Der Diebstahl bei Antonello: Beim Thema Schutz und Überwachung gibt es eine „sizilianische Frage“


Der Diebstahl der Gemälde von Antonello aus dem Regionalmuseum von Messina offenbart die Schwachstellen des sizilianischen Systems: Es bedarf qualifizierten Personals, angemessener Personalausstattung, effizienter Technologien und sofortiger Maßnahmen zum Schutz des Kulturerbes. Ein Kommentar von Silvia Mazza, Präsidentin von AStArte – Nationaler Verband der Kunsthistoriker.

Es gibt keinen „Fall Messina“, es handelt sich nicht um eine „süditalienische Angelegenheit“, wie der Präsident des Obersten Rates für Kulturgüter und Umwelt, Claudio Strinati, behauptet hat. Aber es ist sehr wohl eine sizilianische Angelegenheit. Das Sicherheitssystem im Nationalmuseum von Reggio Calabria wie auch im Archäologischen Nationalmuseum von Neapel fällt unter die Museumsorganisation des Kulturministeriums (MiC). Es kann nicht mit einer anderen Struktur wie der der Museen der Region Sizilien gleichgesetzt werden. Die ausschließliche Zuständigkeit in Sachen Kulturgüter endet an der Straße von Messina. Das gilt auch für die Lösungen, die im Bereich der Überwachung in den Museen umgesetzt wurden.

In den autonomen staatlichen Museen liegt der Schutz der Kunstwerke ausschließlich in der Verantwortung des Direktors. In den sizilianischen Regionalmuseen hingegen obliegt er der Denkmalschutzbehörde, während die Museumsleitung für die Überwachung des Erhaltungszustands zuständig ist, einschließlich der Maßnahmen der laufenden Instandhaltung wie dem regelmäßigen Abstauben der Kunstwerke. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Das Restaurierungsprojekt eines Gemäldes in den Uffizien wird vom Direktor genehmigt, in der Galleria Abatellis hingegen von der Denkmalschutzbehörde. Die Aufsicht obliegt hingegen in beiden Fällen dem Museum. Allerdings gibt es grundlegende Unterschiede zwischen Staat und Region.

Antonello da Messina, Flügelaltar des Heiligen Gregor: Madonna mit Kind oder Rosenkranzmadonna zwischen den Heiligen Gregor und Benedikt, dem verkündenden Engel und der Empfängnis (1473; Holztafel, 170 x 203 cm; Messina, Museo Regionale Accascina)
Antonello da Messina, Flügelaltar des Heiligen Gregor: Madonna mit Kind oder des Rosenkranzes zwischen den Heiligen Gregor und Benedikt, verkündender Engel und die Verkündete (1473; Holztafel, 170 x 203 cm; Messina, Museo Regionale Accascina)

Der Schaden, der dem Kulturerbe der gesamten Nation durch den Diebstahl des Antonello-Gemäldes aus dem Regionalmuseum von Messina zugefügt wurde, hat deutlich gemacht, welchen Gefahren alle regionalen Museen ausgesetzt sind, so sehr, dass man heute mit Maßnahmen wie dem bewaffneten Wachdienst in Deckung geht, die jedoch nicht als strukturelle Lösung angesehen werden können. Unbeschadet der gebotenen Arbeit der Ermittler bei der Klärung der Verantwortlichkeiten ist die objektive Tatsache, dass Fachkompetenz im Bereich des Kulturerbes von zentraler Bedeutung ist, in ihrer ganzen Deutlichkeit zutage getreten. Insbesondere dem für die Überwachung und Sicherheit zuständigen Personal kommt eine entscheidende Verantwortung bei der Erhaltung des Kulturerbes zu; daher muss es über spezifische Fähigkeiten in den Bereichen Kontrolle, Prävention und Notfallmanagement verfügen.

In Sizilien hingegen, wie bereits am Tag nach dem Diebstahl von dem von mir geleiteten Nationalen Verband der Kunsthistoriker als Erster hervorgehoben wurde, ist das Überwachungssystem der regionalen Kulturstätten weitgehend an das Personal der SAS (Servizi Ausiliari Sicilia) delegiert, das ohne gezielte Auswahlverfahren eingestellt wurde und über keine auf die Sensibilität der Aufgaben abgestimmte Fachausbildung verfügt. Hinzu kommt ein häufiger und chronischer Personalmangel im Verhältnis zum tatsächlichen Bedarf der Einrichtungen. Im MiC hingegen wird das Wachpersonal über spezifische Auswahlverfahren eingestellt, während die autonomen Einrichtungen auf externe Dienste zurückgreifen können, wenn die internen Ressourcen nicht ausreichen.

Derzeit gibt es in der Hoffnung auf die Wiederbeschaffung der wertvollen Werke von Antonello zwei Handlungsebenen: die langfristige, um das zu korrigieren, was alle Regionalregierungen in den letzten Jahrzehnten versäumt haben – durch Auswahlverfahren und modernste Videoüberwachungssysteme, die regelmäßig gewartet werden müssen –, und die kurzfristige Maßnahme, das ausgestellte Kulturerbe auch mit drastischen Maßnahmen zu schützen – nicht nur durch bewaffnete Wachdienste, sondern auch durch nächtliche Militärposten an sensiblen Standorten. Da der Generalstaatsanwalt von Messina, Antonio D’Amato, einen mafiösen Hintergrund nicht ausschließt, muss die Botschaft lauten: Der Staat ist präsent.

Silvia Mazza
Präsidentin des Nationalen Verbandes der Kunsthistoriker – AStArte



Silvia Mazza

Der Autor dieses Artikels: Silvia Mazza

Storica dell’arte e giornalista, scrive su “Il Giornale dell’Arte”, “Il Giornale dell’Architettura” e “The Art Newspaper”. Le sue inchieste sono state citate dal “Corriere della Sera” e  dal compianto Folco Quilici  nel suo ultimo libro Tutt'attorno la Sicilia: Un'avventura di mare (Utet, Torino 2017). Come opinionista specializzata interviene spesso sulla stampa siciliana (“Gazzetta del Sud”, “Il Giornale di Sicilia”, “La Sicilia”, etc.). Dal 2006 al 2012 è stata corrispondente per il quotidiano “America Oggi” (New Jersey), titolare della rubrica di “Arte e Cultura” del magazine domenicale “Oggi 7”. Con un diploma di Specializzazione in Storia dell’Arte Medievale e Moderna, ha una formazione specifica nel campo della conservazione del patrimonio culturale (Carta del Rischio).


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