Nigel Cooke gibt sein Debüt in Italien mit „Bad Habits“ in der Fondazione Querini Stampalia


Anlässlich der 61. Kunstbiennale von Venedig präsentiert die Fondazione Querini Stampalia die erste italienische Einzelausstellung von Nigel Cooke. Fünf großformatige Gemälde, die während eines Künstleraufenthalts in Venedig entstanden sind, setzen sich mit den Themen Erinnerung, Verfall, Identität und Wandel auseinander.

Venedig ist Schauplatz der ersten Einzelausstellung des britischen Künstlers Nigel Cooke (Manchester, 1973) in Italien: Anlässlich der 61. Internationalen Kunstausstellung der Biennale von Venedig präsentiert die Fondazione Querini Stampalia „Bad Habits“, ein von Evelyn C. Hankins kuratiertes Ausstellungsprojekt, das vom 5. Mai bis zum 22. November 2026 für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Die Initiative stellt einen bedeutenden Meilenstein in der internationalen Laufbahn des Künstlers dar, der als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der zeitgenössischen britischen Malerei gilt. Die Ausstellung entstand aus einem eigens von der Fondazione Querini Stampalia konzipierten Künstlerresidenzprogramm, das zum ersten Mal einen Künstler in Residenz aufnimmt und dabei die Räume des venezianischen Palastes in einen Ort der Produktion, der Reflexion und der direkten Auseinandersetzung mit der Stadt verwandelt.

Im Frühjahr 2026 hielt sich Cooke in Venedig auf, um eine neue Serie großformatiger, atmosphärischer Gemälde zu schaffen, die vom historischen und kulturellen Erbe der Stiftung sowie vom lebendigen Gefüge der Lagunenstadt inspiriert sind. Der vom Museum vorgeschlagene Künstleraufenthalt wurde als Erfahrung des vollständigen Eintauchens in das venezianische Milieu konzipiert, in seine Gewässer, die Kanäle, die Lagune und die besonderen Lichtverhältnisse, die seit Jahrhunderten Künstler aus aller Welt faszinieren. Die Fondazione Querini Stampalia stellte dem Künstler den Portego della Biblioteca zur Verfügung, der für diesen Anlass in ein Atelier umgewandelt wurde. Der Raum, der sich neben der historischen Bibliothek der Stiftung und direkt über den von Carlo Scarpa entworfenen Räumen im Erdgeschoss befindet, blickt auf das Wasser des Rio di Santa Maria Formosa und bietet somit einen privilegierten Blick auf das venezianische Alltagsleben.

Das Ausstellungsprojekt ist eng mit dem Ort verbunden, an dem es Gestalt annimmt. Am Ende des Aufenthalts werden fünf Gemälde in demselben Raum ausgestellt, in dem sie entstanden sind – eine Situation, die eine direkte Kontinuität zwischen dem Schaffensprozess und der öffentlichen Rezeption der Werke schafft. Der Besucher kann sich somit nicht nur mit dem Endergebnis der Arbeit des Künstlers auseinandersetzen, sondern auch mit dem physischen und kulturellen Kontext, der deren Entstehung beeinflusst hat.

Ausstellungsgestaltung. Foto: Lorenzo Palmieri © Nigel Cooke
Ausstellungsansichten. Foto: Lorenzo Palmieri © Nigel Cooke

Nigel Cookes künstlerisches Schaffen zeichnet sich seit langem durch eine starke Verbindung zu persönlichen Erfahrungen, besuchten Orten und durchlebten kulturellen Kontexten aus. Seine Werke entstehen oft aus der Begegnung zwischen individueller Erinnerung, direkter Beobachtung und historischer Reflexion und bringen Bilder hervor, die zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen Erzählung und atmosphärischer Suggestion oszillieren. Die neuen Werke, die in Bad Habits präsentiert werden, haben ihre Wurzeln in einer Reise des Künstlers nach Athen. Während seines Aufenthalts in der griechischen Hauptstadt fertigte Cooke Studien zu fragmentarischen Statuen an, die in den städtischen Museen aufbewahrt werden, und entwickelte dabei eine Reflexion über die Ruinen der Antike und darüber, wie die Zeit die Bedeutung von Formen verändert, transformiert und neu schreibt.

Athen, eine Stadt, die im Laufe der Jahrtausende historische, kulturelle und architektonische Schichten angesammelt hat, wurde für den Künstler zu einer Art lebendigem Palimpsest, einer Oberfläche, auf der sich Tausende von Jahren kollektiver und individueller Erfahrungen überlagern. Aus dieser Beobachtung ergab sich ein Schlüsselbegriff, der die Entwicklung der neuen Gemäldeserie leiten sollte: der griechische Begriff „θραῦσμα“ (thraûsma), übersetzbar als Ruine, Trauma oder Fragment.

