In Oristano erzählen 122 Fotografien von Nobuyoshi Araki von den Geheimnissen der Erinnerung


Vom 18. Juli bis zum 17. Oktober 2026 zeigt die Pinacoteca Carlo Contini in Oristano die Ausstellung „Secret Pages“, die Nobuyoshi Araki gewidmet ist. Die von Sonia Borsato kuratierte Ausstellung, die im Rahmen des Dromos Festivals 2026 stattfindet, vereint 122 Werke aus der Sammlung Molinas Balata.

Vom 18. Juli bis zum 17. Oktober 2026 zeigt die Pinacoteca Carlo Contini in Oristano die Ausstellung „Secret Pages“, die dem japanischen Fotografen Nobuyoshi Araki (Tokio, 1940) gewidmet ist. Die von Sonia Borsato kuratierte Ausstellung ist Teil des Programms der 28. Ausgabe des Dromos Festivals, das sich in diesem Jahr dem Thema „Secrets“ widmet. Sie vereint 122 Werke aus der Sammlung Molinas Balata und hat zum Ziel, einige der wichtigsten Schwerpunkte im Schaffen des Künstlers nachzuzeichnen.

Die Ausstellung präsentiert 101 Polaroids und 21 Fotografien unterschiedlicher Größe. Der Ausstellungsparcours greift wiederkehrende Themen in Arakis Werk auf, vom Verlangen bis zur Erinnerung, von der Intimität bis zum Verlust, von der Sinnlichkeit bis zur Melancholie, bis hin zur Beziehung zwischen Leben und Tod. Die Bilder bilden eine fragmentarische Erzählung, vergleichbar mit den Seiten eines persönlichen Tagebuchs, und stehen im Dialog mit dem vom Dromos Festival gewählten Thema, das dem Konzept des Geheimnisses als Raum der Neugier, Kreativität und Zugehörigkeit gewidmet ist. In dieser Perspektive laden die Fotografien dazu ein, bei dem Verborgenen zu verweilen, und regen zum Nachdenken über das Verhältnis zwischen dem Gezeigten und dem an, was sich dem Blick weiterhin entzieht.

Nobuyoshi Araki, Porträt (aus „Naked Face“) (2002; Cibachrome-Abzug, 58,5 x 47,5 cm)
Nobuyoshi Araki, Portrait (aus „Naked Face“) (2002; Cibachrome-Abzug, 58,5 x 47,5 cm)

Araki, 1940 in Tokio geboren, hat im Laufe von über fünfzig Jahren eine fotografische Sprache entwickelt, die Autobiografie, Erotik, Beobachtung des städtischen Lebens und visuelles Experimentieren miteinander verwebt. Für den japanischen Fotografen ist die Fotografie eine Praxis, die eng mit der Erfahrung der Zeit verbunden ist: Jede Aufnahme wird zu einem Zeugnis des Augenblicks und zu einem Versuch, dessen Erinnerung zu bewahren. Die unaufhörliche Produktion von Bildern ist eines der charakteristischen Merkmale seiner Arbeit, die darauf ausgerichtet ist, den Fluss des Alltags zu dokumentieren und jeden Moment in ein Fragment zu verwandeln, das den Lauf der Zeit überdauern soll.

Auf diesem Weg nimmt die Polaroid-Kamera eine zentrale Rolle ein. Die Unmittelbarkeit des Sofortbildes wird in der Tat zu einem bevorzugten Instrument seiner künstlerischen Praxis und ermöglicht es ihm, eine Form der direkten visuellen Schrift zu entwickeln, in der persönliche Erinnerung und die Aufzeichnung der Gegenwart zusammenfallen. Die Polaroidkamera ist ein Medium, das in der Lage ist, die Beziehung zwischen gelebter Erfahrung und fotografischem Bild schnell zu übersetzen.

Die in „Secret Pages“ versammelten Werke spiegeln die Vielfalt der vom Künstler behandelten Themen wider. Blumen, Körper, Details des Alltags, weibliche Figuren und schwebende Ansichten koexistieren in einem Universum, in dem die Elemente der Realität eine symbolische Dimension annehmen. Jede Fotografie bewahrt den Tagebuchcharakter, der sich durch Arakis gesamtes Schaffen zieht, in dem das Bild eine Spur der Existenz und der Erinnerung darstellt.

