In Mailand, in den Räumen des Pirelli HangarBicocca, wird am 26. März 2026 die Rirkrit Tiravanija (Buenos Aires, 1961) gewidmete Retrospektive mit dem Titel The House That Jack Built eröffnet. Die Ausstellung, die bis zum 26. Juli zu sehen ist, wird von Lucia Aspesi und Vicente Todolí kuratiert und bietet eine umfassende Neuinterpretation der von dem Künstler über einen Zeitraum von mehr als dreißig Jahren entwickelten Forschung. Das Ausstellungsprojekt konzentriert sich insbesondere auf die räumlichen und architektonischen Dimensionen von Tiravanijas Praxis und bringt zum ersten Mal einen umfangreichen Kern von Werken zusammen, die sein Interesse an der Architektur als Beziehungsplattform widerspiegeln. Der Titel der Ausstellung erinnert an das berühmte englische Kinderlied “The House That Jack Built” aus dem 19. Jahrhundert, das als kumulative und sich wiederholende Erzählung konstruiert ist, die zwar ein Haus heraufbeschwört, aber nicht direkt seine Geschichte erzählt, sondern vielmehr seine Verbindungen zu seiner Umgebung aufzeigt.
Dieser Bezug ist für das Verständnis der Herangehensweise des Künstlers an das Thema derAutorenschaft von zentraler Bedeutung. Tiravanija begreift Gebäude nicht als geschlossene oder fertige Objekte, sondern als offene Strukturen, deren Bedeutung durch ihre Nutzung und die Menschen, die sie bewohnen, bestimmt wird. In dieser Perspektive verliert die Architektur ihre rein formale Dimension und wird zu einem Raum der Beziehungen, in dem das Werk durch gemeinsame Erfahrungen konstruiert wird.
Die Ausstellung versammelt eine große Auswahl an architektonischen Werken, die im Laufe der Jahre entstanden sind. Viele davon sind von ikonischen Gebäuden der Moderne inspiriert, die von Persönlichkeiten wie Le Corbusier, Sigurd Lewerentz, Rudolf Michael Schindler, Frederick Kiesler, Jean Prouvé und Philip Johnson unterzeichnet wurden. Durch diese Zitate interpretiert Tiravanija die Ikonen des 20. Jahrhunderts neu, indem er ihre ursprüngliche Funktion verändert und sie in neue Kontexte einfügt, in denen sie zu aktiven Interaktionsmitteln werden.
Der Eingriff des Künstlers beschränkt sich nicht auf eine formale Neuinterpretation, sondern führt eine kollektive Dimension ein, die darauf abzielt, die Bedeutung der Werke radikal zu verändern. Die Strukturen werden durch die Anwesenheit des Publikums aktiviert, das aufgerufen ist, sich zu beteiligen und zur Konstruktion der Erfahrung beizutragen. Auf diese Weise wird das Werk als ein offener Prozess konfiguriert, der sich ständig verändert, und nicht als ein definiertes Objekt.
Tiravanija wurde 1961 in Buenos Aires geboren und lebt und arbeitet zwischen New York, Berlin und Chiang Mai. Seit den 1990er Jahren hat er die Art und Weise, wie zeitgenössische Kunst verstanden wird, tiefgreifend beeinflusst, indem er die traditionellen Grenzen des Werks in Frage stellte und Praktiken förderte, die auf Interaktion und Partizipation basieren. Sein Werk besteht aus Installationen, Performances, Fotografien, Filmen, Skulpturen und Zeichnungen, die herkömmliche Kategorien sprengen und die Rolle des Betrachters neu definieren.
Im Mittelpunkt seiner Forschung steht die Reflexion über kulturelle Identität und die globalen Strukturen, die Orte durchdringen. Seine Projekte entspringen einer eingehenden Untersuchung von Kontexten und zielen darauf ab, die Dynamik zwischen Realität und Vorstellung, zwischen physischem Raum und symbolischer Konstruktion zu hinterfragen. Durch die Wiedergabe alltäglicher Aktivitäten wie Kochen, Essen, Schlafen oder Spielen verwandelt Tiravanija den Ausstellungsraum in eine gelebte Umgebung und entzieht ihn jeglicher Idealisierung.
Dieser Ansatz führt zu einer Kritik an den Mechanismen westlicher Kunstinstitutionen, die oft für die Definition und Legitimierung von Wissen durch kodifizierte Ausstellungsmodi verantwortlich sind. Die Künstlerin greift in diese Mechanismen ein, indem sie alternative Formen vorschlägt, in denen Objekte und Räume reaktiviert werden und wieder eine lebendige Dimension erhalten. Emblematisch ist die Verwendung von Lebensmitteln als künstlerisches Mittel, das eine gemeinschaftliche und relationale Dimension einführt, die die traditionellen Hierarchien zwischen Werk und Publikum in Frage stellt.
Die Retrospektive im HangarBicocca ist Teil einer internationalen Ausstellung, die Tiravanija als Protagonisten in führenden Institutionen wie dem Gropius Bau in Berlin, dem MoMA PS1 in New York, dem Centre Pompidou in Paris und dem Solomon R. Guggenheim Museum gezeigt hat. Auch bei großen internationalen Veranstaltungen, von der Biennale in Venedig bis zur Whitney Biennale, von der Shanghai Biennale bis zur Gwangju Biennale, war er stets präsent.
Im Rahmen der Mailänder Ausstellung sind die Werke als Sequenzen konzipiert, die sich entlang des Ausstellungsraums in einer Art visueller und ökologischer Erzählung entfalten. Der Weg entwickelt sich als eine Abfolge von Szenarien, in denen der Besucher eine zentrale Rolle einnimmt und zu einem integralen Bestandteil des Werks wird. In der Tat tauchen in vielen der Installationen die Worte “a lot of people” unter den für die Realisierung benötigten Materialien auf, was unterstreicht, wie sehr die menschliche Präsenz ein konstitutives Element des Werks ist.
Sich auf “viele Menschen” zu verlassen bedeutet, die Unvorhersehbarkeit und Offenheit des künstlerischen Prozesses zu akzeptieren. Die Werke können durch das, was im Raum geschieht, unterbrochen, verändert oder transformiert werden, in einer Dynamik, die jede Erfahrung einzigartig und nicht wiederholbar macht. In diesem Sinne distanziert sich die Ausstellung von der Vorstellung einer Retrospektive als einer statischen Sammlung historischer Werke und präsentiert sich stattdessen als aktives Instrument, in dem Formen durch neue Präsenzen und neue Umstände ständig reaktiviert werden.
The House That Jack Built ist somit eine Untersuchung der Beziehung zwischen Kunst, Architektur und Gemeinschaft, bei der das Werk nie endgültig ist, sondern im Laufe der Zeit durch Interaktion konstruiert wird. Ein Projekt, das Tiravanijas Forschungen sinnbildlich widerspiegelt und das im Kontext des Pirelli HangarBicocca dem Publikum eine Erfahrung bietet, die sich auf die Teilnahme und das Teilen als grundlegende Elemente zeitgenössischer künstlerischer Praxis konzentriert.
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| Mailand, Rirkrit Tiravanija wird im HangarBicocca ausgestellt |
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