und Cherubim dargestellt ist. Die Figur des Schöpfers mit dem langen weißen Bart und dem farbenprächtigen Mantel stellt einen offensichtlichen Verweis auf den Allmächtigen Vater aus Michelangelos „Erschaffung Adams“ dar, das zwischen 1508 und 1512 als Fresko an das Gewölbe der Sixtinischen Kapelle gemalt wurde.

Ein Verweis, der auch eine konkrete feierliche Bedeutung in Bezug auf Ottaviano Riario haben könnte: Seine Bischofsweihe hatte nämlich im Jahr 1506 durch Julius II. della Rovere stattgefunden, jenem Papst, der Michelangelo mit der Ausschmückung des sixtinischen Gewölbes beauftragt hatte.

Die diagnostischen Untersuchungen haben zudem Spuren einer Vergoldung zutage gefördert, die durch das Aufbringen einer Zinnfolie, die anschließend mit Blattgold überzogen wurde, erzielt wurde. Die Reinigung des Zierfrieses, der Grotesken und der Rahmen aus Kunstmarmor hat zudem die Verwendung von Vorentwürfen auf Karton deutlich gemacht. Von besonderer Bedeutung war zudem die Entdeckung bezüglich der Wappen der Familie Colonna, die auf den seitlichen Pilastern zu sehen sind: Die Wappen wurden offenbar in einer späteren Phase hinzugefügt und haben eine frühere perspektivische Verzierung teilweise überdeckt. Diese Erkenntnis verändert die Interpretation der Geschichte der Kapelle: Ihre ursprüngliche Ausstattung wurde offenbar nicht von der Familie Colonna finanziert. Damit entfällt auch die Hypothese einer direkten Beteiligung von Vittoria Colonna, die oft mit den künstlerischen und kulturellen Ereignissen in Viterbo in den Jahren 1541–1544 in Verbindung gebracht wird. Die Ausschmückung der Marienkapelle dürfte daher älter sein und aller Wahrscheinlichkeit nach um 1520 fertiggestellt worden sein, wenige Jahre vor dem Tod von Ottaviano Riario im Jahr 1523.

Die Restaurierung eröffnet zudem neue Perspektiven hinsichtlich der Identität des Künstlers, der den Zyklus geschaffen hat. Laut dem Kunsthistoriker Saverio Ricci, der mit der Bauleitung für den letzten Finanzierungsabschnitt beauftragt war, dank dessen die Konservierungsmaßnahmen an der Cappella Mariana durchgeführt werden konnten, könnten die Fresken auf Valentino Pica den Jüngeren zurückgeführt werden, einen heute wenig bekannten Künstler aus Viterbo, von dem nur ein einziges gesichertes Zeugnis erhalten ist: der signierte und auf das Jahr 1514 datierte Altar in der Kirche Sant’Amanzio in Vitorchiano. Ricci vermutet zudem, dass Pica während der Ausmalung der Vitelleschi-Kapelle im Dom von Tarquinia mit Pastura in engem Kontakt gestanden haben könnte und dass er sich anschließend in Rom aufgehalten habe, um seine Studien zu vertiefen. Nach seiner Rückkehr nach Viterbo soll der Künstler für bedeutende lokale Auftraggeber gearbeitet haben, darunter weitere Mitglieder der Familie Riario. Seinem Schaffen werden zudem verschiedene Werke in der Region zugeschrieben, darunter eine weitere Kapelle der ehemaligen Kirche „delle Fortezze“, die sich diesmal durch einen Zyklus mit christologischen Themen auszeichnet.

Die Restaurierung der Cappella Mariana hat es somit ermöglicht, einen bedeutenden Malzyklus aus dem frühen 16. Jahrhundert wieder lesbar zu machen und gleichzeitig neue Fragen hinsichtlich seiner Datierung, der Auftraggeber und der Identität des Autors aufzuwerfen. Die umfassenden Maßnahmen an der ehemaligen Kirche „delle Fortezze“ wurden ab 2023 von der Denkmalschutzbehörde unter der Leitung der Architektin Margherita Eichberg gefördert, dank der PNRR-Mittel aus der Maßnahme „Caput Mundi“.

Die Ergebnisse der Untersuchungen und der Restaurierung werden in Kürze im Rahmen von Vorträgen, Publikationen und speziellen Studien vertieft. Ziel ist es, auch eine monografische Publikation zu erstellen, die die Geschichte und die verschiedenen Phasen des Komplexes dokumentiert. Die nächste Herausforderung wird nun die Restaurierung der anderen erhaltenen Kapelle der Kirche sein, die sich durch eine christologische Dekoration auszeichnet: ein neues Projekt, das weitere Mosaiksteine zur Kunstgeschichte der ehemaligen Santa Maria delle Fortezze beitragen könnte.

Viterbo: Die Marienkapelle der ehemaligen Kirche Santa Maria delle Fortezze wurde restauriert – neue Entdeckungen
Viterbo: Die Marienkapelle der ehemaligen Kirche Santa Maria delle Fortezze wurde restauriert – neue Entdeckungen



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