Castel Sant’Angelo eröffnet die Bastion San Marco mit einer Ausstellung über das unruhige Rom zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert


Die Bastion San Marco wird Teil des Rundgangs durch die Engelsburg und beherbergt eine Ausstellung, die anhand von Archivdokumenten und historischen Waffen das turbulente Leben in Rom zwischen dem 6. und 19. Jahrhundert beleuchtet.

Die Bastion San Marco wird offiziell Teil des Besichtigungsrundgangs durch die Engelsburg und eröffnet der Öffentlichkeit einen neuen Ausstellungsraum mit der Ausstellung „I segni e le storie – Szenen eines unruhigen Roms zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert“. Die Ausstellung ist vom 25. Juni bis zum 13. September 2026 zu sehen. Gefördert und realisiert vom Pantheon und der Engelsburg – Direktion der Nationalmuseen der Stadt Rom – in Zusammenarbeit mitdem Staatsarchiv Rom gefördert und realisiert sowie von Civita Mostre e Musei organisiert, bietet die Ausstellung eine Reise durch die Geschichte der Hauptstadt anhand von Dokumenten aus dem Staatsarchiv Rom, historischen Objekten und Zeugnissen, die das weniger bekannte Gesicht der Stadt zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert beleuchten.

Der Ausstellungsparcours entsteht aus der Begegnung zwischen einem wertvollen Kern archivarischer Quellen, die im Zuge der Forschungen von Franco Russo identifiziert wurden, und einer Auswahl historischer Messer aus seiner Privatsammlung. Prozessakten, Protokolle, Bekanntmachungen und Gerichtsdokumente aus den Jahren 1611 bis 1865 stehen im Dialog mit den ausgestellten Waffen und rekonstruieren so Nachrichtenereignisse, Gewalttaten, Konflikte und Momente des Alltagslebens im päpstlichen Rom.

Zu den wichtigsten Aspekten der Ausstellung zählen die Umrisse von Messern, die am Rand zahlreicher Prozessunterlagen gezeichnet wurden. Diese Skizzen, die damals angefertigt wurden, um die in den geschilderten Vorfällen verwendeten Waffen genau zu beschreiben, finden heute in den ausgestellten Exemplaren eine konkrete Entsprechung, wodurch die schriftlichen Quellen mit den Originalobjekten in Verbindung gebracht werden. Die Ausstellung bietet zudem die Gelegenheit, die Entwicklung des traditionellen römischen Messers, des sogenannten „Serratore“, nachzuvollziehen und seine Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte zu beobachten, ohne dabei die grundlegenden Merkmale aus den Augen zu verlieren, die bereits in den Zeugnissen aus dem 17. Jahrhundert dokumentiert sind.

Strafgericht des Senats, Umschlag 1734, Akte Nr. 7, Blatt 3 Vorderseite (1834; Rom, Staatsarchiv)
Strafgericht des Senators, Umschlag 1734, Akte Nr. 7, Blatt 3 recto (1834; Rom, Staatsarchiv)
Römisches Messer (19. Jahrhundert, schwarzes Horn; Rom, Sammlung Franco Russo)
Römisches Messer (19. Jahrhundert, schwarzes Horn; Rom, Sammlung Franco Russo)
Bartolomeo Pinelli, Der Erzpriester Pellegrini von Sezze überredet Gasparrone und seine Gefährten, sich zu ergeben… (1825; Radierung; Rom, Castel Sant’Angelo)
Bartolomeo Pinelli, Der Erzpriester Pellegrini aus Sezze überredet Gasparrone und seine Gefährten, sich zu ergeben… (1825; Radierung; Rom, Castel Sant’Angelo)

Aus den im Staatsarchiv aufbewahrten Dokumenten ergibt sich ein lebendiges Bild des Lebens im päpstlichen Rom. Die Gerichtsprotokolle schildern den Alltag der unteren Bevölkerungsschichten, geprägt von Streitigkeiten, Ehrenfragen, Gewalttaten und Kleinkriminalität, während die von den Behörden erlassenen Bekanntmachungen die Sichtweise der Institutionen und die Strategien zur Kontrolle des Territoriums widerspiegeln. Die Gegenüberstellung dieser beiden Perspektiven bildet eines der zentralen Themen der Ausstellung und regt zum Nachdenken über das Verhältnis zwischen Justiz, öffentlicher Ordnung und Gesellschaft an. Daraus entsteht eine vielstimmige Erzählung aus alltäglichen Geschichten, anonymen Protagonisten und Begebenheiten, die oft aus den großen Erzählungen der offiziellen Geschichte ausgeklammert werden. Durch diese dokumentarischen Fragmente tauchen die Leben von Männern und Frauen wieder auf, die mit ihren alltäglichen Erfahrungen dazu beitrugen, das Gesicht Roms zwischen der Neuzeit und der Gegenwart zu prägen.

Auch die Engelsburg spielt im Rahmen des Projekts eine zentrale Rolle. Das Denkmal beherbergt nicht nur die Ausstellung, sondern ist auch integraler Bestandteil der Erzählung, da es jahrhundertelang ein Ort der Inhaftierung für viele Persönlichkeiten war, die den in den ausgestellten Dokumenten erwähnten ähnlich waren. Unter den Persönlichkeiten, die den Ausstellungsrundgang begleiten, sticht die des Banditen Antonio Gasbarrone hervor, Symbol einer Epoche, die von sozialen Spannungen und Widersprüchen geprägt war. Seine Geschichte wird durch die originale Tür einer der Zellen des Schlosses heraufbeschworen, die eigens für diesen Anlass restauriert wurde, zusammen mit den Stichen von Bartolomeo Pinelli, die vom Leben im Rom des 19. Jahrhunderts erzählen. Zur Vervollständigung des Dialogs zwischen Dokumenten und Sammlungen trägt auch ein Dolch aus den Beständen der Engelsburg bei, der in den Ausstellungsrundgang als ideale Verbindung zur Ausstellung „Panopliae“ eingebunden wurde, die in der Oberen Waffenkammer zu sehen ist. Während letztere den im militärischen und höfischen Kontext eingesetzten Waffen gewidmet ist, konzentriert sich „I segni e le storie“ hingegen auf die Instrumente der alltäglichen Gewalt, um eine ergänzende Perspektive auf die Gesellschaft jener Zeit zu bieten.

Das Herzstück der Ausstellung bildet jedoch das dokumentarische Erbe des Staatsarchivs von Rom, das dank dieser Zusammenarbeit aus den Depots herauskommt. Die Ausstellung lädt das Publikum somit dazu ein, die Geschichte anhand ihrer authentischsten Spuren zu lesen und dabei die Komplexität des Roms von einst sowie die Schicksale einer Bevölkerung wiederzuentdecken, die in den offiziellen Erzählungen selten Beachtung findet.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 9 bis 19.30 Uhr. Montags geschlossen.

Castel Sant’Angelo eröffnet die Bastion San Marco mit einer Ausstellung über das unruhige Rom zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert
Castel Sant’Angelo eröffnet die Bastion San Marco mit einer Ausstellung über das unruhige Rom zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert



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