Das Konzept des thraûsma wurde zu einem grundlegenden Element der von Cooke für die Ausstellung in Venedig entwickelten Forschung. Fragmente des Wortes tauchen in den ersten Entwurfsphasen der Gemälde auf und übernehmen eine doppelte Funktion als Text und Bild. Diese sprachlichen Zeichen treten in einen Dialog mit anderen Formen malerischen Schaffens, die der Künstler kürzlich erprobt hat, und erzeugen visuelle und konzeptuelle Spannungen, die sich durch die gesamte Serie ziehen.

Auch Venedig spielte eine entscheidende Rolle bei der Ausgestaltung des Projekts. Die Lagunenstadt mit ihrer komplexen, vielschichtigen Geschichte und ihrer jahrhundertelangen Funktion als internationaler Knotenpunkt hat die Reflexion der Künstlerin über das Verhältnis zwischen Erinnerung, Verfall und Transformation weiter beflügelt. Wie Athen war Venedig jahrhundertelang ein Ort der Sammlung und Bewahrung der Spuren vergangener Zivilisationen, ein Erbe, das zur Entwicklung bedeutender kultureller, künstlerischer und wissenschaftlicher Traditionen beigetragen hat.

Im Umgang mit Venedig beschränkt sich Cooke jedoch nicht darauf, den monumentalen Charme der Stadt zu betrachten. Seine Aufmerksamkeit richtet sich auch auf die dunkleren Aspekte ihrer Geschichte sowie auf die Unruhen, die die Gegenwart prägen. Die Eindrücke, die durch aktuelle Ereignisse und die Spannungen in der Welt hervorgerufen werden, finden in den neuen Werken ihren Platz durch eine Farbpalette, die von tiefen, nächtlichen Tönen geprägt ist. In diesen Bildlandschaften tauchen Fragmente von menschlichen Figuren, Tieren und Gegenständen auf, die aus der Dunkelheit hervorzutreten scheinen, um sich dann wieder aufzulösen. Die Bildgestaltung erfolgt durch Erscheinen und Verschwinden, in einem labilen Gleichgewicht zwischen Erkennbarkeit und Mehrdeutigkeit. Die Gemälde evozieren Situationen der Ungewissheit und Dunkelheit, lassen aber auch Möglichkeiten der Veränderung und Zeichen der Hoffnung erahnen, die der Künstler als vom Mondlicht erhellte Fragmente beschreibt.

Die Ausstellung entwickelt so eine Reflexion über die conditio humana, über das individuelle und kollektive Gedächtnis und über die Fähigkeit der Kunst, die Gegenwart durch den Dialog mit der Vergangenheit zu hinterfragen. Die Werke bieten keine lineare Erzählung, sondern konstruieren vielmehr ein Geflecht aus Bezügen, Andeutungen und Assoziationen, das das Publikum dazu einlädt, sich mit den eigenen Erfahrungen und Interpretationen auseinanderzusetzen.

Nigel Cooke ist tief mit der Geschichte der Malerei verbunden und nimmt eine herausragende Stellung in der britischen zeitgenössischen Malerei ein. Sein Werk reiht sich in eine Tradition ein, die die Bildsprache als ein Instrument betrachtet, das nach wie vor in der Lage ist, existenzielle, historische und soziale Fragen anzugehen, wenn auch durch offene und nicht didaktische Formen. Mit Bad Habits reiht sich der Künstler ideell in die lange Riege von Künstlern ein, die in Venedig eine Quelle der Inspiration und der kreativen Erneuerung gefunden haben. Die Stadt wird für Cooke zu einem Ort, an dem er das Verhältnis zwischen Individuum und Geschichte, zwischen persönlicher Erfahrung und kollektivem Gedächtnis, zwischen Gegenwart und Vergangenheit neu überdenken kann.

In den neuen Gemälden erscheint das Selbst, wie in der Stadt, die sie inspiriert hat, als etwas, das ständig neu definiert werden kann. Durch abstrakte Zeichen, visuelle Schichtung und teilweise hervortretende Bilder zeichnen die Werke kreisförmige Wege nach, in denen sich verschiedene Zeiten überlagern und gegenseitig widerspiegeln. Die Vergangenheit taucht in der Gegenwart wieder auf, während die individuelle Erfahrung mit umfassenderen und gemeinsamen Dimensionen in Beziehung tritt.

Nigel Cooke gibt sein Debüt in Italien mit „Bad Habits“ in der Fondazione Querini Stampalia
Nigel Cooke gibt sein Debüt in Italien mit „Bad Habits“ in der Fondazione Querini Stampalia



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