Nobuyoshi Araki
Nobuyoshi Araki

Die Ausstellung führt zudem durch einige der bekanntesten Zyklen seines Schaffens. Von den seiner Frau Yōko gewidmeten Arbeiten bis hin zu Frauenporträts, von Blumenkompositionen bis hin zu Stadtansichten hat Araki Episoden seiner persönlichen Erfahrung in eine Reflexion über die Vergänglichkeit der Zeit und die Unbeständigkeit des Lebens verwandelt – ein Thema, das tief in der japanischen Kultur verwurzelt ist.

Einer der bekanntesten und umstrittensten Aspekte seines Schaffens betrifft die Darstellung von Erotik und Sexualität durch Bilder, die vom Kinbaku, der traditionellen japanischen Kunst des Fesselns, inspiriert sind. Wörtlich übersetzt bedeutet „Kinbaku“ „festes Fesseln“; es gilt als eine Praxis, die künstlerische und erotische Dimensionen vereint und in der japanischen Tradition als eine Form der Beziehung interpretiert wird, die auf Intimität und Verbundenheit zwischen den Beteiligten beruht.

In den diesem Thema gewidmeten Fotografien werden von Seilen umwickelte Frauen in Umgebungen porträtiert, die stark von der japanischen Kultur geprägt sind: mit Tatami-Matten ausgelegte Räume, schlichte Innenräume und eine Atmosphäre der Schwebe. Die Bildkomposition betont den Kontrast zwischen der emotionalen Spannung der Szenen und dem unbewegtem Ausdruck der Models und trägt dazu bei, das Gefühl der erzählerischen Schwebe zu verstärken, das einen Großteil des Schaffens des Künstlers durchzieht.

Nobuyoshi Araki, Yoko (Sentimental Journey) (1971; Silbersalzabzug auf Barytpapier, 50,8 x 61 cm)
Nobuyoshi Araki, Yoko (Sentimental Journey) (1971; Silbersalzabzug auf Barytpapier, 50,8 x 61 cm)

Hinter der provokativen Komponente, die die Rezeption seines Werks oft begleitet hat, verbirgt sich eine ständige Reflexion über die Verletzlichkeit des Daseins. In Arakis Fotografien koexistieren nämlich Sehnsucht und Abwesenheit, Erotik und Tod, Schönheit und Verfall – Elemente, die als untrennbare Aspekte der menschlichen Erfahrung dargestellt werden. Durch den Einsatz der Polaroid-Technik, von Farbe, manuellen Bearbeitungen und der Konstruktion narrativer Sequenzen hat der japanische Fotograf dazu beigetragen, die Ausdrucksmöglichkeiten des fotografischen Mediums sowie die Beziehung zwischen Bild, Erinnerung und Erzählung neu zu definieren.

Zitate

„Mit seinem Genie gelingt es Araki, die vielfältigen Sphären der Frau, der Flora und der Dinge darzustellen, aus denen er die verborgenen und geheimen Teile hervorhebt, die mehr oder weniger leidenschaftlichen und andere, die besonders traumhaft sind: imaginäre Visionen, die den Geist erheben“, sagt Pietro Molinas Balata.

„Was wie erotische Zurschaustellung wirkt, ist jedoch eine Reflexion über die Zeit, über die Vergänglichkeit und, mehr noch, über die Unfassbarkeit“, betont die Kuratorin Sonia Borsato. „Seine Bilder scheinen zu sagen: Alles ist vergänglich – Schönheit und Liebe verblassen mit der Zeit –, und doch lohnt es sich gerade deshalb, hinzuschauen und sich zu erinnern. Mit seinen Fotografien versucht Araki, die Vergänglichkeit des Begehrens zu akzeptieren und zugleich das Geheimnis unserer Existenz zu ergründen.“

Praktische Informationen

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9–20 Uhr; Samstag und Sonntag 9–13 Uhr und 15–20 Uhr

Eintrittspreis für die Ausstellung: 5 Euro

In Oristano erzählen 122 Fotografien von Nobuyoshi Araki von den Geheimnissen der Erinnerung
In Oristano erzählen 122 Fotografien von Nobuyoshi Araki von den Geheimnissen der Erinnerung



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