Madrid, Prado erwirbt ein Werk von Luisa Roldán: historische Anerkennung für die barocke Bildhauerin


Das Prado-Museum in Madrid präsentiert zum ersten Mal eine Skulptur von Luisa Roldán: die für 275 Millionen Euro erworbene Rast auf der Flucht nach Ägypten. Eine symbolische und wissenschaftliche Erwerbung, die eine historische Lücke füllt und die Rolle der ersten Hofbildhauerin im barocken Spanien aufwertet.

Zum ersten Mal in seiner Geschichte nimmt das Prado-Museum in Madrid eine Skulptur von Luisa Roldán (Sevilla, 1652 - Madrid, 1706), einer der außergewöhnlichsten und lange unterschätzten Persönlichkeiten des spanischen Barock, in seine Sammlungen auf. Die Aufnahme des Werks ist nicht nur für die Madrider Institution von besonderer Bedeutung, sondern auch für die Neuinterpretation der Rolle von Künstlerinnen in der europäischen Kunstgeschichte. Der Name von Luisa Roldán, bekannt als “La Roldana”, war bereits auf der Fassade des Museums unter den großen Meistern eingraviert, war aber bisher durch kein Werk in den ständigen Sammlungen vertreten.

Bei dem für 275.000 Euro erworbenen Werk handelt es sich um die “Rast auf der Flucht nach Ägypten”, eine signierte und datierte Skulptur aus polychromer Terrakotta aus dem Jahr 1691. Es handelt sich um eine Skulpturengruppe von außerordentlicher Qualität, die das technische Talent des Künstlers, seine expressive Raffinesse und seine erzählerische Originalität in vollem Umfang bezeugt. Die offizielle Aufnahme des Werks wurde am 18. Dezember bekannt gegeben und stellt einen grundlegenden Schritt im Prozess der Erweiterung und Aktualisierung der Sammlungen des Prado dar.

Die 1652 in Sevilla geborene und 1706 in Madrid verstorbene Luisa Roldán war die erste Frau, die unter Karl II. und Philipp V. den Titel “Kammerbildhauerin” erhielt. Eine außergewöhnliche Karriere in einem historisch von Männern dominierten Kontext, die ihre Figur nicht nur für das Verständnis der Entwicklung der barocken Bildhauerei, sondern auch für die soziale und kulturelle Dynamik Spaniens zwischen dem 17. und 18. Trotz des hohen Ansehens, das er zu Lebzeiten erlangte, blieb seine museale Anerkennung lange unvollständig, was diesen Erwerb besonders bedeutsam macht.

Die Rast auf der Flucht nach Ägypten stellt die Heilige Familie während einer Pause auf der Reise nach Ägypten dar. Die Szene ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet und zeugt von einer außergewöhnlichen erzählerischen Sensibilität. Die Jungfrau, der heilige Josef und das Kind sind in eine ausgewogene und harmonische Komposition eingefügt, die durch naturalistische Elemente wie den Baum, der die Gruppe einrahmt, bereichert wird und zu einem Gefühl der Intimität und zeitlichen Suspension beiträgt. Die Qualität der Modellierung in Verbindung mit dem Farbreichtum zeugt von einer umfassenden Beherrschung der Materialien und Techniken.

Luisa Roldán, Rast auf der Flucht nach Ägypten (1691; Terrakotta und polychromes Holz; Madrid, Prado)
Luisa Roldán, Rast auf der Flucht nach Ägypten (1691; Terrakotta und polychromes Holz; Madrid, Prado)

Das Werk besteht aus Terrakotta und polychromem Holz und besticht durch seine außergewöhnlich gut erhaltene Polychromie, ein grundlegendes Element der spanischen Barockskulptur. Die Farben haben eine seltene Lebendigkeit bewahrt, die es ermöglicht, die vom Künstler beabsichtigte Wirkung voll zu erfassen. Dieser Aspekt macht die Skulptur nicht nur zu einem bedeutenden künstlerischen Dokument, sondern auch zu einer wertvollen Quelle für das Verständnis der dekorativen Techniken jener Zeit.

