Die König-Baudouin-Stiftung erwarb anlässlich der Kunstmesse TEFAF in Maastricht ein seltenes Werk von Peter Paul Rubens aus dem September 1607. Es handelt sich um ein wertvolles Blatt, das eine Zeichnung und einen autographen Brief des Künstlers aus der Zeit, als Rubens in Rom lebte, vereint und das die Stiftung auf Wunsch des Rubenshuis erworben hat.
Dieses Werk bereichert die Sammlung des Rubenshuis, die dem berühmtesten flämischen Meister gewidmet ist, dank einer Dauerleihgabe der König-Baudouin-Stiftung. Obwohl das historische Haus des Künstlers wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen ist, kann das Publikum das Werk im Rahmen der Rubens Experience kennenlernen, dem interaktiven Ausstellungsparcours, den das Museum im Jahr 2024 eröffnet. Ab dem 19. Mai 2026 wird hier zunächst die Vorderseite des Blattes ausgestellt, während die Rückseite drei Monate später zu sehen sein wird. Nach der Wiedereröffnung des Rubenshuis, mit der frühestens 2030 zu rechnen ist, wird das Blatt fester Bestandteil der neuen Sammlung sein, die auch Themen wie der Rolle der Mäzene im Werk von Rubens besondere Aufmerksamkeit widmen wird. Das Werk wird außerdem digitalisiert und für Wissenschaftler und Liebhaber weltweit online zugänglich gemacht.
Auf der Vorderseite des Blattes hat Rubens mit schnellem Strich drei männliche Figuren in klassischer Kleidung gezeichnet, bei denen es sich wahrscheinlich um vorbereitende Studien von Aposteln handelt. Der freie und selbstbewusste Strich vermittelt unmittelbar den kreativen Prozess des Künstlers. Die markierten Tuschelinien im oberen Teil des Blattes deuten auf Korrekturen hin, die mit der für die Zeichnung verwendeten Feder angefertigt wurden. Auf der Rückseite befindet sich ein Briefentwurf in italienischer Sprache, der an den Maler Cristoforo Roncalli, genannt il Pomarancio, gerichtet ist. Der Brief bietet einen wichtigen Einblick in Rubens’ Rolle als Vermittler und Berater innerhalb der künstlerischen Netzwerke seiner Zeit. Der Text verweist auf Eleonora de’ Medici, Herzogin von Mantua und wichtige Mäzenin sowohl von Rubens als auch von Roncalli. Gerade am Hof von Mantua war Rubens zwischen 1600 und 1608 als Hofmaler tätig.
Zeichnungen und autographe Briefe von Rubens sind auf dem Markt äußerst selten, und dieses Blatt ist noch außergewöhnlicher, weil es beides auf ein und demselben Träger vereint. Noch seltener ist die Tatsache, dass das Dokument aus der italienischen Periode des Künstlers stammt, einer grundlegenden Phase für die Definition seiner Bildsprache und seines diplomatischen und kulturellen Netzwerks. Das Blatt trägt in der Tat dazu bei, einige Lücken in Bezug auf Rubens’ Tätigkeit um 1607 zu schließen, als er auch als künstlerischer Berater in Rom tätig war. Das Blatt ermöglicht es also, nicht nur den Schaffensprozess des flämischen Meisters zu untersuchen, sondern auch seine internationalen Beziehungen und die Rolle, die die großen Mäzene des 17. Jahrhunderts, wie Eleonora de’ Medici, in der künstlerischen Produktion dieser Zeit spielten.
Mit diesem Erwerb kehrt ein wichtiges künstlerisches und historisches Dokument nach Belgien zurück. Die öffentlichen belgischen Sammlungen verfügen derzeit nur über eine begrenzte Anzahl von Rubens-Zeichnungen, und für das Rubenshuis stellt der Neuzugang eine besonders bedeutende Bereicherung dar: Das Museum besitzt nämlich nur zwei autographe Zeichnungen und zehn Briefe des Künstlers aus einer späteren Periode. Das erworbene Blatt stellt somit einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung der frühen Schaffensphase von Rubens und seines internationalen Kontaktnetzes dar.
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| Seltenes Rubensblatt für die Sammlungen des Rubenshuis: Zeichnung und autographischer Brief auf der TEFAF erworben |
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