In Triest: „Fotoni“, die erste Fotoausstellung von Ila Bêka im Magazzino delle Idee


Vom 27. Juni bis zum 11. Oktober 2026 zeigt das Magazzino delle Idee die von Barbara Casavecchia kuratierte Ausstellung „FOTONI“, die erste Einzelausstellung, die dem fotografischen Schaffen von Ila Bêka gewidmet ist. Zu sehen sind über 300 Bilder, die aus einem bisher unveröffentlichten Archiv von rund 300.000 Aufnahmen ausgewählt wurden.

Vom 27. Juni bis zum 11. Oktober 2026 beherbergt das Magazzino delle Idee in Triest FOTONI, die erste Einzelausstellung, die dem fotografischen Schaffen von Ila Bêka (Filippo Clericuzio; Latisana, 1967), einer friaulischen Künstlerin und Regisseurin, die international für ihre gemeinsam mit Louise Lemoine entwickelte Arbeit bekannt ist. Die von Barbara Casavecchia kuratierte und von der Regionalbehörde für Kulturerbe der Region Friaul-Julisch Venetien produzierte und organisierte Ausstellung stellt einen bedeutenden Schritt in der Neubetrachtung von Bêkas künstlerischem Schaffen dar und bringt zum ersten Mal das umfangreiche und bisher unveröffentlichte Fotoarchiv, das im Laufe von vierzig Jahren entstanden ist, der Öffentlichkeit nahe.

Das Ausstellungsprojekt konzentriert sich auf eine Auswahl von über 300 Fotografien, die aus einem Gesamtkorpus von rund 300.000 Aufnahmen stammen. Es handelt sich um ein visuelles Erbe, das bislang größtenteils privat geblieben ist und eine lange Praxis der Beobachtung der Realität durch den Blick des Künstlers dokumentiert. Die im Magazzino delle Idee ausgestellten Bilder folgen keiner chronologischen Reihenfolge, sondern sind nach einer assoziativen und narrativen Logik angeordnet, die den Fluss der Erinnerung und des Denkens nachahmt und einen freien Weg zwischen Intuitionen, Emotionen und Erfahrungsfragmenten bahnt.

Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)

Der Titel FOTONI verweist auf eine wissenschaftliche und philosophische Dimension, die das gesamte Projekt durchzieht. Die Inspiration entspringt Ila Bêkas Interesse an der Quantenmechanik und insbesondere an der von Albert Einstein entwickelten Photonentheorie. Nach dieser Sichtweise ist Licht kein kontinuierlicher Strom, sondern besteht aus sich bewegenden Elementarteilchen, den Photonen, die vom menschlichen Auge wahrgenommen und vom Gehirn in Bilder umgewandelt werden. Die Künstlerin fasst dieses Konzept mit dem Satz „Sehen bedeutet, Photonen in Erfahrung zu übersetzen“ zusammen und stellt damit die Beziehung zwischen Wahrnehmung, Realität und Interpretation in den Mittelpunkt der Ausstellung.

Der Bezug zur Quantenphysik erstreckt sich auch auf eine umfassendere Reflexion darüber, wie wir die Welt betrachten. Wie im kuratorischen Parcours hervorgehoben wird, beschreibt die zeitgenössische wissenschaftliche Sichtweise die Realität als ein Beziehungsgeflecht, in dem Objekte keine absoluten Eigenschaften besitzen, sondern diese durch Interaktionen erwerben. In dieser Perspektive wird das Licht zum grundlegenden Medium, durch das jede visuelle Erfahrung Gestalt annimmt und sich in Signale verwandelt, die das Gehirn kontinuierlich verarbeitet.

Neben der theoretischen Dimension führt der Titel der Ausstellung auch ein Element der Ironie und Selbstreflexion ein, das mit der künstlerischen Praxis von Bêka verbunden ist. Viele der ausgestellten Bilder sind nämlich als Fotos entstanden, die mit dem Mobiltelefon aufgenommen wurden, einem Werkzeug, das der Künstler als eine Art visuelles Notizbuch nutzt. Es handelt sich nicht um Fotografien, die nach traditionellen formalen Maßstäben konzipiert sind, sondern um Notizen, Anmerkungen und Beobachtungen, die im Alltag gesammelt wurden, in einer fortwährenden Erkundung des städtischen Raums und seiner Mikroereignisse.

Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)

Der Ausstellungsparcours hebt zwei Hauptthemen hervor, die sich durch das gesamte Archiv ziehen: den Körper und das Licht. Der erste kommt vor allem in den Fotoserien zum Ausdruck, die sich auf die Jugend des Künstlers in Latisana beziehen, dem Geburtsort von Ila Bêka, der 1967 unter dem Namen Filippo Clericuzio geboren wurde, sowie in den Bildern, die an der nahegelegenen Küste von Lignano Sabbiadoro entstanden sind. In diesen Aufnahmen wird der Körper zu einem dynamischen Element, das in seinen Beziehungen zum Raum, zum Licht und zur Bewegung des Alltags betrachtet wird. Der zweite thematische Schwerpunkt ist das Licht, verstanden als primäre Materie des Sehens. Die für die Ausstellung ausgewählten Fotografien erforschen das Licht in seinen vielfältigen Erscheinungsformen, von der Reflexion in der Dunkelheit über plötzliche Lichtblitze bis hin zu Schattenbereichen, und schaffen so ein visuelles Vokabular, das sich zwischen Abstraktion und Realität bewegt. In diesem Zusammenhang ist das Licht nicht nur ein technisches Element der Fotografie, sondern wird zum eigentlichen Gegenstand des Bildes, zum generativen Prinzip der Wahrnehmung und der visuellen Erzählung.

Laut der Kuratorin Barbara Casavecchia sind die ausgestellten Bilder in der Lage, eine Dimension des ursprünglichen Staunens hervorzurufen, ähnlich wie in der Kindheit, als die Wahrnehmung von Licht und visuellen Phänomenen noch als eine Erfahrung der Entdeckung erschien. Das Licht, das durch den Staub dringt, die plötzlichen Reflexe oder die kleinen Regenbögen, die sich auf den Oberflächen bilden, werden so zu Elementen, die eine gemeinsame sensorische Erinnerung wecken können.

Viele der ausgestellten Fotografien werden zum ersten Mal auf Fotopapier in nicht standardisierten Formaten präsentiert. Die Größe der Werke ist nämlich nicht vorgegeben, sondern variiert je nach den Ausdrucksbedürfnissen des jeweiligen Bildes. Diese Entscheidung spiegelt die zentrale Idee des Projekts wider, dass es keine einzige mögliche Form der Darstellung der Welt gibt, so wie die Quantenphysik die Existenz vielfältiger Zustände und gleichzeitiger Konfigurationen der Realität nahelegt.

Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)
Ila Bêka, Fotoni (2026)

Die Gestaltung des Ausstellungsparcours wurde von dem Wunsch geleitet, Bilder auszuwählen, die den Blick des Betrachters neu zu wecken vermögen. Ila Bêka selbst beschreibt diesen Prozess als einen Versuch, in ihrem Archiv jene Fotografien zu finden, die neue Formen der Wahrnehmung hervorbringen können. Die Ausstellung wird so zu einer Art visueller Montage, einem Vorgehen, das direkt an die Sprache des Kinos anknüpft.

Dieser Aspekt wird durch den Verweis auf das Werk des Duos Bêka & Lemoine noch weiter unterstrichen, das seit über zwanzig Jahren Filme produziert, die die Beziehung zwischen Raum, Architektur und Wahrnehmung erforschen. Auch hier folgt die Montage keiner starren narrativen Struktur, sondern baut sich aus Fragmenten, Begegnungen und emotionalen Erfahrungen auf. Es ist kein Zufall, dass das gesamte Werk des Duos 2016 vom MoMA in New York erworben wurde und nun Teil der ständigen Sammlung des Museums ist.

Der von Miracoli herausgegebene Ausstellungskatalog begleitet das Projekt mit einem kritischen Text der Kuratorin und drei Gesprächen, die sich mit dem Werk des Künstlers befassen.

In Triest: „Fotoni“, die erste Fotoausstellung von Ila Bêka im Magazzino delle Idee
In Triest: „Fotoni“, die erste Fotoausstellung von Ila Bêka im Magazzino delle Idee



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