Die Skulpturengruppe stammt aus der historischen Güell-Sammlung, die als Referenz für die spanische Bildhauerei gilt. Das Werk wurde vom Kulturministerium bei der jüngsten Versteigerung des Abalarte-Hauses für den erwarteten Betrag von 275 000 € erworben und anschließend dem Prado-Museum zugewiesen. Die Maßnahme ist Teil einer umfassenderen Strategie zur Stärkung der nationalen Sammlungen durch die Rückgewinnung von Werken von hohem historischen und künstlerischen Wert.

Die Aufnahme der Rast auf der Flucht nach Ägypten ermöglicht es dem Prado außerdem, den Dialog zwischen Skulptur und Malerei im spanischen Barock, eines der zentralen Themen seiner Sammlung, zu vertiefen. Das Werk von Roldán ermöglicht es nämlich, bedeutende Beziehungen zu zeitgenössischen Künstlern, die im Bereich der Malerei tätig sind, wie Luca Giordano, herzustellen, die bereits in den Sammlungen des Museums vertreten sind. Dieser Vergleich trägt dazu bei, die künstlerische Landschaft dieser Zeit und die gegenseitigen Einflüsse zwischen den verschiedenen Disziplinen deutlicher zu erkennen.

Gleichzeitig bereichert die Neuerwerbung den Kernbestand an Andachtsskulpturen des Prado, der bereits Schlüsselwerke von Meistern wie Gregorio Fernández, Pedro de Mena, Luis Salvador Carmona und Juan de Mesa umfasst, erheblich. Die Einbeziehung von Luisa Roldán in diesen Kontext ermöglicht einen umfassenderen und facettenreicheren Blick auf die sakrale und höfische Kunst im barocken Spanien und verdeutlicht die Vielfalt der Sprachen und Sensibilitäten dieser Zeit.

Auch aus institutioneller Sicht stellt die Ankunft der Skulptur eine symbolische Geste von großem Wert dar. Mit dieser Erwerbung bekräftigt das Prado-Museum sein Engagement für die Aufwertung des künstlerischen Erbes der Frauen und die kritische Revision des traditionellen Kanons der Kunstgeschichte. Die Präsenz von Luisa Roldán in den ständigen Sammlungen trägt dazu bei, der Künstlerin den ihr gebührenden Platz in der musealen und akademischen Überlieferung zurückzugeben. Die Tatsache, dass es sich um die erste Skulptur von Roldán handelt, die im Prado ausgestellt wird, gewinnt noch mehr an Bedeutung, wenn man bedenkt, dass das Museum jahrhundertelang der wichtigste Bezugspunkt für die Erzählung der spanischen Kunst war. Das Fehlen des Künstlers in den Sammlungen war eine eklatante Lücke, die nun dank eines Werks, das seine künstlerischen Qualitäten emblematisch zusammenfasst, endlich geschlossen wurde.

Der Erwerb der Rast auf der Flucht nach Ägypten ist daher nicht nur eine Bereicherung der Sammlung, sondern auch ein Akt der historischen Wiederherstellung. Durch diese Skulptur wird die Öffentlichkeit direkt mit dem Werk einer Frau konfrontiert, die sich auf dem höchsten Niveau der künstlerischen Produktion ihrer Zeit behaupten konnte und die europäische Barockskulptur tiefgreifend geprägt hat. Dies ist ein wichtiger Schritt, der die Rolle des Museums nicht nur als Bewahrer der Vergangenheit, sondern auch als Ort der kritischen Neuinterpretation und der kontinuierlichen Aktualisierung des gemeinsamen kulturellen Gedächtnisses bestätigt.

Madrid, Prado erwirbt ein Werk von Luisa Roldán: historische Anerkennung für die barocke Bildhauerin
Madrid, Prado erwirbt ein Werk von Luisa Roldán: historische Anerkennung für die barocke Bildhauerin


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